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10.02.1984

Bundeswehr-Output Straßengraben

Hans Gliss SCS Unternehmensberatung, Bonn, Vorstandsmitglied der GDD

Das "stern"-Magazin berichtete in seiner Ausgabe vom 26.1.1984 ausführlich über eine Entsorgungspanne beim Verwaltungsamt der Bundeswehr: Im Straßengraben bei Mayen in der Eifel fand ein Geschäftsmann drei Packen Computerlisten mit einer Fülle von Details aus der Beschaffungstätigkeit des Amtes.

Man fragt sich, wie so etwas überhaupt möglich ist? Datenverarbeiter, die in Bundeswehr-Zulieferer- oder sonstigen auf Geheimhaltung verpflichteten Unternehmen tätig sind, wissen aus Erfahrung, mit welcher Liebe zum Detail amtlicherseits für Sicherheit gesorgt wird. Das geht von der Klassifizierung von Unterlagen über die Verpflichtung und Überprüfung von Personal durch den MAD bis hin zu Anforderungen an die Tresore, in denen Unterlagen und Datenmaterial vor unbefugten Zugriff geschützt werden sollen. Natürlich darf auch nicht jedermann die Räume betreten, in denen an klassifizierte Material gearbeitet wird. Käme die Aufforderung, man müsse in Zukunft die Bits mit olivgrüner Tarnfarbe anstreichen, es würde sich

kaum jemand wundern.

Und ausgerechnet in einer Organisation, deren hohes Sicherheitsbedürfnis jedermann

einleuchtet, eine Organisation, die für manche Sicher heitseinrichtungen in der

Wirtschaft zudem richtungsweisend gewesen ist (man denke beispielsweise an Zugangkontrollsysteme und gepanzerte Datenarchive), eine solche Organisation hat die Papierentsorgung nicht im Griff!

Es ist doch kein Geheimnis, daß jemand, der Geheimnisse ausspähen will, sich das schwächste Glied in der Sicherheitskette aussucht. Es ist ferner kein Geheimnis, daß schon mancher Täter im Abfall fündig geworden ist. Das beginnt beim Einmal-Kohlepapier und bei Einmal-Farbbändern und endet bei Datenträgern, gleichgültig, ob es sich um magnetische Datenträger, Bildträger wie beispielsweise Mikrofilm oder Papier handelt. Mit all diesem Abfall kann man etwas anfangen, wenn hinreichendes Interesse besteht. Nur die Methoden des "Lesens" sind unterschiedlich. Womit wir beim Thema wären: Hätte dort ein Magnetband herumgelegen, gleichgültig, ob vom Lkw gepurzelt oder für einen "Abnehmer" bereitgelegt, hätte sich der zufällige Finder vermutlich nur darüber geärgert, daß wieder mal jemand die Landschaft als wilde Mülldeponie mißbraucht hat. Aber die Listen waren auf den ersten Blick als etwas heikles erkennbar.

Es soll hier allerdings nicht dem sorglosen Wegwerfen ausgedienter Magnetbänder das Wort geredet werden. Im Gegenteil: Wenn wir beim konstruierten Beispiel bleiben dann wäre ein in einem toten Briefkasten deponiertes Magnetband für den zufälligen Finder weniger auffällig als ein Papierberg gewesen. Im Zweifel hätte er es liegenlassen. Wenn die Vermutung des "stern" berechtigt ist, wonach diese Listen möglicherweise gezielt für einen Interessenten deponiert wurden, das heißt, nicht zufällig verlorengingen, dann kann die Bundeswehr

nur beglückwünscht werden, daß sich die Täter der Listen statt eines Magnetbandes bedienten.

Aber unabhängig von derartigen Spekulationen bleibt die Frage, wie das Verfahren der Papierentsorgung überhaupt so organisiert werden konnte, daß der Verlust von Computerausdrucken in diesem Umfang nicht bemerkt worden ist. In Rechenzentren, die etwas

auf Sicherheit halten, haben sich Verfahren eingebürgert, von denen das Bungdeswehrverwaltungsamt offenbar noch lernen kann. Solch eine Organisation sieht nämlich in der Regel so aus, daß harmloser Papierabfall in Behältern aufbewahrt wird, die nicht jedermann zugänglich sind. Programmier und Operator haben die Anweisung, Papiere, die keine

als vertraulich bezeichneten Daten enthalten, an Sammelstellen oder in Körben zu deponieren, von wo sie in regelmäßigen Abständen abgeholt und in den gesicherten Container gebracht werden. Ein verpflichtetes Altpapierunternehmen übernimmt den Container. Nur dort, und zwar an der Zerkleinerungsanlage, befindet sich ein Zweitschlüssel zum mit Sicherheitsschloß verschlossenen Altpapierbehälter. Daß solch Unternehmen sorgfältig ausgewählt werden, versteht sich von selbst und nicht erst seit Einführung des BDSG mit seinem ° 31.

In solchen Entsorgungsverfahren werden in Großrechenzentren mehrere Tonnen Papier wöchentlich dem Recycling zugeführt. Meist übernehmen solche Firmen auch zerkleinertes Papier, das dann anfällt, wenn Papiere mit vertraulichem Inhalt an Ort und Stelle vernichtet werden. Ein schiefgelaufene Gehaltsabrechnung zum Beispiel gehört nicht in einem Sammelkorb, sondern sofort in den Reißwolf. Das ist in vielen Unternehmen zum Glück üblich, die Datensicherung kann doch schließlich nicht beim Abfall enden. Nach den Fotos, die der "stern" über den Bundeswehr-Fund veröffentlicht hat, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, daß diese Listen in einem gut organisierten Betrieb selbstverständlich in den Reißwolf gekommen, also nur zerkleinert dem Recycling zugeführt würden. In Unternehmen mit eigener Energieerzeugung ist die Alternative zum Reißwolf meist das Kesselhaus. Verbrennen ist natürlich auch akzeptabel, wenn auch hier wieder die Frage der Zwischenlagerung ein Problem

bleibt.

Es ist alles eine Frage der Organisation.