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11.10.1996 - 

Mit CASE zu besseren Anwendungen

Business Process Re-Engineering ist das Front-end der Entwicklung

BPR bleibt auch in den kommenden fünf Jahren noch brandaktuell. Analysten wie die der Gartner Group erwarten darüber hinaus eine stärkere Integration der Geschäftsabläufe mit der Anwendungsentwicklung. IT-Techniken wie Prozeßmodellierung, Simulation, Finanzanalyse und Critical-Path-Analyse-Werkzeuge werden das BPR effektiver als bisher unterstützen können. Zugleich erwerben die Abteilungen des Kerngeschäfts mehr IT-Kenntnisse. Das führt insgesamt dazu, daß DV-Werkzeuge eine immer größere Bedeutung bei der Umgestaltung von Geschäftsprozessen spielen.

Zunächst sind jedoch die Anwendungsentwickler gefragt. Sie müssen interdisziplinäres Wissen erwerben: Operations Research, strategische Geschäftsplanung, organisatorisches Verhalten und Finanzanalyse. IT-Organisationen müssen lernen, sich noch stärker mit den Zielen ihres Unternehmens zu identifizieren. Das bedeutet für sie: Verantwortung für interne und externe Dienste zu übernehmen, mit Abteilungen des Kerngeschäftes zusammenzuarbeiten sowie Leistungsmaßstäbe zu akzeptieren, die direkt mit den Geschäftszielen in Beziehung stehen. Um das zu erreichen, muß die Anwendungsentwicklung zu einem internen Systemintegrator werden.

Angesichts der zunehmenden Konvergenz der Fach- und IT-Abteilungen kristallisieren sich folgende Trends heraus: Methoden und Werkzeuge des Business Process Re-Engineerings bekommen einen wachsenden Einfluß auf Anwendungsentwicklungs-Methoden der Einfluß der Objekt- und Komponentenentwicklung umfaßt alle Bereiche der Workgroup- und Business-Anwendungsentwicklung. Unterstützende Technologien für die Anwendungsentwicklung werden zum festen Bestandteil von Werkzeugen und außerdem Wartungsstrategien für Legacy-Systeme in neue Client-Server- Anwendungen integriert. Applikationsarchitekturen bestimmen in zunehmendem Maße die Auswahl von Werkzeugen und Technologien.

Darüber hinaus gilt der funktionsorientierte Aufbau von Organisationen und Unternehmen und die damit einhergehende Taylorisierung der Arbeit als längst überholt. Das gleiche trifft auch für Softwareprodukte zu, die solche Strukturen und Abläufe widerspiegeln. Außerdem sind die Märkte internationaler geworden.

Der leichter werdende Transfer von Manpower, Know-how und Produktionsfaktoren sowie die weltweite ständige Vergleichbarkeit der Marktteilnehmer fordert Anpassungsfähigkeit der Software und schnelle Reaktionen auf die Gegebenheiten des Markts.

Die Dynamisierung des Wettbewerbs zwingt zu immer neuen Produkten und Dienstleistungen. Da heute alles über Informationen und deren Verarbeitung vermittelt wird, kommt der IT-Technik eine entscheidende Rolle zu.

Doch ist die Softwarekrise nicht überwunden. Die Wartung statischer Software kann mit der neuen Dynamik nicht Schritt halten. Klare Chancen bieten dagegen Neuentwicklungen. Hier lassen sich bekannte Fehler vermeiden und mit modernen CASE-Methoden und OO-Techniken eine solide Entwicklungsgrundlage schaffen.

Dabei sind nur CASE-Werkzeuge akzeptabel, die die Integration bestehender Kundenapplikationen explizit vorsehen. Sie müssen etwa über eine entsprechende Vielfalt an Formaten und APIs verfügen, die für die nahtlose Integration älterer Anwendungen unabdingbar sind.

Moderne CASE-Werkzeuge, die sich der Objekttechnik bedienen, haben im Grunde genommen die Konzeptionen bereits vorweggenommen, die heute mit Begriffen wie BPR, Kaizen, KVP oder TIM assoziiert werden. Um die Softwareentwicklung mit Business Engineering zu verbinden, muß Organisationsabteilungen in Unternehmen ein Tool an die Hand gegeben werden, das es Organisatoren gestattet, Geschäftsprozesse so darzustellen, wie sie es gewohnt sind - als Koppelung von Geschäftsabläufen. Der Anwender sollte möglichst nicht mit abstrakten Zustandsdiagrammen, Petrinetzen und Automaten konfrontiert werden.

Der Vorteil solcher Tools liegt auf der Hand: Sowohl der Organisator als auch der DV-Verantwortliche können sich ohne Mühe auf der gleichen Ebene verständigen. Mißverständnisse und Kommunikationsbrüche zwischen Organisation und Datenverarbeitung werden vermieden. Eine bildliche Darstellung und Manipulierbarkeit von Beziehungen und Abläufen verschafft einen Überblick, macht Abstraktionsebenen transparent und sorgt dafür, daß nichts übersehen wird.

Außerdem sollte das Tool über Funktionen des Rapid Application Development (RAD) und der System-Modellierung verfügen. Programmiersprachen der dritten und vierten Generation können nicht als eigenständige Softwareprodukte Großprojekte bewältigen. Neben der Integration von Embedded SQL, Einbeziehung von GUIs und Zugriffsmethoden via APIs sind übergeordnete Entwicklungsumgebungen wie CASE zunehmend unabdingbar geworden.

Moderne CASE-Produkte bieten zudem eine Integration der Entwicklungsphasen Analyse, Design und Implementierung. Außerdem sind zusätzliche Funktionalitäten wie Multiuserfähigkeit, Workflow-Management, automatische Dokumentation und Versionsverwaltung gewünscht. In Workgroups verbundene Entwickler sollten sich zudem auf ein gemeinsames Online Repository stützen können, in dem sich funktionsorientierte Projekte, Datenmodelle und Objektmodelle hinterlegen lassen.

Die Entwicklungsmethodik, ob sie nun funktions-, daten- oder objektorientiert ist, hat sich zudem auf jeweils gängigen Standards zu stützen wie Nassy-Shneidermann oder die Empfehlungen der OMG.

Voraussichtlich wird die "Unified Method Language" der Rational Software Corp., Santa Clara, die derzeit in der Pre-Version 0.9 vorliegt, zum OMG-Standard. CASE-Methoden, die darauf basieren, bieten die nachfolgenden Modelle:

- Das Objekt Modell: Es erlaubt eine Modellierung der Objekte sowie deren Beziehungen, Attribute und Methoden

- das dynamische Modell: Mittels Zustands-, Ereignisfluß-, Ereignis-, Generalsierungs- und Interaktions-Diagrammen läßt sich damit das dynamische Verhalten von Objekten und ihrer Kommunikation darstellen

- das Business Modell: Hier werden Geschäftsobjekte mit Hilfe von Business-Object-Modellen sowie Geschäftsfunktionen mittels sogenannter Use-Cases und mit Interaktionsdiagrammen abgebildet.

*Privatdozent Dr. Dr. Savvas Keramidis ist Geschäftsführer der MID GmbH in Nürnberg.