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31.08.1990 - 

Paderborner reduzieren Verluste im operativen Bereich

Bundesdeutsches DV-Gespann Siemens-Nixdorf ist startklar

31.08.1990

PANDERBORN (ciw) - Letzter Schliff für SNI, das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nixdorf auf dem Computersektore. Die Aktionäre der Nixdorf Computer AG haben der Umfirmierung in Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, dem neuen Vorstand unter dem Vorsitz von Hans-Dieter Wiedig und den Änderungen im Aufsichtsrat zugestimmt, dem in Zukunft Siemens-Vorstandsmitglied Hermann Franz vorstehen wird.

Horst Nasko, der zum ersten und letzten Mal die Ehre hatte, den Lagebericht für das Unternehmen vorzutragen, machte keinen Hehl aus dem schlechten Verlauf des Geschäfts Jahres 1989, das er das "mit Abstand schwierigste in der Geschichte der Gesellschaft" nannte. Für das katastrophale Ergebnis mit einem Fehlbetrag von knapp 1,7 Milliarden Mark machte er zum einen branchenspezifische, zum anderen unternehmensinterne Ursachen verantwortlich. So sei man bei Nixdorf von Marktentwicklungen ausgegangen, "die sich aus heutiger Sicht als zu optimistisch erwiesen haben."

Trotz des Ende 1989 aufgelegten Restrukturierungsprogramms, das zur Reduktion von Arbeitsplätzen, zum Abbau der Entwicklungs- und Fertigungstiefe sowie für Bereinigung der Produktpalette geführt habe, sei, so Nasko weiter, ein "strukturelles Problem" erhalten geblieben, das allein nicht hätte gelöst werden können: Die Nixdorf Computer AG ist in den vergangenen Jahren in eine kritische Größenordnung hineingewachsen. Sie ist für einen erfolgreichen Nischenanbieter zu groß und für einen Universalanbieter sicher zu klein."

Allerdings verwies Nasko darauf, daß es dem Unternehmen gelungen sei, den negativen Trend bei der Entwicklung des Ergebnisses zu brechen. Der Ende des zweiten Halbjahrs ausgewiesene Verlust von 550 Millionen im operativen Geschäft konnte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um mehr als die Hälfte auf 266 Millionen Mark reduziert werden. Auch im Vergleich zum ersten Halbjahr 1989 stellt das Ergebnis eine Verbesserung um 30 Millionen Mark dar.

Diesen positiven Auswirkungen des Restrukturierungsprogramms stehen allerdings weitere Einbußen beim Umsatz gegenüber: Er ging von 2,4 Milliarden um elf Prozent auf 2,1 Milliarden Mark zurück. Dabei fiel der Rückgang im internationalen Geschäft mit sieben Prozent geringer aus als auf dem Heimmarkt, wo er zwölf Prozent betrug. Dem niedrigeren Umsatz stehen jedoch auch verringerte Aufwendungen für Investitionen gegenüber, sie gingen um 43 Prozent auf 154 Millionen Mark zurück. Ebenfalls reduziert wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, und zwar um sechs Prozent auf 234 Millionen Mark. Der Auftragsbestand schmolz gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 14 Prozent auf 4,7 Milliarden Mark zusammen.

Angesichts der gemeinsamen Zukunft mit dem Siemens-Bereich Daten- und Informationstechnik gab sich Nasko jedoch optimistisch: Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und sind zuversichtlich, daß wir das erste Geschäftsjahr der neuen Gesellschaft operativ mindestens ausgeglichen gestalten können."

Der Partner, ohne den ein "entsprechendes Geschäftsvolumen" nicht erreichbar sei, wird in Zukunft die Geschicke der SNI weitgehend bestimmen. Die Siemens AG hält nicht nur 78 Prozent des Eigen- und 91 Prozent des Stammkapitals, sondern besetzt auch die Schlüsselpositionen in Aufsichtsrat und Vorstand. Zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates wurde Siemens-Chefstratege Hermann Franz gewählt. Mit Finanzchef Karl-Hermann Baumann und Claus Kessler hat man zwei weitere Siemens-Vorstände ins Kontrollgremium der SNI berufen. Der bisherige Vorsitzende Gerhard Schmidt wird dem erleuchten Kreis auch in Zukunft angehören.

Im siebenköpfigen Vorstand des Unternehmens arbeiten mit Horst Nasko als stellvertretendem Vorstand und Heinz-Dieter Wendorff nur noch zwei Nixdorfer in der obersten Chefetage. Hans-Dieter Wiedig, Vorstandsvorsitzender des Bereichsvorstands DI der Siemens AG, wurde vom frisch gewählten Aufsichtsrat zum neuen Vorstandssprecher ernannt. Günther G. Goth, bisher im Siemens-Bereich Automobiltechnik Leiter des Personal-Referats" zeichnet zukünftig bei der SNI fürs Personal verantwortlich. Die Vertriebszuständigkeit hat man geteilt: Otto-Hermann Grüneberg kommt aus dem Siemens-Bereichsvorstand DI, und Heinz-Dieter Wendorff betreute bei Nixdorf bisher das Geschäft mit Banken und Privatversicherungen. Alfred Nowosad hat seinen Weg vom Siemens-Bereich Peripherie- und Endgeräte aus in den SNI-Vorstand gemacht, in dem er Finanzen und Controlling übernehmen wird. Hartwig Rogge, der schon bei DI für die Technik verantwortlich war, wird bei SNI Chef für Entwicklung und Produktion.

Nach dem Willen der Väter des Unternehmens soll mit der SNI ein Unternehmen entstehen, das, so Nasko, "in der Lage ist, in Europa und am Weltmarkt eine eigenständige, erfolgreiche Rolle zu spielen". Wie positiv die Entwicklung eingeschätzt wird, geht aus den der Kapitalerhöhung zugrunde liegenden Bewertungsgutachten zweier Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften hervor. Danach sollen die beiden Unternehmensteile - jedes für sich hochgerechnet - bereits 1994 einen Umsatz von 18 Milliarden Mark generieren.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr setzte Nixdorf 5,26, Siemens DI 6,03 Milliarden Mark um. Auch beim prognostizierten Jahresüberschuß versteckt man sich keineswegs. Stand Nixdorf 1989 noch mit 1,07 Milliarden Mark Verlust da und nahm sich der DI-Überschuß mit 253 Millionen auch nicht besonders üppig aus, sollen die dann ehemaligen Teile einen addierten Jahresüberschuß von 1,34 Milliarden Mark vor Steuern ausweisen.