Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.04.2001 - 

Ascom jubelt - Siemens schleicht sich heimlich davon

Bundesrat erteilt Powerline den gesetzlichen Segen

MÜNCHEN (hi) - Nach langwierigem Forschen und Testen könnte 2001 das Jahr des Powerline-Durchbruchs werden. Zumindest stehen nun alle politischen und technischen Weichen auf freie Fahrt. Der Erfolg des schnellen Internet-Zugangs via Stromnetz hängt nur noch von attraktiven Angeboten der Energieerzeuger ab, die ab Sommer in mehreren Ballungszentren mit der Vermarktung starten.

Nun hat Powerline eine der letzten und wichtigsten Hürden genommen. Die Technik für den schnellen Datentransfer via Stromnetz wurde im Bundesrat auf eine rechtlich einwandfreie Grundlage gestellt. Die Länderkammer billigte drei Verordnungen des Bundesministeriums für Wirtschaft, in denen die Nutzung der Funkfrequenzen in Deutschland neu geregelt wird. Gleichzeitig definieren die Verordnungen den Frequenzbereich, den die Powerline-Aspiranten zur Übertragung von Daten über das Stromnetz nutzen dürfen. Diese Regelung ist notwendig, da ein stromdurchflossenes Kupferkabel wie eine Sendeantenne wirkt und auf bestimmten Frequenzen Signale abstrahlt, die möglicherweise Polizeifunk, Radio- oder Fernsehempfang stören. Sollen die nun verabschiedeten Grenzwerte für Störstrahlungen eingehalten werden, scheiden hochpegelige Powerline-Techniken in der Praxis aus.

Mit den neuen Verordnungen erhalten Stromkonzerne wie RWE, Eon, EnBW Energie Baden-Württemberg oder die MVV Energie AG aus Mannheim, die alle bereits seit längerem in den Startlöchern hocken (siehe CW 3/2001 Seite 31), Planungssicherheit. Bislang waren nämlich die ersten Gehversuche in Sachen Powerline im Zuge der NB 30 (Nutzungsbedingung 30), die bestimmte Störfrequenzen und -pegel definierte, nur mit Ausnahmegenehmigungen geduldet. Auf Basis der neuen Regelungen will der RWE-Konzern, der seit 1997 in Sachen Powerline forscht, nun ab Sommer den Datentransfer via Stromnetz im großen Stil vermarkten.

ExpansionspläneNach der Markteinführung in Essen und Mülheim an der Ruhr, so die ehrgeizigen RWE-Pläne, sollen Düsseldorf, Köln, Bonn, Berlin und Leipzig via Powerline erschlossen werden. Für 2002 peilt der Energieerzeuger weitere Ballungsgebiete an. Das Interesse der Energiekonzerne an Powerline hat einen einfachen Grund: In Zeiten sinkender Margen auf dem Strommarkt suchen die Konzerne nach neuen Einnahmequellen wie Internet-Zugang oder Services wie das intelligente Haus, bei dem von unterwegs Rolläden, Licht etc. ferngesteuert werden. Für alle diese Dienstleistungen ist Powerline die zugrunde liegende Ermöglichungstechnologie.

Die hierfür notwendigen Kosten halten sich, wie das Beispiel MVV in Mannheim zeigt, in überschaubaren Grenzen: Je Haushalt sind für die Investitionen in das IP-Netz (die fallen aber auch bei DSL und TV-Kabelnetz an) mit Kosten zwischen 100 und 250 Mark zu kalkulieren. Hinzu kommen noch die Powerline-Ausgaben für Strommodem etc. in Höhe von 400 bis 600 Mark.

Investitionen, welche die Stromkonzerne bei entsprechender Kundennachfrage eventuell wieder schnell hereinbekommen. Dabei sprechen für das Powerline-Konzept derzeit vor allem zwei Punkte. Die Telekom kann die Nachfrage nach ihren schnellen DSL-Diensten nicht befriedigen. Zudem favorisieren die Powerline-Anbieter ein anderes Abrechnungsmodell: Während die Telekom und ihre Tochter T-Online die Kunden bei T-DSL mit zeittaktabhängigen Tarifen (von der T-DSL-Flatrate für 49 Mark einmal abgesehen) peinigt, rechnen die Energiekonzerne volumenabhängig ab. Der Internet-Surfer kann also rund um die Uhr online bleiben und bezahlt nur die übertragene Datenmenge. So berechnet RWE etwa für das Basispaket mit einem Transfervolumen von 250 MB 49 Mark. Eine Übertragungsmenge von 1 GB kostet den Surfer 69 Mark, und für 2 GB sind 99 Mark zu berappen. Für Geschäftskunden ist zudem ein Tarif für 249 Mark im Gespräch. Dieser beinhaltet ein Datenvolumen von 10 GB. Darüber hinaus ködern die Konzerne tempoversessene Surfer mit Geschwindigkeiten zwischen 2 und 6 Mbit/s. Allerdings sind diese Angaben mit Vorsicht zu genießen, den bei Powerline handelt es sich um ein "Shared Medium". In der Praxis müssen sich also alle im entsprechenden Netzsegment angeschlossenen Kunden die Bandbreite teilen.

Überzeugt von diesem Konzept sind nicht nur die Energiekonzerne selbst, sondern auch RWE-Partner Ascom. Urs Fischer, Konzernpräsident des Schweizer Unternehmens, erklärte die Powerline-Technologie bereits zu einer der strategischen Säulen der Company. Fest an den Durchbruch in Sachen Powerline glaubend, geht Fischer davon aus, dass sein Haus dieses Jahr noch 100000 Modems produziert und an Energieerzeuger wie RWE ausliefert.

Zwei Player stiegen ausWährend die einen Powerline in den höchsten Tönen loben, kehren andere der Szene den Rücken. So stahl sich auf der diesjährigen CeBIT nach Nortel ein weiterer wichtiger Player aus dem Powerline-Lager davon: Der Münchner Siemens-Konzern, der noch vor einem Jahr auf der CeBIT großspurig gemeinsam mit EnBW ein Joint Venture in Sachen Powerline ankündigte, sieht auf einmal für den Datentransport via Stromnetz in absehbarer Zeit keine Zukunft mehr. Ein Argument, das böse Zungen für vorgeschoben halten. Sie werfen dem Münchner Konzern vor, in Sachen Powerline die aktuelle Entwicklung verschlafen zu haben. Während Hersteller wie Ascom und etliche kleinere israelische Anbieter versuchten, die kommenden gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten, habe Siemens auf seine politische Lobbyarbeit in Berlin vertraut und stur an hochpegeligen Powerline-Technologien weiterentwickelt, die letztlich nicht den Segen des Gesetzgebers fanden. Und Siemens-Partner EnBW? Er dürfte wohl in das Ascom-Lager wechseln. Zumindest folgten auf der CeBIT EnBW-Vertreter mit großem Interesse den Pressevorführungen von Ascom in Sachen Powerline.

Abb: Powerline-Netz

In der Ortsnetzstation werden Strom und Kommunikationssignale auf das Niederspannungsnetz gekoppelt. Quelle: RWE