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07.06.2002 - 

Auftragsvergabe für Herkules-Projekt erst nach der Bundestagswahl

Bundeswehr kürt CSC zum Favoriten

MÜNCHEN (qua) - Die Bundeswehr wird ihr Outsourcing-Projekt "Herkules" wohl an das Konsortium aus CSC Ploenzke, EADS und Mobilcom vergeben. Sie erklärte die drei Unternehmen zu "bevorzugten Verhandlungspartnern".

Der Vertrag für das auf etwa sechs Milliarden Euro geschätzte Mammutvorhaben wird sicher erst nach der Bundestagswahl im kommenden Herbst unterzeichnet. Trotzdem darf sich die CSC Ploenzke AG, Führerin des Konsortiums "Isic 21", heute schon die Hände reiben: Mit der in Wiesbaden beheimateten Tochter des US-Dienstleisters CSC, dem Münchner Rüstungskonzern EADS und der Mobilcom AG, Schleswig, steigt die Bundeswehr jetzt in Detailverhandlungen ein. Sinn und Zweck des Vorhabens bestehen darin, die nichtmilitärische IT der Bundeswehr in ein Systemhaus auszulagern, an dem die öffentliche Hand nur mit 49,9 Prozent beteiligt ist, sowie die "zivilen" Netze und Anwendungen zu modernisieren und zu vereinheitlichen - inklusive der Einführung von SAP R/3. Die Isic-21-Gruppe müsse sich schon sehr dumm anstellen, wenn diese Aufgaben der Konkurrenzgruppe aus IBM Global Services, Siemens Business Services (SBS) und T-Systems zufielen, hieß es von der Bonner Hardthöhe.

Böse Zungen werden jetzt wahrscheinlich behaupten, die Bundeswehr wolle mit der Entscheidung für Isic 21 nur ihre Unbestechlichkeit beweisen. War doch Anfang April ein anonymes Schreiben aufgetaucht, das Verteidigungsminister Rudolf Scharping und dem IT-Stab der Bundeswehr die einseitige Bevorzugung der Branchenriesen Telekom, Siemens und IBM vorwarf.

In diesem Zusammenhang wurde der designierte Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens, Klaus Hahnenfeld, des Interessenkonflikts verdächtigt, weil er als IT-Direktor der Bundeswehr die Auswahl der künftigen Partner beeinflussen könne. Mittlerweile hat Hahnenfeld sein Amt niedergelegt, bereitet als Leiter des Gründungsstabs die neue IT-Organisation vor und quittiert die Bestechungsvorwürfe mit einem Achselzucken: Auf das "Ranking" der beiden Bieterkonsortien hätten sie sich in keiner Weise ausgewirkt.

Welche Argumente tatsächlich für Isic 21 sprachen, bleibt im Dunkeln. "Möglicherweise sind ja kleinere Unternehmen beweglicher", ließ sich Hahnenfeld immerhin entlocken - um im selben Atemzug zu bestreiten, dass die größere Flexibilität allein den Ausschlag gegeben habe. Dass sich die Ploenzke-Mutter CSC als Systemintegrator im Pentagon profilieren konnte, dürfte eine größere Rolle gespielt haben. Auf der technischen Ebene plädiert das Isic-21-Konzept für eine über mehrere Standorte verteilte Lösung, auf der wirtschaftlichen spekuliert es ausdrücklich auf die Akquise von Drittgeschäft.

Alle Einzelheiten des auf zehn Jahre befristeten Abkommens - einschließlich der tatsächlichen Kosten für die Bundeswehr - wollen die voraussichtlichen Vertragspartner in den kommenden Monaten aushandeln. Sollten sie nicht handelseinig werden, behält sich die Bundeswehr vor, die Gespräche mit Telekom, IBM und SBS wieder aufzunehmen. Branchenkenner vermuten, dass Mobilcom wegen der geplanten Übernahme durch France Télécom aus dem Konsortium fliegen und die Deutsche Telekom dafür einspringen könnte. Für CSC Ploenske ist das aber "aktuell kein Thema".

Wie auch immer der Vertrag am Ende aussehen wird - er muss auf jeden Fall vom Bundestag genehmigt werden. Da sich die dortigen Mehrheitsverhältnisse im September verschieben könnten, hat Hahnenfeld eigenen Angaben zufolge bereits Gespräche mit den Verteidigungsexperten der jetzigen Opposition aufgenommen. Von dort erwarte er "keinen Widerstand" gegen das Vorhaben.

Heftigen Gegenwind spüren die Verantwortlichen hingegen aus Richtung der Betroffenen. Die IT-Spezialisten im Staatsdienst fürchten den Verlust ihres Beamtenstatus und die Notwendigkeit eines Ortswechsels. In beiden Punkten versucht Hahnenfeld sie zu beruhigen: Sie müssten den Arbeitgeber nicht wechseln, sondern könnten sich - wenn auch gegen geringere Bezüge - "beurlauben" lassen, solange sie für die privatwirtschaftliche IT-Gesellschaft arbeiten. Zudem werde er versuchen, "die Arbeit zu den Leuten zu bringen". Allerdings könne er nicht ausschließen, dass einige Mitarbeiter "umqualifiziert" werden müssten.

Einen ersten konkreten Schritt auf dem Weg zu einer neuen IT-Organisation hat die Bundeswehr im vergangenen Monat unternommen: Sie überführte 1400 von 1800 IT-Mitarbeitern aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in das neue IT-Amt mit Sitz in Koblenz. Es zeichnet für die militärischen IT-Systeme der Bundeswehr verantwortlich und soll die "Leistungserbringer", also vor allem die zu gründende IT-Gesellschaft, kontrollieren.