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24.08.2001 - 

Standardsoftware oder Eigenbau

Business Objects definiert analytische Anwendungen

MÜNCHEN (as) - Mit Business Objects (BO), Anbieter von Berichts- und Analyseprodukten, wartet ein weiterer Player im Markt für Business-Intelligence-(BI-)Systeme mit analytischen Anwendungen auf. Diese lassen sich mit Hilfe eines Frameworks selbst erstellen oder als Standardsoftware kaufen.

Noch steckt das Geschäft mit analytischen Anwendungen hierzulande in den Kinderschuhen. Dies ist zumindest der Eindruck, den Dieter Große-Kreul, frisch gebackener Geschäftsführer von BO, vom neuen Marktsegment hat. Der Hersteller, der Software für unternehmensweites Reporting und Analyse offeriert, will daher zunächst eine Produktstrategie verfolgen, bei der das Thema Aufbau von Extranet-Architekturen im Mittelpunkt steht. Nach eigenen Angaben seien bereits 600 derartige Installationen auf der Basis der Web-basierten BI-Software "Webintelligence" im Einsatz. Große-Kreul beobachtet in diesem Zusammenhang, dass Kunden als unternehmenskritische BI-Extranet-Lösungen immer häufiger Plattformen unter den Unix-Betriebssystemen Solaris und AIX gegenüber der Windows-Plattform bevorzugen.

Der Manager sieht Extranet-Anwendungen als ersten Schritt in Richtung eines lösungsorientierten Geschäfts, das derzeit viele Tool-Hersteller im BI-Markt aufzubauen versuchen. Die nächste Evolutionsstufe seien dann analytische Anwendungen.

ExpertenlösungenLaut Marcus Eisert, Presales Consultant bei BO, könnte man solche Angebote am besten als "Expertenlösungen" beschreiben. Sie vereinen in sich das Produkt-Know-how des Herstellers und das Branchen- und Projektwissen der Implementierungspartner. Technisch gesehen handelt es sich um Data Marts, zu denen das Fach- und eventuell sogar das Branchenmodell sowie zweckdienliche Berichte, Grafiken und Analysen schon zusammen mit den Produkten ausgeliefert werden.

Die entsprechende Produktstrategie lässt sich mit dem Motto "Build or buy" umschreiben. So bietet der Hersteller seit kurzem Unternehmen, die auf einfache Weise eigene analytische Anwendungen erstellen wolllen, das Framework "Business Objects Application Foundation". Dieses verwendet die Java-Serverpages-Technologie und setzt auf dem Webintelligence-Server als technische Infrastruktur auf. Mit von der Partie ist ferner eine neu entwickelte Web-Version des bisherigen Full-Client-Produkts "Set Analyser" für die Datensegmentierung, und es lässt sich ein umfangreiches "Dashboard" als Benutzer-Schnittstelle für die Software erstellen und gestalten. Für die Auswertung sind drei verschiedene Analyse-Engines im Framework im Einsatz: eine für die Bearbeitung von Buiness-Rules, die beim Eintritt bestimmter Ereignisse einen Alarm auslöst, eine weitere für fachbezogene Auswertungen (Set-based Analysis) sowie eine Engine für zeitbezogene Analysen. Letztere beide sind Erweiterungen zum Set Analyser.

Mit an Bord sind vor allem aber auch über 70 vorkonfigurierte analytische Templates, aus denen sich analytische Anwendungen aufbauen lassen. Es handelt sich um vorgefertigte und wiederverwendbare Modelle, die einen Großteil der im Geschäftsalltag abzubildenden Analyseanforderungen widerspiegeln sollen und mit deren Hilfe sich Auswertungen und Berichte gewinnen lassen. Sie setzen Key Performance Indicators um, die Basiskennzahlen finanzieller oder nicht finanzieller Art eines Unternehmens definieren und Aussagen über die Erreichung der von einem Unternehmen gesteckten Ziele versprechen. Laut Manager Eisert ist das Framework so konzipiert, dass Firmen neben der angebotenen Funktionalität auch eigene Templates einbringen beziehungsweise erstellen können und so Unternehmenswissen in die Lösung einfließen kann. Wer nicht selber bauen will, kann von BO Standardsoftware als vorgefertigtes Data Mart beziehen. Hierzu hat der Hersteller - nach ersten Anläufen innerhalb seiner Ithena-Abteilung - nun eine Produktsuite vorgestellt, die auf der Basis der Application Foundation entwickelt wurde und aufgabenspezifische Analysen mitliefert. Als erste derartige Anwendung ist "Customer Intelligence" erhältlich, die für die Auswertung von Kundenverhalten konzipiert ist und vordefinierte Module für Campaign-Management, Sales und Kundenanalyse enthält.

Das Produkt ist als Erweiterung einer bereits implementierten CRM-Anwendung konzipiert. Um daher Daten überhaupt zum Data Mart migrieren und dort auswerten zu können, ist die Hilfe eines zusätzlichen Tools für die Extraktion, Transformation und das Laden (ETL) von Daten nötig. BO setzt hier vor allem auf Partnerschaften mit Spezialisten wie Acta und Ascential (vormals Ardent), die die Schnittstellen ihrer Produkte entsprechend angepasst haben. Weitere Angebote für das Supply-Chain-Management sowie zur Messung der internen Unternehmensleistung sollen laut Eisert folgen.

Mittelstand bevorzugt Add-onsBO-Geschäftsführer Große-Kreul rechnet damit, dass Extranet-Lösungen künftig 20 bis 30 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen könnten, während analytische Anwendungen vermutlich nur auf zehn Prozent kommen werden. Zudem sind Letztere seiner Ansicht nach vor allem für Großunternehmen geeignet: "Der Mittelstand kauft in erster Linie BI-Produkte als Add-on zur betriebswirtschaftlichen Standardsoftware, meist ohne den Wunsch nach Individuallösungen." Angaben von Wettbewerbern, nicht nur fachspezifische, sondern auch branchenspezifische analytische Anwendungen bieten zu können, hält Große-Kreul vor allem für Marketing. Es handle sich seiner Ansicht nach vermutlich um Produkte "auf hohem Niveau", die nicht die für eine Branche benötigte Komplexität wirklich von Haus aus abdecken können: "Im einfachsten Fall ist eine analytische Anwendung lediglich ein Datenwürfel mit vorgefertigen Berichten", sagt Große-Kreul. BO seinerseits wolle deshalb das Geschäft in vertikalen Märkten den Partnern überlassen und lediglich die TK-Branche und den Finanzdienstleistungssektor intensiver angehen, sprich mehr als nur Standard-Templates bieten. Doch auch hier wird nichts ohne Partner gehen.

Analytische AnwendungenAnalytische Anwendungen sind vorgefertigte fachspezifische, weniger branchenspezifische Standardsoftwareprodukte, die meist im Projektgeschäft bei der Implementierung der diversen BI-Produkte entstanden sind. Üblicherweise sind solche Produkte ein Data Mart, das mit vordefiniertem Datenmodell, Geschäftskennzahlen, Sammlungen von Schlüssel-Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators) sowie vorgefertigten Berichten und Analysen in Form von Templates aufwartet. Solche Out-of-the-Box-Angebote versprechen laut einer Untersuchung der Giga Information Group aus dem letzten Jahr, die bei Neuentwicklungen anfallenden durchschnittlichen Kosten für das Design um 50 bis 75 Prozent, die Ausgaben für die Implementierung um 40 bis 60 Prozent zu senken. Die Firma Cognos geht davon aus, dass analytische Anwendungen die Bedürfnisse eines Kleinunternehmens komplett abdecken können. In mittelständischen Betrieben lassen sich 80 bis 95 Prozent, bei Großunternehmen 60 bis 70 Prozent der Anforderungen durch solche Pakete erfüllen, so die Einschätzung von Cognos-Geschäftsführer Uwe Richter.

Die technische Infrastruktur stellen die BI-Produkte des Herstellers und die seiner Implementierungs- oder OEM-Partner. Üblicherweise mitgeliefert werden eine relationale Datenbank, Verwaltungskomponenten, Funktionaliät oder Tools für die Extraktion, Transformation und das Laden (ETL) der analytischen Anwendung, Berichts- und Analyse-Frontends und/oder Web-Clients. Zudem gehören Wartungs- und Serviceverträge zum Angebot. Die künftigen Einsatzgebiete analytischer Anwendungen liegen im Kunden-Management (analytisches Customer-Relationship-Management), bei der Vetriebsautomatisierung, im Finanzsektor sowie bei der Steuerung von Lieferketten. Zu den Anbietern in diesem noch jungen Markt zählen Microstrategy, Cognos, Business Objects, Sagent, Hyperion, SAS Institute, Applix, Informatica, Kana, Epiphany und Oracle.