Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

IT in Krankenhäusern/Bergmänner-Versicherung nutzt elektronische Patientenakte

Bundesknappschaft spannt Gesundheitsnetze

12.12.2003
Spätestens zum 1. Januar 2006 sollen alle gesetzlich Krankenversicherten eine elektronische Gesundheitskarte erhalten. Die Bundesknappschaft betreibt drei regionale Gesundheitsnetze und erprobt darin die digitale Patientenakte.Von Hans Müller*

Die Bundesknappschaft mit Sitz in Bochum kann erste Erfahrungen beitragen, wenn das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) die elektronische Gesundheitskarte und den Zusammenschluss von Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen erprobt. Das BMGS hat sich viel vorgenommen: Spätestens zum 1. Januar 2006 sollen alle gesetzlich Krankenversicherten eine elektronische Gesundheitskarte erhalten, die die bisherige Krankenversichertenkarte ablöst. Die Smartcard wird einen Mikroprozessor enthalten, der administrative und medizinische Daten speichern kann. Darüber hinaus soll der Chip neben den Versichertendaten auch den Zuzahlungsstatus und solche Daten speichern, wie sie beispielsweise zur Ausgabe eines elektronischen Rezepts nötig sind; davon allein erhofft sich das BMGS ein Einsparpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro.

Noch umfangreicher als der administrative soll der medizinische Teil der Gesundheitskarte sein. Aber hier entscheidet der Patient selbst, ob er die elektronische Patientenakte nutzen möchte, das heißt, auch medizinische Daten auf seiner Karte erfassen lässt. Dokumentiert würden dann alle eingenommenen Arzneimittel, ferner Diagnosen und Impfungen, aber auch Notfallinformationen wie zum Beispiel über Allergien, die Unverträglichkeit bestimmter Medikamente oder auch die Blutgruppe.

So könnte es dem Patienten in Unfall- und Notsituationen das Leben retten, wenn er die Chipkarte bei sich führt. Doch auch in weniger dramatischen Lagen hätten die medizinischen Informationen für den Patienten Vorteile: wenn er die Praxis des behandelnden Arztes wechselt, zu einem Facharzt geht oder sich stationär behandeln lässt, müssten diese Informationen und die Krankenakten nicht erst angefordert werden. Denn auch komplexe Informationen beispielsweise über Operationen oder Ergebnisse von Röntgenuntersuchungen würden sich direkt auf der Karte befinden, oder sie könnte den Zugriff auf zentrale Server eines neu zu schaffenden Gesundheitsnetzes ermöglichen.

Der volle Nutzen einer Gesundheitskarte kann also erst dann ausgeschöpft werden, wenn es gelingt, 270000 deutsche Ärzte, 22000 Apotheken, 2000 Krankenhäuser und mehr als 300 Krankenkassen mit einer bundesweit einheitlichen Telematikinfrastruktur zu verknüpfen. Im Rahmen des Projektes "Bit 4 Health - bessere IT für bessere Gesundheit" laufen derzeit konzeptionelle Vorarbeiten.

Bereits im Jahr 2004 möchte das Gesundheitsministerium mit einigen vernetzten Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Rehabilitationseinrichtungen eine derartige Architektur erproben und Anfang 2006 den Echtbetrieb, einschließlich Gesundheitskarte, anschließen. Damit dieser ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann, ist konkretes Erfahrungswissen in den Bereichen Telematik und digitale Patientenakte sehr nützlich. Theoretisch ist solch eine Architektur kein Problem. Die praktische Umsetzung aber, die Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit der niedergelassenen Ärzte und Krankenhäuser sowie die höchst unterschiedlichen technischen Voraussetzungen in den Praxen dagegen bieten eine Fülle möglicher Überraschungen. Im Juli dieses Jahres konstatierte Klaus Schröder, Staatsminister im BMGS: "Grundsätzlich könnten die DV-Systeme, die in Krankenhäusern und Arztpraxen eingesetzt werden, bereits miteinander kommunizieren, aber sie sind nicht interoperabel."

Drei Versorgungsnetze

Schon heute betreibt die Bundesknappschaft drei integrierte Versorgungsnetze: 1999 startete "prosper Bottrop", seit 2001 existiert "prosper Saar", und 2002 folgte "pro Gesund" in Recklinghausen. Allein im Saarland schlossen sich 82 niedergelassene Knappschaftsärzte rund um die Knappschaftskrankenhäuser in Sulzbach und Püttlingen zusammen. Außerdem nehmen 9000 knappschaftlich Versicherte seit 1. April 2001 an dem Projekt teil. Dass die Bundesknappschaft schon seit langem an einer guten Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern interessiert ist, erklärt sich aus ihrer rechtlichen und organisatorischen Sonderstellung: Die Knappschaft ist Krankenkasse, kassenärztliche Vereinigung und Erbringer medizinischer Leistungen zugleich.

Bisher wird die Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Bereichen hierzulande nicht ausreichend gefördert. Dies führt zu kostspieligen Doppeluntersuchungen. Ganz anders dagegen ist das Versorgungsnetz der Knappschaft konzipiert. Es ist darauf ausgelegt, bei hoher medizinischer Qualität möglichst geringe Kosten zu verursachen.

Besserer Verwaltungsablauf

Doppeluntersuchungen werden gezielt vermieden und der Informationsfluss zwischen niedergelassenen Knappschaftsärzten und knappschaftlichen Krankenhäusern fortlaufend verbessert, wozu natürlich auch ein besserer Verwaltungsablauf in den Krankenhäusern gehört. Alle Beteiligten können auch finanziell vom Erfolg des Netzes profitieren. Gemeinsam mit dem Technologiepartner T-Systems führte die Knappschaft in den Hospitälern von Sulzbach und Püttlingen Patienten-Management-Systeme auf Basis von SAP R/3 IS-H ein und brachte zudem das klinische Kommunikations- und Informationssystem auf den neuesten Stand.

Dem besseren Informationsaustausch zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern, etwa bei Arztbriefen oder Überweisungen, soll auch die elektronische Patientenakte dienen. Einen derartigen Service bietet die Knappschaft den Netzteilnehmern schon jetzt an. Auf freiwilliger Basis erlaubt es der Versicherte der Knappschaft, eine digitale Patientenakte anzulegen. Danach tragen sowohl die niedergelassenen Knappschaftsärzte als auch die Ärzte der Krankenhäuser alle Angaben zu Befunden, Behandlungen, Medikation und nicht zuletzt Therapieempfehlungen ein. Wenn der Patient von seinem Hausarzt an ein Krankenhaus der Knappschaft oder einen Facharzt überwiesen wird, sieht der behandelnde Kollege sofort die detaillierte Krankengeschichte und kann gezielter behandeln. Mehr noch: Da auch Allergien und Unverträglichkeiten in der Einstiegsmaske eingetragen werden können, ist die Behandlung sicherer als bislang. Auf den ersten Blick kann der behandelnde Arzt erkennen, wenn der Patient beispielsweise gegen Penicillin allergisch ist, und kann auf ein alternatives Antibiotikum mit anderem Wirkstoff ausweichen. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Knappschaft dank der Gesundheitsnetze besser wirtschaftet und die Patienten zufriedener sind. Außerdem wissen Bundesknappschaft und T-Systems auch genau, welche medizinischen Abteilungen der Knappschaftskrankenhäuser die elektronische Akte besonders intensiv nutzen, zu welchen Zeiten am meisten zugegriffen wird und welche Bandbreiten zu welchen Tageszeiten nötig sind.

Die bestehenden Netze der Bundesknappschaft arbeiten bereits jetzt sehr erfolgreich und eignen sich daher als Anschauungsobjekt für die Erprobung einer bundesweiten Lösung. (bi)

*Hans Müller ist Leiter der Fachabteilung Gesundheitsdienste bei der Bundeskappschaft in Bochum.

Angeklickt

- Die elektronische Patientenakte, wie sie bei der Bundesknappschaft auf freiwilliger Basis bereits verwendet wird, bereitet den Einsatz der Gesundheitskarte, wie sie das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS) für 2006 plant, vor.

- Die drei integrierten Versorgungsnetze der Bundesknappschaft eignen sich als Anschauungsobjekte für die Erprobung einer bundesweiten Lösung.