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15.09.2000 - 

Thema der Woche

Business Intelligence ist fester Teil der Unternehmensstrategie

Immer mehr Unternehmen setzten auf die Erfassung, Analyse und Bereitstellung von Geschäftsinformationen, sprich Business Intelligence, um schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen. Data Warehouses oder Data Marts entwickeln sich dabei zur bevorzugten Datenbasis, auf der so genannte Management-Informationssysteme aufsetzen.

"Ein Management-Informationssystem" (MIS) ist eine Software, die dem Entscheider die benötigten Informationen zum richtigen Zeitpunkt in der gewünschten Form zur Verfügung stellt" - soweit die Theorie. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Anwendern durch Imis und die COMPUTERWOCHE (siehe Kasten) ergab nun, dass nur noch ein Viertel der Firmen glaubt, diesen hehren Anspruch durch direkte Auswertungen auf den operativen Systemen genügen zu können. Das war 1998 in einer vergleichbaren Befragung noch anders, als sich über die Hälfte der Unternehmen für diesen Weg aussprachen. Dieses Umdenken bei den Anwendern steht für eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren in Deutschland abzeichnet: Business Intelligence (BI). Dieser neudeutsche Begriff umschreibt den Zugriff, die Auswertung und die Bereitstellung geschäftsrelevanter Daten mit speziell dafür entwickelten Produkten und eigenen Datenhaltungen. Derartige Software stammt hierzulande laut Umfrage vor allem von Herstellern wie Cognos, MIS, Hyperion, SAS Institute, Microstrategy, Applix, SAP und Oracle. Nachgefragt sind ferner BI-Werkzeuge von Business Objects, Microsoft, IBM, NCR, Sterling Software und Informatica.

Zu den Unternehmensbereichen, die BI für ihre täglichen Entscheidungen nutzen, zählen vor allem die Geschäftsführung, das Controlling, das Marketing sowie verstärkt der Vertrieb (siehe Grafik "Einsatzgebiete"). Dabei stellt heute bereits in 52,6 Prozent aller Fälle ein zentrales, unternehmensweites Data Warehouse die Datenbasis für das MIS. In 22,4 Prozent kommt ein Data Mart zum Einsatz. Dieses ist zwar nur eine Teilimplementierung eines Data Warehouses, dafür aber im Vergleich zum großen Bruder günstiger, schneller zu implementieren sowie weniger komplex, da sich beispielsweise die für ein Warehouse nötige aufwändige Datenmodellierung in Grenzen hält. Das Data Mart zeigt mit seinen Daten Ausschnitte aus der unternehmerischen Wirklichkeit, wie etwa die Abbildung einer Region, einer bestimmten Produktgruppe oder einer betrieblichen Funktion, etwa des Vertriebs. Üblicherweise sind solche Lösungen dementsprechend als Vertriebs-, Marketing- oder Kundeninformationssysteme im Einsatz.

Erfreulicherweise bestätigte die diesjährige Umfrage, dass die geschätzten Gesamtkosten von Data-Warehouse-Projekten tendenziell weiter zurückgehen. So überschreiten fast 60 Prozent der Lösungen nicht mehr, wie früher üblich, die Millionen-Mark-Grenze. 30 Prozent liegen zwischen einer und fünf Millionen Mark, und nur etwa jedes achte Data Warehouse kostet den Anwender unter dem Strich über fünf Millionen Mark (siehe Grafik "Gesamtkosten"). Diese Entwicklung scheint im Zusammehang mit einem zu beobachtenden Architekturwandel für ein MIS zu stehen. Beherrschten bisher Client-Server-Lösungen die Szene, so geht nun der Trend hin zu dreischichtigen, Web-basierten Systemen mit verteilter Anwendungslogik und Thin Clients am Frontend. Diese werden laut Befragung bereits von fast einem Drittel der Anwender bevorzugt. Die durchschnittlichen Gesamtprojektkosten mit Web-Technologie betragen dabei rund 400000 Mark, während eine Client-Server-Architektur mit etwa dem Doppelten zu Buche schlägt.

Zugleich vervielfachten sich in den zurückliegenden zwei Jahren die in Data Warehouses bereitgestellten Datenmengen. So halten die produktiven Systeme derzeit durchschnittlich 40 GB an Daten vor, 1998 waren es noch zehn GB. Treffen die in der Umfrage angegebenen Planungswerte für den Endausbau zu, so werden die Datenvolumina bis zu 225 Gigabyte erreichen. Der Terabyte-Bereich dürfte hierzulande jedoch vorerst die Ausnahme bleiben. Verursacher des anhaltenden Wachstums der Datenbestände sind zum einen die Finanz- und Telekommunikationsbranche sowie große Behörden, die eine Vielzahl von Kunden- und Transaktionsdaten bewältigen müssen.

Zum anderen fordern die zunehmende Einbindung von Internet-Content sowie externe Informationen wie beispielsweise demografische Daten ihren Preis. So fallen in entsprechenden Systemen mehr als doppelt so hohe Volumina an wie in herkömmlichen MIS ( Median: 80 GB zu 37,5 GB). Derzeit speisen allerdings nur rund zehn Prozent der Befragten tatsächlich Daten aus dem Internet in ihr MIS ein. Weitere 57 Prozent der Anwender planen dies für die Zukunft. Generell werden somit unternehmensexterne Daten momentan noch wenig berücksichtigt. Nur jedes dritte Unternehmen verwendet derartige Informationen, um etwa einen zwischenbetrieblichen Vergleich zu bewerkstelligen. Allerdings planen mehr als zwei Drittel der Nichtnutzer in Kürze eine Einbindung externer Datenquellen, wobei sie für die Umsetzung vorwiegend analytische Data Marts implementieren wollen (siehe Grafik "Externe Daten", Seite 10).

Bei den normalerweise auf einem Data Warehouse/Data Mart aufsetzenden Produkten für die Auswertung und Präsentation der vorgehaltenen Daten dominierten noch bis vor zwei Jahren einfache Berichtswerkzeuge. Mittlerweile ist hingegen der Einsatz von Software für Online Analytical Processing (Olap), also zur mehrdimensionalen Analyse der Daten, üblich geworden. Data-Base-Marketing, Customer-Relationship-Management oder die Nutzung von Cross-Selling-Potenzialen fordern geradezu den Einsatz von Data Warehousing, die Aufbereitung der Daten durch Olap-fähige Analyse-Tools sowie Data-Mining-Werkzeuge, da hier Kunden- und Transaktionsdaten in sehr großen Mengen anfallen.

Fast 42 Prozent der Befragten Anwender mit produktivem MIS verwenden dabei Produkte für multidimensionales Olap (Molap). Bei diesem Olap-Ansatz werden die Daten zunächst aus dem Data Warehouse vorberechnet und in ein multidimensionales Format gebracht, woraus insbesondere bei komplexen Analysen Performance-Vorteile entstehen.

Bei sehr großen Datenmengen stehen bei rund 28 Prozent der Anwender zudem so genannte Rolap-Tools (relationales Olap) hoch in der Gunst, da jene Produkte einen schnellen Zugriff auf die gesamte relationale Datenbasis erlauben. Hybrides Olap (Holap), das die Vorteile von Molap und Rolap miteinander zu verbinden versucht, nutzt jedes zwölfte Unternehmen. Immerhin fast neun Prozent der Unternehmen setzen in ihrem MIS bereits Data Mining als weiteres Analyseverfahren ein. Diese Methoden zur Entdeckung bisher nicht bekannter Zusammenhänge zwischen den Daten sind insbesondere für die Marketingspezialisten von Interesse.

Hinsichtlich der praktischen Bedeutung der einzelnen Analysefunktionen in den Produkten hat sich in den letzten Jahren wenig verändert. Auf den ersten drei Plätzen liegen nach wie vor klassische Ist/Plan- beziehungsweise Ist/Vorjahr-Abweichungsanalysen vor der Erstellung von Standardberichten und der Berechnung von Kennzahlen sowie Ad-hoc-Berichten (siehe Grafik "Analysefunktionen", Seite 9). Deutlich zugenommen hat das Interesse an Simulationsrechnungen, während die Bedeutung von Prognosefunktionen für die Befragten etwas zurückgegangen ist. Immer häufiger anzutreffen ist auch die Ausrichtung der Unternehmenssteuerung am Balanced-Scorecard-Konzept. Unabhängig vom Einsatz eines MIS wird in mehr als der Hälfte der Unternehmen zumindest über einen Einsatz nachgedacht. Nur 14 Prozent der Auskunftspersonen konnten mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen, rund ein Drittel schließt einen Einsatz auf dem heutigen Erkenntnisstand aus.

Trotz neuer Einsatzgebiete und des wachsenden strategischen Wertes einer Warehouse-Lösung steigt die durchschnittliche Anzahl der Nutzer kaum. In fast 50 Prozent der Fälle nutzen im Augenblick weniger als 20 Anwender das MIS (siehe Grafik "Benutzerzahlen"). Auch in der geplanten Endausbaustufe verharrt der Median bei 50 Nutzern. Ungeachtet dessen gibt es natürlich Systeme, die hunderte oder gar tausende Anwender bedienen. Ist dies der Fall, so hat sich das Unternehmen meist für den Einsatz einer Web-basierten Architektur entschieden. Über das Web genutzte Datenläger weisen einen Median von 40 aktuellen Nutzern und 100 Nutzern im Endausbau auf. Zusätzlich ist zu erwarten, dass sich die durchschnittliche Anzahl der Nutzer des MIS mit dem Aufbau von Unternehmensportalen weiter erhöhen wird. Rund ein Fünftel der antwortenden Unternehmen ist schon mit einem entsprechenden Gate im Web vertreten. Weitere 52 Prozent planen die Erstellung eines Internet-Portals.

Befragt man schließlich die Anwender mit einem produktivem MIS, wie groß denn nun eigentlich für sie der geschätzte wirtschaftliche und technische Nutzen einer solchen BI-Lösung ist, lässt sich im Vergleich zu den Antworten von 1996 eine interessante Entwicklung ausmachen (siehe Grafik "Nutzenzuwächse"). So stand damals für die Nutzer vor allem die Möglichkeit, flexiblere Auswertung ihrer Unternehmensinformationen zu machen, die Zeitersparnis sowie die verbesserte Qualität der Analyse und Problemfindung im Vordergrund. Heute hingegen lässt sich anhand der Umfrageergebnisse - vorsichtig formuliert - Folgendes feststellen: Die technische Optimierung der Systeme ist so weit fortgeschritten, dass sich die Qualiät der Datenauswertung und die Zeitersparnis in den letzten vier Jahren nur noch im begrenzten Maße verbessern ließen.

Erheblich an Bedeutung gewonnen haben die BI-Lösungen hingegen für die Personal- und Kostenersparnis im Unternehmen. Mögliche Gründe sind hier die weitgehende Automatisierung und Bereitstellung von Berichten, die Verbesserung von Geschäftsprozessen, die Umstellung von Fachabteilungen aufgrund der gewonnenen Daten sowie die pflegeleichteren Web-basierenden MIS.

hannig@imis.de

salexander@computerwoche.de

ZUR STUDIE

Das Institut für Managementinformationssysteme e. V. (IMIS), Mannheim, untersucht seit 1996 regelmäßig den deutschen Markt für Managment-Informationssysteme und Data-Warehousing. Die hier vorgestellten Ergebnisse stammen aus der im September 2000 abgeschlossenen Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der COMPUTERWOCHE entstand. Den mehrseitgen Fragebogen im CW-Infonet (www.cowo.de ) füllten 323 Anwenderunternehmen aus. Unter ihnen dominieren mit 57,3 Prozent Dienstleister. Die Industrie ist mit einem Anteil von 16,2 Prozent, der Handel mit 9,7 Prozent und der Öffentliche Dienst mit 3,4 Prozent vertreten. Von den Auskunft gebenden Personen arbeiten 52,9 Prozent in DV/Org.-Abteilungen, 13,2 Prozent im Controlling und 8,8 Prozent im Marketing. Über 40 Prozent der Teilnehmer gehören den oberen Leitungsebenen an.

Näheres zur Studie: Prof. Dr. Uwe Hannig, Institut für Managementinformationssysteme e. V., Turmstraße 8, 67059 Ludwigshafen.

Tel. +49621-5990270

Fax +49621-5990299

E-mail: info@imis.de