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22.03.1996 - 

IT in Banken/Strikte Richtlinien fuer das Risiko-Management

Bundesaufsichtsamt macht fuer Banken IT-Knigge verbindlich

Bis Ende 1996 gilt es, den Auflagen der "Verlautbarung ueber Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschaeften der Kreditinstitute" des Bankenaufsichtsamts Folge zu leisten. Neben grundlegenden organisatorischen Veraenderungen sind neue IT-Systeme gefragt, die sowohl die Positionssteuerung in den einzelnen Handelsbereichen unterstuetzen, als auch ein umfassendes Risiko- Management ermoeglichen.

Bereits der Zusammenbruch der Barings-Bank, so berichtete der "Blick durch die Wirtschaft", hat laut einer Studie von Professor Hans Bueschgen, Universitaet Koeln, zwei Drittel der deutschen Banken dazu veranlasst, ihr Risiko-Management zu pruefen. Dabei ist laut Bueschgen schon heute ein hoher Standard erreicht: "In allen Banken existieren Limits, die den maximal moeglichen Verlust begrenzen." Betrachtet man jedoch das immense Volumen, das im Handel mit Swaps, Futures oder Forwards bewegt wird, wird schnell deutlich, wie fein abgestimmt das Instrumentarium kuenftig sein muss. Auch sind die Limits heute nicht koordiniert und entsprechen deshalb nicht den Markterfordernissen.

Neben den im Kreditwesengesetz festgeschriebenen Grundsaetzen und der sogenannten Kapitaladaequanzrichtlinie, die ab 1996 eine hoehere Eigenkapitalunterlegung verlangt, stellt die neue Verlautbarung zwei Forderungen an erste Stelle.

Als Mindestanforderung gilt, dass die Positionssteuerung in den einzelnen Handelsbereichen mit adaequaten IT-Systemkomponenten unterlegt wird. Gleichfalls Pflicht ist die strikte Trennung zwischen Handel, Abwicklung, Rechnungswesen und Controlling.

<H4>Zentrale Massnahmen</H4>

Eile in der Umsetzung ist geboten: Die Banken muessen die neuen Mindestanforderungen bis spaetestens Ende 1996 abgeschlossen haben. Dabei ist das ein erster Schritt. Die Banken haben jetzt die Moeglichkeit, durch ein komplettes Business-Process-Re-Engineering (BPR) effizientere und effektivere Organisationsstrukturen und Geschaeftsprozesse aufzubauen - vom Handelsraum ueber das Back- Office bis hin zum Rechnungswesen.

Zu den zentralen Massnahmen zaehlen:

-Aufbau eines Systems zur Messung und Ueberwachung von Risikopositionen. Hierbei muss neben dem System zur Steuerung der Positionen ein Risiko-Controlling implementiert werden, das die Handelstransaktionen analysiert und bewertet;

-Einfuehrung eines Management-Informationssystems (MIS) zur taeglichen Bewertung des Kredit- und Marktrisikos aller Einzelpositionen mit einer Verdichtung zum Gesamtrisiko;

-Implementierung eines Realtime-Systems zur Erfassung und Kontrolle aller Handelstransaktionen;

-Integration von Systemmodulen zur Festlegung, Ueberwachung und Kontrolle von Limits.

Voraussetzung fuer diese neue Rolle ist ein leistungsfaehiges Informations- und Kommunikationssystem. Doch rund um den Globus fehlt der Mehrheit der Handelsorganisationen die Faehigkeit, die von ihren Informationssystemen erzeugten, sehr heterogenen Datenmengen zu integrieren.

Grundlage fuer die Erfuellung der verschaerften Vorgaben sind deshalb neue, vollintegrierte IT- Systemarchitekturen. Ohne sie wird es nicht moeglich sein, die fuer das kontinuierliche Bewerten von Risiken noetigen Daten schnell genug bereitzustellen - im Echtzeittempo der in Sekundenbruchteilen gefaellten Kauf- oder Verkaufsentscheidungen. So schreibt das Aufsichtsamt zwar vor, dass vor dem Abschluss von Transaktionen das damit verbundene Risiko bewertet wird. Doch ob das im Rahmen der gegenwaertigen Prozesse technisch und organisatorisch moeglich ist, bleibt mehr als fraglich.

<H4>Einfuehrung von neuen Techniken</H4>

Eine vollstaendige Neubewertung und Anpassung der IT-Infrastruktur auf Basis optimierter Ablaeufe ist erforderlich. Um solche Massnahmen zum Erfolg zu fuehren, ist es von zentraler Bedeutung, die Abwicklungs- und Handelsbereiche nicht nur zu beteiligen, sondern aktiv in die Prozessoptimierung einzubeziehen. Damit wird gleichzeitig die Moeglichkeit eroeffnet, die bestehenden Prozesse zu verfeinern und neue Techniken wie Risikowertmassstaebe fuer Liquiditaet und Kreditwuerdigkeit sowie transaktionsbezogene Kostenzuteilung einzufuehren.

Der durchgaengige Wertpapier-Transaktionsprozess beruecksichtigt alle Elemente des Risiko-Managements:

- Risikodefinition,

- Positionsermittlung,

- Risikoquantifizierung und -limitierung,

- Abgleich von Risiko zu Ertrag sowie

- die Kapitalallokation.

Dieser Output aus einem umfassenden BPR-Ansatz schafft die Grundlage fuer die Implementierung eines globalen, durchgaengigen Risiko-Management-Systems.

<H4>Flexibilitaet durch OO-Programmsysteme</H4>

Fuer die systemtechnische Abbildung des Wertpapierhandels bietet sich das Konzept der objektorientierten Programmierung (OOP) an: Dabei wird ein System als eine Serie von Objektkomponenten entwickelt, die in sich abgeschlossen und autonom handlungsfaehig sind. Die Kommunikation zwischen den Objekten erfolgt auf der Grundlage von standardisierten Protokollen.

Die hohe Innovationsfaehigkeit im Wertpapierbereich verlangt nach solchen Konzepten. Bei der Handhabung neuer Finanzprodukte zum Beispiel muss dann keine "Einmalloesung" entwickelt werden. Vielmehr ist die Neukombination existierender Programmgruppen (Objekte) innerhalb eines definierten Arbeitsprozesses moeglich. Diese Vorgehensweise bringt einen deutlichen Kostenvorteil und rechnet sich vor allem durch die Praxisreife der einzelnen Komponenten. Gleichzeitig reduziert OOP Fehlerquellen, eliminiert Redundanzen und verbessert die Qualitaet der Softwaresysteme.

Der Erfolg dieses Ansatzes haengt von zwei zentralen Schritten ab. Erstens: Es muessen existierende Abteilungen neu strukturiert und autonome Arbeitsgruppen gebildet werden. Zweitens: Jede Arbeitsgruppe muss ueber eigene Ressourcen (oder einen bestimmten Anteil der gemeinsamen Ressourcen) verfuegen, um die ihr zugeteilten Aufgaben erfuellen zu koennen.

<H4>Erfolgsfaktor: Ganzheitliche Sichtweise</H4>

Die Konzentration auf kleinere, individualisierte Prozesse mit jeweils definierbaren und dadurch auch messbaren Aktivitaeten ermoeglicht die Einfuehrung einer transaktionsabhaengigen Kostenkalkulation und eroeffnet damit Wege, die operative Effizienz zu erhoehen. Der Gesamtueberblick darf dabei jedoch nicht verlorengehen.

Die Sichtweise des Geschaeftsprozesses Wertpapiertransaktion muss eine gesamtheitliche werden: vom Markt bis zum Kunden. Organisatorische Veraenderungen mit Business Re-Engineering sind dabei genauso wichtig wie die Homogenisierung der IT-Infrastruktur im Wertpapierhandel. Nur so laesst sich der Wertpapier- Transaktionsprozess unterbrechungsfrei und ohne Engpaesse durchgaengig implementieren. "Application islands" und die Nachteile einer System- und Schnittstellen-Vielfalt weichen dabei einem integrierten, individuell auf das Kreditinstitut zugeschnittenen Gesamtsystem.

Kurz & buendig

Bis Ende dieses Jahres muessen Banken und Sparkassen dem neuen Kodex fuer den Umgang mit Finanzinstrumenten des Bundesaufsichtsamtes fuer Kreditwesen Folge leisten. Neben organisatorischen Veraenderungen bedeutet das fuer die betroffenen Institute auch neue, vollintegrierte IT-Systemarchitekturen, die auch ein umfassendes Risiko-Management ermoeglichen.

*Ruediger Zastrow ist Geschaeftsleitungsmitglied bei EDS inn Deutschland und zeichnet fuer das Branchensegment Banken & Versicherungen verantwortlich.