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18.11.1983 - 

Digitalisierung und Glasfaser-Anwendungen im Vordergrund

Bundespost: Abschied von der Einheitstechnik

GENF (pi) - " Strategien und Konzepte für Digitale Kommunikation", unter diesem gemeinsamen Nenner präsentierte mit einem breiten Spektrum von Beispielen der zentral gelegene Stand der Deutschen Bundespost seine Dienste und Leistungen auf der Telecom. Die Entwicklung vom analogen Telephonnetz zum dienstintegrierten Breitband-Fernmeldenetz (ISDN = Integrated Services Digital Network) sollte darüber hinaus deutlich gemacht werden.

Zum Thema Bildschirmtext und Datex-P gab es in Genf von der Postseite keine Neuigkeiten, anders in Sachen digitale Vermittlungstechnik. Die neuen digitalen Systeme für die öffentlichen Fernvermittlungsstellen, für die sich die Post kürzlich im Rahmen einer Ausschreibung entschieden hat, System 12 von SEL/ITT und Siemens EWSD, waren in unmittelbarer Nähe des Pavillons auf den entsprechenden Firmenständen Mittelpunkt des Interesses. Starke Beachtung fand vor allem die Tatsache, daß die Bundespost zwei Produkte mit unterschiedlicher Konzeption gewählt hat, damit also bewußtes

"Weggehen von der Einheitstechnik" dokumentierte.

Zu ISDN gab es naturgemäß viel Papier. Im Bereich Teletex zeigte die Bundespost ihre bereits realisierbaren Anwendungen und Dienste auf. Von Neuem jedoch gab es auch hier nicht zu berichten.

Das 64 kbit/s-Modellnetz, ebenfalls in Papierform vorhanden, aber mit dem Dienstbeginn "Ende 1983/Anfang 1984" für die Erprobung bevorstehend, gab Anlaß zu Diskussionen über Sinn und Zweck dieser "Übergangslösung" zum ISDN. Argument der Post für die Einführung ist "Bereitstellung einer schnellen Übertragungstechnik für die Datenkommunikation, ferner für schnelle Faksimile-Übertragung und dezentrales Drucken. Außerdem sollen über diesen neuen flächendeckenden Dienst schon im Vorfeld der ISDN-Einführung Erfahrungen über Diensteigenschaften, Schnittstellen, Netzübergänge sowie System- und Gerätefunktionen gesammelt werden.

Ein Auftrag über die Lieferung von digitalen Telefonen an die Bundespost für dieses 64 kbit/s-Modellnetz wurde, wie auf dem Nixdorf-Stand zu erfahren war, bereits an den Bereich Nachrichtentechnik der Paderborner gegeben.

In dem 64 K-Netz sollen unter anderem folgende Merkmale realisiert werden:

- Zusammenfassung verschiedener Kommunikationsbedürfnisse im Netz und beim Teilnehmer;

- Basiskanal 64 KBit/s je Hauptanschluß;

- Steuer-/Datenkanal mit 2400 Bit/s;

- Kaskadierung von zwei oder vier Hauptanschlüssen;

- schneller Verbindungsaufbau und

- Kanalkennzeichnung.

Ein Nebenprodukt der Bildschirmtext-Entwicklung dürfte "Petrus" sein, eine Einrichtung zum Testen von Endgeräteprotokollen. Den Systementwicklern neuer Endgeräte soll damit die Möglichkeit gegeben werden, in jeder Entwicklungsphase rasch und zuverlässig festzustellen, ob alle vom Netzbetreiber geforderten Kompatibilitätsanforderungen erfüllt werden. Das Teletex-Prüfsystem soll in erster Linie zur Durchführung sogenannter Konfidenztests eingesetzt werden, wie sie zum Beispiel für die Zulassung von Teletex-Endgeräten notwendig sei.

Bigfon im Dezember

In die konkrete Erprobungsphase tritt am 1. Dezember dieses Jahres in sieben Städten der Systemversuch "Bigfon" (Breitbandiges Integriertes Glasfaser-Fernmelde-Ortsnetz). Alle heute bereits bekannten schmal- und breitbandigen Fernmeldedienste einschließlich Fernseh- und Tonrundfunk sollen integriert über ein einziges Glasfaser übertragen werden. Wie die Post in Genf erklärte, werden von diesem Zeitpunkt an 68 der insgesamt 320 Bigfon-Teilnehmer erstmals die Möglichkeit haben, über das Fernsehtelefon den Gesprächspartner gleichzeitig zu sprechen und zu sehen. Auf der Telecom demonstrierte die Post nur diese Bigfon-Systemkomponente. Zunächst sei geplant, 1985/86 alle Bigfon-Städte über ein Bildfernsprech-Versuchsnetz in Glasfasertechnik zu verbinden. Zunächst sollen die infrastrukturellen Voraussetzungen für Bildfernsprechen im geschäftlichen Bereich geschaffen werden; gedacht ist vor allem an Videokonferenzen.

Glasfaserqualität

Videokonferenztechnik "in Glasfaserqualität" mit digitaler Farbbildübertragung präsentierte die Post bereits zwischen einem Videokonferenzraum des Poststandes und dem entsprechenden Gegenstück im Stand von ANT. Ein sogenannter "Codec" wurde für die Übertragung verwendet, er gestatte den Anschluß verschiedener Signalquellen beziehungsweise -senken:

- Farb-Videosignale nach dem 625-Zeilen-PAL-Standard oder nach zukünftigen digitalen Farbfernsehstandards;

- Tonsignale in Form eines 64 kbit/s-Fernsprechkanals oder digitale Stereo-Tonsignale in hoher Qualität;

- weitere 64 kbit/s-Signale für verschiedene Anwendungen wie Daten-, Text- und Festbildübertragungen.

Die verschiedenen Signale werden zu einem 140 mbit/s-Signal zusammengefügt.

In der Bundesrepublik Deutschland plant die Deutsche die Bundespost als nächsten Schritt ein Prototypsystem, bei dem überwiegend private Videokonferenzräume über verschiedene Übertragungsmedien miteinander verbunden werden sollen.

Für Datenverarbeiter von besonderem Interesse war die Präsentation der sogenannten "Verbindungsweiterschaltung". Sie bietet neuerdings die Möglichkeit, DV-Anlagen am digitalen Datennetz auch aus dem öffentlichen Telefonnetz zu erreichen.

Die Endeinrichtung am öffentlichen Telefonnetz erreicht durch Wahl einer besonderen Telefonnummer die Verbindungsweiterschaltungs-Einrichtung und aktiviert sie. Diese baut dann selbsttätig die Verbindung über das Datex-L-Netz zur dort angeschlossenen

Datenverarbeitungsanlage auf.

DV am Telefonnezt

Die Verbindungen im Datex-L-Netz überbrücken in der Regel große Entfernungen mit hoher Qualität mittels digitaler Technik. Die Gebühr für diese Verbindung übernimmt im allgemeinen der Betreiber der Datenverarbeitungsanlage. Für den Nutzer der Datenverarbeitungsanlage mit seiner Datenendeinrichtung am Telefonnetz bleibt als analoge Verbindung der regionale Bereich.

Damit haben beispielsweise Service-Rechenzentren die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen "vor Ort" zu regionalen Telefongebühren anzubieten. Bei Verwendung akustisch gekoppelter Datenendgeräte sei der mobile Einsatz an jedem Telefonanschluß möglich.