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Robert Ashe, President und Chief Operating Officer von Cognos, im CW-Gespräch


10.01.2003 - 

Business Intelligence ist Mainstream

Cognos zählt seit Jahren zu den führenden Anbietern von Software für Business Intelligence. Doch auch das Unternehmen aus Ottawa musste im letzten Jahr Umsatzeinbußen hinnehmen und konnte erst in den letzten Quartalen wieder bessere Zahlen vorzeigen. Mit Robert Ashe, President und Chief Operating Officer, sprach CW-Redakteur Sascha Alexander über die künftige Strategie des Herstellers in einem heftig umkämpften Markt.

CW: Das vergangene Jahr war nicht nur finanziell durchwachsen für Cognos. Auch an der Produktentwicklung gab es Kritik. So wurde beklagt, dass die Integration zwischen Ihren Hauptprodukten - dem Berichtswerkzeug "Impromptu" und der Analysesoftware "Powerplay" - ungenügend sei. Ende 2001 brachte Ihr Unternehmen dann mit "Series 7" eine überarbeitete und zentral administrierbare BI-Produktsuite mit einheitlichen Release-Zyklen auf den Markt. Konnten Sie Ihre Kritiker damit überzeugen?

Ashe: Wir hatten immer ein breite Produktplatte, aber Kunden bemängelten, dass sie nicht integriert war. Wir verloren dadurch Aufträge. Das Echo auf "Series 7" war daher von Anfang an sehr positiv und hat unsere Erwartungen übertroffen. Zudem nahmen wir unseren Wettbewerbern mit der Suite ihr wichtigstes Argument gegen uns das die Tools nicht aufeinander abgestimmt seien. Es ist aber angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage noch schwer zu sagen, ob dank "Series 7" sich die Verkaufszyklen beschleunigen lassen.

CW: Was wird derzeit am meisten nachgefragt?

Ashe: Es gibt gegenwärtig viele Upgrades auf "Series 7". Mehr als 3000 Kunden haben sich schon bei uns wegen der neuen Plattform gemeldet (Cognos hat nach eigenen Angaben rund 20000 Kunden weltweit, Anm. der Redaktion). Wichtig war für uns auch, dass sich BI-Anwendungen mit dem neuen Angebot nicht mehr nur auf NT, sondern auch auf Unix portieren lassen. Ferner beobachten wir eine steigende Nachfrage nach "Noticecast", einer neuen Komponente für personalisierte Benachrichtigungen via E-Mail, Palm oder WAP-Handy, sowie nach dem Visualisierungswerkzeug "Visualizer". Kunden interessieren sich zudem zusehends für Balanced Scorecards, was bereits zu ersten Implementierungen geführt hat.

CW: Sie bieten auch analytische Anwendungen in Ausprägungen für Vertrieb, Debitoren, Hauptbuch, Kreditoren, Lager und Beschaffung. Bevorzugen heute mehr Unternehmen den Kauf solcher BI-Standardsoftware, statt mit ihren Tools eigene Anwendungen zu entwickeln?

Ashe: Vor allem in Fachabteilungen besteht wachsendes Interesse an solchen Lösungen, die dann an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden und viele Aufgaben des Data Warehousing bereits abdecken (analytische Anwendungen enthalten Analyseberichte, Antworten auf Unternehmensfragen, Leistungsindikatoren und vorkonfigurierte Berichte und werden als Data Mart implementiert, Anm. der Redaktion). Die Nachfrage nach traditionellen BI-Produkten geht aber deshalb nicht zurück.

CW: Cognos hat lange gebraucht, analytische Anwendungen auch in Europa zu vermarkten. Derzeit nutzen von den rund 2600 deutschen Kunden nur AEG und TUI das Angebot. Was war der Grund?

Ashe: Wir mussten uns erst einmal mit diesem neuen Thema beschäftigen, konzentrierten uns zunächst auf den nordamerikanischen Markt und boten unsere ersten Produkte für J.D.Edwards an. Der erste Großkunde war aber der französische Hersteller von Zement und Baustoffen Lafarge. Dann folgten die SAP und Oracle als Kunden.

CW: Wie weit wollen Sie in diesem Markt gehen? Denken Sie auch über vertikale Lösungen nach?

Ashe: Es ist unvermeidlich, dass es in Zukunft auch vertikale Angebote geben wird. Die Lösungen unterscheiden sich vor allem durch ihre Kennzahlen. Wir beginnen jetzt mit speziellen Lösungen für den Finanzmarkt, sehen aber künftig auch die Versicherungs- und Pharmabranche sowie die diskrete Fertigung als Absatzgebiete.

CW: Kritiker werfen Cognos immer vor, dass die Produkte mehr für den Aufbau und Einsatz auf Abteilungsebene geeignet sind. BI-Lösungen sollten jedoch laut Analysten aus Kosten- und Wartungsgründen künftig über eine zentralisierte, unternehmensweite Datenintegrationsplattform wie etwa ein Data Warehouse verwaltet werden. Ist das mit Series 7 jetzt anders geworden? Oder wird Cognos auch in Zukunft ein Aufsatz für Data-Warehouse-Systeme bleiben?

Ashe: Die Frage ist berechtigt. Wir wollen nicht mit Highend-Produkten wie denen von Teradata wetteifern, sondern mit solchen Anbietern kooperieren. "Series 7" hilft uns bei großen Datenmengen, aber wir haben noch einen Weg vor uns. Wir möchten nicht die zentrale Datenbasis stellen, sondern mit unseren Produkten ermöglichen, mit den Daten zu interagieren.

CW: Sehen Sie eine Konsolidierung in Richtung zentrale BI-Lösungen?

Ashe: Ja. Kunden suchen nach einem stabilen Lieferanten. Auch wir wollen der einzige BI-Anbieter werden, und Series 7 hilft uns dabei. Aber es wird wohl auf eine Koexistenz mit anderen Herstellern hinauslaufen.

CW: Mit "Metrics Manager" hat Cognos kürzlich eine neuartige Software zur Messung der Unternehmensleistung vorgestellt. Die Software führt Daten in einem zusammenhängenden Kennzahlensystem zusammen, um so ein integriertes Bild der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu liefern. Doch in der Praxis kämpfen Firmen immer noch damit, die passenden Kennzahlen für eine Balanced-Scorecard-Anwendung zu identifizieren.

Ashe: Firmen haben bisher versucht, mit einer einzelnen, statischen Scorecard alle Kennzahlen im Unternehmen zu vereinen. Das funktioniert nicht. Statt einer Scorecard bauen wir deshalb mit Metrics Manager separat von der Benutzerschnittstelle eine Datenbank für die Verwaltung und Hierarchisierung von Metriken auf, aus denen sich eine Reihe von Scorecards erstellen lassen und die zugleich mit der darunterliegende BI-Infrastruktur integriert sind.

CW: Aber kennen andererseits Unternehmen, die ein Data Warehouse betreiben, nicht ihre Metriken? Wo liegt der Mehrwert?

Ashe: Viele Data-Warehouse-Implementierungen sind ganz auf die Organisation von Daten und nicht auf Kennzahlen abgestellt, die normalerweise auf aggregierten Daten basieren.

CW: Wer stößt in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten die BI-Projekte im Kundenunternehmen an?

Ashe: Zumindest in Nordamerika sind es mittlerweile die Fachabteilungen, die konkrete Anwendungen wollen, und nicht mehr die IT, die die Infrastruktur auswählt.

CW: Lassen sich Investitionsschwerpunkte erkennen?

Ashe: Es gibt einfach eine große Bandbreite an BI-Anwendungen. Beispielsweise entstehen viele neue Extranet-Anwendungen zwischen Kunden und ihren Zulieferern sowie solche zur Messung der Unternehmensleistung (Visualizer, Dashboard). Und es gibt Firmen, die einen Mehrwert aus ihren ERP-Systemen ziehen wollen.

CW: Glauben Sie, dass die damit implizierte Integration zwischen BI-, ERP sowie CRM-Lösungen enger wird. Wie verhält sich Cognos in diesem Umfeld?

Ashe: Manugistics verkauft jetzt unsere Software. Unser größter CRM-Partner ist Onyx. Es ist aber ein schwieriges Marktumfeld, in dem sich Unternehmen fragen, wie sich CRM einsetzen lässt und ob nicht vielleicht der eigentliche Mehrwert in der Analyse liegt. Schon heute geht es in einem Viertel bis einem Drittel der mit unseren Produkten entwickelten Anwendungen um CRM.

CW: Wie ist Ihre Beziehung zur SAP? Finden Sie in Projekten noch wie früher zueinander, seitdem die Walldorfer mit ihrem "Business Information Warehouse" und Mysap Business Intelligence selbst im Markt agieren?

Ashe: Wir glauben, dass noch genug Platz im Markt ist, und haben heute viele gemeinsame Kunden mit der SAP. Wir sind aber keine Partner, sondern versuchen, aus der SAP-Software einen Mehrwert für die Anwender zu generieren.

CW: Und was machen Sie besser als die SAP?

Ashe: Business Intelligence.

CW: Die SAP ist eine enge Kooperation mit Ihrem Konkurrenten Crystal Decisions eingegangen, um ihr Portfolio um leistungsfähige Berichts- und Analysewerkzeuge zu ergänzen. Bleibt da noch überhaupt Raum für Cognos?

Ashe: Es ist eine Herausforderung.

CW: Neben den ERP-Anbietern gewinnt auch Microsoft mit seiner Datenbank "SQL Server" und den in ihm enthaltenen "Analysis Services" angeblich immer mehr Anteile im Markt für Analysesoftware. Vor wenigen Jahren präsentierte Cognos sich noch als enger Partner und brachte sogar ein spezielles BI-Frontend für den SQL Server auf den Markt. Wie sieht die Zusammenarbeit denn heute aus?

Ashe: Wir haben ein paar gemeinsame Kunden in Deutschland. Microsofts Erfolg ist mehr ein amerikanisches Phänomen.

CW: Wohin entwickelt sich der BI-Markt in der kommenden Zeit?

Ashe: Der BI-Markt ist heute Mainstream. Lösungen für die Berichtserstellung spielen künftig eine zentrale Rolle, da sie die Basis für die Kommunikation der Geschäftsergebnisse bilden. Zusätzlich werden immer mehr Firmen BI-Technik zukaufen, um Strategien zur Messung der Unternehmensleistung umzusetzen. In dem Maß, wie die Benutzerzahlen steigen, muss die IT dafür sorgen, dass die entsprechende BI-Infrastruktur skalierbar und sicher ist und die bereitgestellen Informationen konsistent bleiben.

CW: Setzt sich der seit Monaten zu beobachtende Shakeout im Markt fort?

Ashe: Ich erwarte eine weitere Konsolidierung, da manche Hersteller finanziell nicht stabil genug sind, um zu bestehen. Viele kleine Anbieter werden von Herstellern von Anwendungssoftware oder Systemen geschluckt werden, andere einfach vom Markt verschwinden. Microsoft und Oracle versuchen, ihre Datenbanken durch BI aufzuwerten. Oracle und SAP wollen zudem ihre ERP-Produkte um attraktive Funktionen ergänzen. Alternativ zu den ERP-Herstellern könnte es einen großen Anbieter von analytischer Software geben, der vor allem Anwendungen und Lösungen zur Leistungsmessung vertreibt.

CW: Insider gehen davon aus, dass Sie die Nachfolge von Chief Executive Officer Ron Zambonini antreten. Wo wollen Sie die Akzente in der Unternehmensstrategie setzen?

Ashe: Unser derzeitiger CEO bleibt weiterhin im Amt. Strategisch versucht unser Management, den Kunden eine umfassendere Vorstellung von dem zu vermitteln, was "Corporate-Performance-Management" ausmacht, und sie mit Hilfe der Produkte Series 7, Metrics Manager und den Cognos Web-Services bei der Umsetzung unterstützen. Ferner wollen wir uns mehr als bisher an die Geschäftsleitung und Fachbereiche richten. Statt mit den technischen Details unserer Produkte zu werben, soll künftig der Lösungs- und Branchen- oder der aufgabenbezogene Charakter unserer Angebote im Vordergrund stehen.

Cognos übernimmt Collaboration-Software-Spezialisten

Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend verzeichnete Cognos auch im Ende November abgeschlossenen dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres wieder Umsatz- und Gewinnzuwächse. Die Einnahmen stiegen im Jahresvergleich um elf Prozent - von 124,2 Millionen auf 138,1 Millionen Dollar. Firmenvertretern zufolge ist der Umsatz aus dem Geschäft mit Business-Intelligence-Anwendungen in allen wichtigen Regionen - USA, Europa und Asien/ Pazifik - zweistellig gewachsen. Beim Nettoprofit legte der Softwarehersteller sogar um 50 Prozent zu: von 13,3 Millionen oder 15 Cent pro Aktie im Vorjahr auf 19,9 Millionen Dollar oder 22 Cent pro Anteilschein. Cognos war bislang nur von einem Anstieg auf 19 Cent ausgegangen.

Zeitgleich mit den Zahlen kündigte der Business-Intelligence-Spezialist die Übernahme des Collaboration-Software-Anbieters Adaytum an - eine nach den Worten von Firmenchef Ron Zambonini "durchschlagende Akquisition" für sein Unternehmen. Cognos bezahlt 160 Millionen Dollar in bar für die US-amerikanische Firma, die Software zur Konzeption und Analyse von Business-Plänen entwickelt und Cognos auf einen Schlag 1500 neue Kunden verschafft - darunter Firmen wie Toyota, Lockheed Martin, Pfizer, 3M und American Experess. Die Übernahme soll bereits im Januar vollzogen werden - vorausgesetzt, die Kartellbehörden erteilen ihre Zustimmung.

Angesichts der gesunden finanziellen Position ist Cognos für den bevorstehenden Deal gut gerüstet. Zum Ende des dritten Quartals verfügte der BI-Anbieter über Cash-Reserven und kurzfristige Anlagen in Höhe von 338 Millionen Dollar. Und nach Einschätzung von Finanzchef Tom Manley wird der Kauf von Adaytum das Geschäftsergebnis im vierten Dreimonatszeitraum nicht nennenswert belasten, da der Übernahmekandidat im soeben abgelaufenen Quartal kurz vor Erreichen des Breakeven gestanden habe. (sp)

Abb: Cognos-Umsatzentwicklung

Seit dem vorangegangenen zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verzeichnet Cognos wieder steigende Einnahmen. Quelle: Firmenangaben