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25.02.2008

Burnout: Ausdruck der Jobentfremdung

Die Globalisierung und der Wandel von Technologien, Werten und Arbeitsverhältnissen haben die Menschen vor neue Herausforderungen gestellt. Der Burnout ist eine davon.

Der Leistungsdruck sorgt dafür, dass immer mehr Menschen an Burnout leiden. Die Entfremdung sieht Lisbeth Jerich als eine der Hauptursachen der Erkrankung, die sie in ihrer Dissertation am Institut für Organisations- und Personalmanagement der Universität Graz unter die Lupe genommen hat. "Meine Studie unterscheidet sich von anderen Burnout-Untersuchungen dahingehend, dass dort diese Erkrankung als Folge von Arbeitsstress beschrieben wird", so Jerich.

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Viel Stress und kein Burnout?

Das sei allerdings nicht selbstverständlich. Viele Menschen hätten Stress, seien aber vom Burnout weit entfernt. "Lediglich der Stress, der vom Entfremdungsaspekt ausgeht, führt zum Burnout", so die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Dabei spiele die Beziehung der Menschen zu ihrer Arbeit eine große Rolle. "Waren es vor rund 30 Jahren noch in erster Linie idealistische Bestrebungen, die für die Hinwendung zu einer bestimmten Arbeit verantwortlich waren, so sind es heute eher eigennützige Motive, wie das Streben nach Geld, Macht und Prestige", erklärt Jerich. "Die Suche nach der Selbstverwirklichung bleibt zunehmend auf der Strecke. Das führt zu einem verstärkten Wertekonflikt und daraus resultierend zu einer inneren Gleichgültigkeit, einer Sinnleere und bloßem Materialismus." Die Folge davon sind Entfremdungsgefühle gegenüber der Arbeit und den Kollegen. Für Jerich ist der Verlust der Ideale die gesellschaftliche Hauptursache von Burnouts.

"Der Grundstein für Burnouts wird häufig schon bei der Entscheidung gelegt", urteilt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Es sei oft schwierig, eine authentische, also den Interessen und Neigungen entsprechende Berufswahl zu treffen. "Die von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellten Informations- und Beratungsleistungen reichen nicht mehr aus, um einer fremdbestimmten Laufbahn entgegenzuwirken. Entscheidungstrainings erscheinen hier Erfolg versprechender."

Der Wandel der Wirtschaft hat seine Spuren auch im zwischenmenschlichen Bereich hinterlassen. "Denn Burnout ist nicht nur Ausdruck der Entfremdung von der Arbeit, sondern vor allem auch von den Kollegen." Das Arbeitsklima in so genannten modernen Unternehmen sei oft durch systematische Schikanen gekennzeichnet. Konkurrenzorientiertes Klima mit hohem Leistungsdruck, drohendem Arbeitsplatzabbau oder Reorganisationsmaßnahmen kommt noch hinzu. "Mobbing am Arbeitsplatz und eine schlechte Arbeitsatmosphäre gehen Hand in Hand", erklärt die Expertin. Gegenmaßnahmen könnten eine Umgestaltung der Arbeitsorganisation, Aufklärung und Schulung, Konfliktbeauftragte sowie der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zu partnerschaftlichem Verhalten am Arbeitsplatz sein.

Durch den immer größeren Druck der Unternehmen die Gewinne zu maximieren, gebe es Konzepte wie "Re-Engineering"; "Downsizing" und "Lean Management". "Aber genau solche Rationalisierungsbestrebungen machen die immer lauter werdenden Forderungen nach einer Humanisierung der Arbeit schwer erfüllbar." Dabei steht Jerich den steilen Hierarchien sehr kritisch gegenüber. "Im Management-Bereich herrscht vielerorts immer noch tiefste Steinzeit. Zudem funktioniert die Kommunika-tion in vielen Unternehmen schlecht bis gar nicht", urteilt die Forscherin, die das Human Resources Management beim Steuerberatungs - und Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA-Horwath leitet.

Jeder ist Burnout-gefährdet

"Natürlich gibt es Menschen, die durch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale eher zu Burnouts neigen als andere", meint Jerich. Allerdings können diese Merkmale nicht als Auslöser angesehen werden. Gesellschaftliche, institutionelle und interpersonelle Faktoren spielen immer eine Rolle. "Tatsache ist jedoch, dass im Prinzip jeder Burnout-gefährdet ist", so die Wissenschaftlerin. (hk)