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08.02.2002 - 

Barc-Studie benotet zwölf verbreitete Frontend-Lösungen

Business Intelligence im Test

MÜNCHEN (as) - Werkzeuge für die Bereitstellung und Auswertung von Geschäftsinformationen - auch Business-Intelligence-Frontends genannt - werden immer vielfältiger. Das Würzbuger Barc-Institut hat die wichtigsten Produkte getestet und kommt in seiner Studie zu überraschenden Ergebnissen.

BI-Frontends bilden die Ausgabeschicht von Datenhaltungen wie Data Warehouses oder Data Marts. Sie liefern der Anwenderschaft innerhalb und außerhalb der Firmenräume Geschäftsdaten für ihre tägliche Arbeit und bieten interaktive Navigations- und Analysemöglichkeiten bei der Suche nach den gewünschten Zahlen. Die vielen Aufgaben rund um das Modellieren, Speichern und Verwalten solcher Daten überlassen Frontends meist speziellen Datenbanken mit multidimensionaler Architektur.

Die richtige Wahl der BI-Frontends ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für BI-Projekte, da der Anwender entscheidungsunterstützende Informationssysteme letztlich nur dann akzeptiert, wenn er auf seinem Client die gewünschten Informationen schnell und fehlerfrei erhält und in einer benutzerfreundlichen Oberfläche arbeiten kann. Die Auswahl eines Produkts muss aber letztlich gemäß den jeweiligen Projektanforderungen des Unternehmens und der angestrebten BI-Systemarchitektur erfolgen. Die Autoren warnen daher davor, die Noten der einzelnen Produkteigenschaften lediglich aufzusummieren, um so das "beste" Tool zu bestimmen.

Zur Bewertung der hier getesteten zwölf Tools dienen zunächst allgemeine Auswahlkriterien, die für BI-Frontends und multidimensionale Datenbanken gleichermaßen gelten (siehe Kästen "Produktbewertung" und "Studie"). Dies sind Aspekte wie Support, Größe des Anbieters, Preise, Referenzen und die benötigte Sprachunterstützung. Als erstes K.-o.-Kriterium kann dann der Support für diverse Hardwareplattformen und Betriebssysteme dienen. Zwar laufen heutige BI-Clients fast nur auf der Wintel-Plattform. Ist das BI-System jedoch nicht als "fetter" Client, sondern als mehrschichtige Client-Server-Architektur entworfen, kommen diverse Server-Betriebssysteme ins Spiel, und dann spricht auch das Thema Lastverteilung eine gewichtige Rolle. So sind die getesteten Produkte von MIS, MIK und Orenburg nur als Fat Client erhältlich, während andere sich verteilen lassen, aber wie das Hyperion-Produkt am Server nur Windows unterstützen. Lediglich Arcplan, Brio, Business Objects, Cognos und Information Builders laufen auf dem Server auch unter Unix-Derivaten.

Die Vielfalt von BI-Frontends reicht vom einfachen Excel-Add-In bis hin zu vorgefertigten Analysemodulen für komplexere betriebswirtschaftliche Auswertungen. Da Letztere Standardprodukte sind, müssen solche Anwendungen oft individuell angepasst und ergänzt werden. Die Qualität der dazu angebotenen Software Development Kits (SDK) bildet daher ein weiteres Kriterium. So sollten SDK Komponenten für die Erstellung grafischer Benutzeroberflächen sowie eine Script- oder Programmiersprache (oft Visual Basic oder C++) für die Integration von Anwendungslogik bereitstellen. Weitere nützliche Angebote sind Templates (vordefinierte Benutzeroberflächen), Bibliotheken mit vorgefertigten Standardkomponenten oder OLE-Objekte ( OLE= Object Linking and Embedding), mit denen sich fremde Anwendungen einbinden lassen. Die besten Noten erhielten Produkte mit großem Leistungsumfang und einfacher Bedienbarkeit. Gewinner waren hier Arcplan und Orenburg, die programmierfreie Entwicklungsumgebungen anbieten. Schlusslicht ist Brio, das lediglich Javascript unterstützt. Bissantz als geschlossenes System und MIK bieten zudem kein eigenes SDK.

Weitere Gradmesser für Frontends und multidimensionale Datenbanken ist die Metadatenverwaltung. Sie erfolgt häufig mit Hilfe eines proprietären Datenhaltungsverfahrens, das jedoch keine Transparenz bietet und einen Metadatenaustausch mit Werkzeugen anderer Hersteller verhindert. So ist es nicht möglich, BI-Architekturen nach dem Ansatz "Best of Breed" aufzubauen. Daher gab es gute Noten, wenn ein spezielles Repository vorhanden ist, das eine bequemere und nichtproprietäre Speicherung und Verwaltung erlaubt und zudem ein Import und Export von Metadaten möglich ist. Kommen schließlich Standards wie das Common Warehouse Metamodel zum Einsatz, gab es weitere Punkte. Lediglich Cognos bekam dabei die volle Punktzahl, während Arcplan, Bissantz, Comshare, Orenburg und MIK hier "sehr schlecht" abschnitten.

Eine höhere Punktzahl erhielten BI-Systeme auch, wenn sie eine flexible Vergabe von Zugriffsrechten erlauben. Diese ermöglicht es, die Nutzung bis auf einzelne Datenbankelemente hinunter zu steuern, Administrationsrechte einzuräumen oder den Zugriff auf Basis von Benutzergruppen zu koordinieren. Ebenso ist eine übergreifende Benutzerverwaltung etwa innerhalb eines LDAP-Servers von Vorteil für die Verwaltung. Auch hier lag Cognos vorn, während Arcplan trotz eines neuen Release die rote Karte erhielt, weil es laut Studie keine fertige Lösung bietet.

BI-Tools haben ihre EigenheitenZu den allgemeinen Kriterien gesellen sich laut Barc für BI-Frontends spezifische Aspekte. Hierunter fällt etwa die Datenanbindung, die in heterogenen und verteilten Systemarchitekturen den Zugriff auf verschiedene Datenquellen verlangt. BI-Tools sollten hier Schnittstellen für den Zugriff auf multidimensionale Datenbanken wie "OLE DB for Olap" und das API des verbreiteten Olap-Servers "Essbase" sowie ODBC verwenden können. Pluspunkte gab es, wenn auch der Zugriff auf ERP-Systeme etwa von Baan, SAP oder Peoplesoft möglich ist. Besonders viele Datenquellen konnten Arcplan, Business Objects, Crystal Decisions und Information Builders erreichen, wobei Business Objects dank guter Unterstützung durch Softwareassistenten auch die beste Note für die technische Umsetzung bekam. Comshare und Orenburg waren hier die Schlusslichter. Letzteres Produkt kann laut Studie nur vorbereitete Files einbinden und bietet keine Transformationsmöglichkeiten.

Das nächste Kriterium bezieht sich auf die Funktionen zur Präsentation und Analyse von Daten. Hierher gehört als erster Unterpunkt das Berichtswesen. Testkandidaten, die sowohl statische als auch dynamische Berichte erstellen können, schnitten dabei am besten ab. Lassen sich Reports zusätzlich zeit- und ereignisgesteuert erzeugen und verteilen, gab es weitere Punkte. Im Test boten einige Produkte keine entsprechende Funktionalität, Arcplan erlaubt nur einfache Datensichten, während Crystal für seinen Funktionsumfang die Bestnote erhielt.

Weitere Unterpunkte sind die mit dem Tool möglichen Navigationsverfahren innerhalb multidimensionaler Datenstrukturen wie Slice & Dice, Roll-up oder Drill-down sowie zusätzliche Funktionen wie die im Controlling benötigte Berechnung von Plan-Ist-Abweichungen. In beiden Sparten kam kein Produkt auf die Höchstnote. Immerhin gab es einige gute Resultate: So erlauben Orenburg, MIK und Comshare eine laut Studie sehr flexible Navigation, während MIS und Information Builders sowie Orenburg bei der Planung am besten helfen. MIS beispielsweise wartet mit Verteilungs- und Copy-Funktionen auf und erlaubt auch eine Eingabe über das Web.

Schließlich spielt die Anwenderfreundlichkeit und Ergonomie der Frontends eine große Rolle. Hoch bewertet wurden hier Funktionen zur individuellen Anpassung und der Einsatz von Softwareassistenten, die bei der Auswahl und Einstellung von Parametern helfen. Damit verbunden sind Möglichkeiten der Datenvisualisierung durch unterschiedliche Grafiktypen sowie Manipulationsfunktionen in den Diagrammen. Die Nase vorn hatten hier Bissantz und Arcplan, da beide Produkte mit den umfassendsten Funktionen aufwarten können. Allerdings bieten auch die meisten Wettbewerber diverse Assistenten und eine einfache, wenn auch vielleicht weniger vielfältige Bedienung. Sollen die Informationen, wie oft gewünscht, auch per E-Mail oder Groupware weitergeleitet und verarbeitet werden, müssen die Frontends zudem entsprechende Export-Schnittstellen vorweisen. Hier fiel insbesondere MIK durch, da es keine direkten Funktionen bietet, und auch Arcplan und Cognos sind laut Prüfer mit Ascii-Export und Versand per E-Mail beziehungsweise HTML, Mail und PDF nicht ausreichend ausgestattet.

Hinzu kommen in einigen Produkten ausgefeilte betriebswirtschaftliche Methoden wie Abweichungsanalysen, Ranking-Funktionen oder komplexere ABC-, Portfolio- und Lebenszyklusanalysen. Hohe Wertungen gab es, je mehr Verfahren enthalten sind und je weiter sie sich automatisieren lassen. Platz eins ging dabei an Bissantz, gefolgt von MIK, da beide Hersteller umfangreiche Methoden anbieten, während die Konkurrenz in erster Linie nur Abweichungsanalysen ermöglicht. Bei Hyperion müssen betriebswirtschaftliche Verfahren zudem programmiert werden.

Ist eine mehrschichtige BI-Architektur mit Browser, Web-Server, Applikations-Server und Datenbank das Ziel, kommen die bei der Web-Entwicklung allgemein anstehenden technischen Fragen bei der Produktauswahl hinzu. Hierzu zählen Aspekte wie die Unterstützung der Protokolle NSAPI, ISAPI und CGI auf dem Web-Server, die Wahl einer statischen oder dynamischen HTML-Seitendarstellung, Fragen der Ergonomie, die Einbindung von Olap-Operationen mittels Hyperlinks sowie der Export von Daten in MS-Office-Anwendungen. Ferner ist über den Einsatz von Web-Technologien im Browser wie DHTML, Javascript, Java, Active X und Plug-ins zu entscheiden, worauf die Studie in den einleitenden Kapiteln ausführlicher eingeht.

Mit den höchsten Noten konnten hier vor allem Information Builders und Crystal Decisions glänzen. Orenburg unterstützt hingegen auch auf dem Server nur Windows, MIK hat laut Studie keine Funktionen für den Export und auch Arcplan bietet lediglich den Export im Ascii-Format, liefert allerdings die beste Darstellung von Informationen im Browser. Gute Bewertungen bekamen auch Hyperion und Cognos, wobei letzterer Anbieter dieser Tage mit der Freigabe von "Cognos Series 7" ein umfassendes Produkt- und Technologie-Update angekündigt hat, das hier nicht mehr berücksichtigt werden konnte.

StudieDas Business Application Research Center (Barc) - eine Einrichtung am Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik der Universität Würzburg - hat in seiner Studie "Olap und Business Intelligence" zwölf Business-Intelligence-Frontends sowie sechs multidimensionale Datenbanken näher untersucht. Letztere konnten in diesem Bericht nicht behandelt werden und seien hier nur kurz erwähnt: "Applix Itm1", "Hyperion Essbase", Microsofts "SQL Server 2000 Olap Services", "MIK Olap", "MIS Alea" sowie "B2brain" von Thinking Networks.

Die Studie will neben einem kurzen Überblick zu BI-Architekturen und Tipps zur Projektierung vor allem eine ausführliche Produktbeschreibung der einzelnen Angebote sowie einen praxisorientierten Kriterienkatalog bieten. Die Produkteigenschaften wurden dabei mit Hilfe von Tests im Barc-Labor sowie aufgrund die langjähriger Praxiserfahrung der Autoren auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) beurteilt.

BezugDie Untersuchung erfasst laut Barc rund 90 Prozent der heute eingesetzten Lösungen im deutschsprachigen Markt. Weitere sechs Produkte werden in kurzen Reviews beschrieben. Die Zahl und Vielfalt heutiger Informationssysteme für die Entscheidungsunterstützung ist allerdings weitaus größer als die vorliegende Auswahl. Barc hat daher eigene Studien zu Data-Warehouse-Systemen, Tools für Data Mining sowie Planungswerkzeuge veröffentlicht.

Die Studie kostet 738 Euro und ist beim Oxygon Verlag, Mondstraße 2-4, in 85622 Feldkirchen, erhältlich.

Produktbewertung Business-Intelligence-Frontends

Arcplan Dynasight 3.0 / Bissantz Delta Miner 4.0 / Brio Enterprise 6.2.3 / Business Objects 5.1.2 / Cognos BI Platform 6.5 / Comshare Decision 4.2 / Crystal Enterprise 8 / Hyperion Analyzer 5.02 / Information Builders Webfocus 4.3.5 / MIK-ONE 5.0 / MIS Onvision 2.0 / Orenburg Board M.I.T 4.1.B

Aufbau einer Systemarchitektur

Plattformen (Applikations-Server) / - / - / 4 / 4 / 4 / 4 / 3 / 4 / 5 / - / - / -Entwicklungsfunktionalität / 5 / - / 2 / 3 / 3 / 3 / 3 / 3 / 2 / - / - / 5Metadatenverwaltung / 1 / 1 / 3 / 3 / 2 / 1 / k.A. / 3 / 3 / 1 / 2 / 1Berechtigungskonzept / 1 / 2 / 4 / 2 / 5 / 2 / 4 / 4 / 4 / 2 / 4 / 2

Datenzugriff

Art und Anzahl der Datenquellen / 5 / 4 / 4 / 5 / 3 / 4 / 5 / 3 / 5 / 3 / 4 / 2Anbindung / 3 / 4 / 4 / 5 / 4 / 2 / 3 / 3 / 4 / 3 / 3 / 2

Präsentation und Analyse

Berichtswesen / n.b. / 2 / 4 / 4 / 4 / - / 5 / - / 4 / - / 4 / n.b.Navigationsverfahren / 3 / 4 / 3 / 3 / 4 / 4 / 2 / 3 / 3 / 4 / 3 / 4Planungsfunktionalität / 3 / 3 / - / - / - / 3 / - / 2 / 2 / 2 / 4 / 4Ergonomie / 4 / 5 / 4 / 4 / 4 / 3 / 3 / 3 / 4 / 3 / 4 / 4Visualisierung / 5 / 4 / 4 / 4 / 3 / 3 / 4 / 4 / 3 / 3 / 3 / 4Betriebswirtschaftlicher Methodenumfang / n.b. / 5 / 2 / 2 / 2 / 2 / 2 / 3 / 2 / 4 / 2 / 2Weiterverarbeitung / 2 / 3 / 3 / 3 / 2 / 3 / 4 / 3 / 4 / 1 / 3 / 3

Web-Funktionalität

Web-Plattformen / 3 / 3 / 5 / 4 / 4 / 2 / 4 / 4 / 4 / 2 / 2 / 1Informationsdarstellung / 5 / 3 / 4 / 3 / 4 / 3 / 4 / 4 / 3 / 2 / 3 / 3Weiterverarbeitung / 2 / 3 / 2 / 2 / 3 / 2 / k.A. / 3 / 4 / 1 / 1 / 2

Skala: 1 = sehr schlecht bis 5 = sehr gut; - = nicht vorhanden; n.b. = nicht bewertet; k.A. = keine Angaben

Abb: Produktvielfalt

BI-Frontends und multidimensionale Datenbanken sind heute in verschiedensten Ausprägungen erhältlich. Quelle: Barc 2001