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27.02.2004 - 

Entscheidung über den Fortgang im März erwartet

Bundeswehr-Projekt Herkules steht auf der Kippe

MÜNCHEN (qua) - Hat sich CSC Ploenzke zu früh gefreut? Ein Konsortium um das Wiesbadener Beratungsunternehmen ringt mit der Bundeswehr um das Outsourcing-Projekt "Herkules". Ob die Mühe lohnt, entscheidet sich im März.

"In den nächsten Wochen werden wir klarer sehen, wie es mit Herkules weitergeht." So die offizielle Stellungnahme der CSC Ploenzke AG. Konkreter wollen die Wiesbadener derzeit nicht werden - obschon sie wissen, dass sie damit viel Raum für Spekulationen lassen. Nach der "Toll-Collect"-Pleite ist auch das Bundeswehr-Projekt wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Wie von Seiten des Verteidigungsministeriums bestätigt, liegt dem "Isic 21" genannten Bieterkonsortium aus CSC Ploenzke, EADS und Mobilcom seit September vergangenen Jahres ein Vertragsentwurf vor, der neben der detaillierten Leistungsbeschreibung eine Obergrenze für das zu zahlende Entgelt festschreibt; sie beträgt 6,65 Milliarden Euro innerhalb von zehn Jahren. Bis Mitte März haben die drei Unternehmen nun Zeit, einen auf diesen Vorgaben basierenden "Business Case" vorzulegen. Im Klartext: Innerhalb der kommenden zwei Wochen müssen sie sich dazu äußern, ob sie die geforderte Leistung zum gebotenen Preis erbringen können und wollen.

Hinsichtlich der informationstechnischen Ausstattung stehen die Streitkräfte der Bundesrepublik immer stärker unter Zugzwang: Die veralteten und heterogenen Systeme müssen - trotz weitgehend leerer Kassen - dringend auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden.

Der Plan, die nichtmilitärische Informationstechnik der Bundeswehr in ein halb privates Drittunternehmen auszulagern, hat seine Wurzeln in einem Ende 1999 geschlossenen Rahmenvertrag zwischen dem damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping und einigen deutschen Wirtschaftsunternehmen. Greifbar wurde er Anfang 2002, als die Bundeswehr den Betrieb ihrer "zivilen" IT-Infrastruktur und Kommunikationsnetze europaweit ausschrieb (siehe www.computerwoche.de/go/80106328).

Strittige Detailfragen

Es dürfte deshalb ganz und gar nicht im Sinn des Bundes sein, die Verhandlungen um Herkules weiter zu verschleppen. Auch das Isic-21-Konsortium ist nach CSC-Ploenzke-Angaben weiterhin an dem Auftrag interessiert. Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums besteht über die "Grundsätze" des Vertrags auch bereits Einigung. Beispielsweise werde der "Industriepartner" definitiv alle betroffenen IT-Mitarbeiter der Bundeswehr übernehmen.

Uneins sind die beiden Verhandlungsseiten allerdings noch in einer Reihe von Detailfragen. Nach Insiderberichten gehören dazu Teile der Leistungsbeschreibung und die auch im Fall Toll Collect heftig diskutierten Haftungsklauseln sowie die Aufteilung eines zu erzielenden Gewinns. Die künftige IT-Gesellschaft soll, so der Wille aller Beteiligten, zur Kostendeckung auch Drittgeschäft an Land ziehen. Dabei werden die Isic-21-Partner das volle unternehmerische Risiko tragen, doch am Profit möchte die Bundeswehr - bitte schön - beteiligt werden.

Für den Fall, dass hier oder an anderer Stelle keine Einigung erzielt wird, behält sich der Bund vor, Verhandlungen mit dem konkurrierenden Bieterkonsortium "TIS" aufzunehmen. Unter diesem Kürzel hatten Deutsche Telekom, IBM und Siemens Business Services (SBS) vor zwei Jahren ein Angebot abgegeben, das nach Auffassung der Bundeswehr hinter der Isic-21-Offerte rangierte (siehe www.computerwoche.de/go/80108087). Im April vergangenen Jahres hatte SBS-Vorstand Paul Stodden gegenüber der COMPUTERWOCHE erklärt, dass das Herkules-Projekt aus seiner Sicht keinesfalls schon vergeben sei. Mit anderen Worten: TIS würde in die Bresche springen, wenn die Verhandlungen mit Isic 21 scheitern.

Comeback der internen Lösung?

Für eine erneute Due-Diligence-Phase und die Überarbeitung des vor zwei Jahren abgegebenen Angebots veranschlagt das Verteidigungsministerium etwas mehr als ein halbes Jahr. Erst danach wäre es aus vergaberechtlichen Gründen möglich, eine Lösung ins Auge zu fassen, die verschiedentlich, unter anderen von der SPD-Abgeordneten Elke Leonhard, ins Spiel gebracht wurde: Nach all dem Aufwand wäre es vielleicht günstiger, so der Tenor, wenn die Bundeswehr ihre IT aus eigener Kraft modernisierte.