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13.12.1991 - 

CSC-Managementkonferenz in Paris

Business-Re-Engineering: Die neuen IT-Qualitäten nutzen

PARIS (CW) - Wurde die Informationstechnologie in den vergangenen Jahren primär dazu benutzt, festgeschriebene Abläufe zu automatisieren, so läßt sie sich heute einsetzen, um Prozesse schnell und flexibel nach den jeweiligen Markterfordernissen zu verändern. Neue Möglichkeiten einer IT-gestützten Geschäftsabwicklung waren Gegenstand eines Kongresses der CSC Computer Science Corp.

"Wir konnten in den vergangenen 30 Jahren kaum einen wirklich substantiellen Nutzen aus der Informationstechnologie ziehen", lautet das Fazit von Ronald W. Mackintosh, Chief Executive der englischen CSC-Niederlassung. Informationstechnologie sei vor allem dazu genutzt worden, Prozesse zu automatisieren. Die Abläufe selbst wurden dabei nur selten einer kritischen Prüfung unterzogen. Mackintosh stellt den - seiner Ansicht nach überkommenen - Automatisierungsansatz dem CSC-eigenen Konzept des "Business-Re-Engineering".

Dabei ging es dem CSC-Manager in seinem Vortrag vor allem darum, seine Zuhörer von der Notwendigkeit einer völlig neuen Art und Weise der Geschäftsausübung zu überzeugen, oder sie zumindest für entsprechende Ideen zu sensibilisieren. Grundsätzlich sei die Automatisierung von der Analyse der gegenwärtigen Unternehmenssituation und der Notwendigkeit einer ständigem Verbesserung der Performance ausgegangen. Damit aber, so der CSC-Manager, war der Weg des Unternehmens festgeschrieben, das Geschäftsergebnis - zumindest in einem gewissen Rahmen - vorhersagbar.

Heute sei die Zeit reif für einen neuen Ansatz, der sich nicht so sehr an den Problemen der Gegenwart wie an den Erfordernissen der Zukunft orientiere. Mit Hilfe der Informationstechnologie könne inzwischen eine Flexibilität erreicht werden, die es gestatte, auch Dinge auszuprobieren, die früher als zu riskant schienen, und nötigenfalls eine nur mäßig erfolgreiche Strategie schnell zu ändern.

Business Re-Engineering, wie es die Computer Science Corp versteht, meint eine radikale Erneuerung des gesamten Unternehmens, einschließlich der Geschäfts- und Verwaltungsabläufe, der Organisation und der Mitarbeiterfunktionen. Die Prozesse im Unternehmen werden drastisch vereinfacht, verschiedene Schritte in Produktion und Verwaltung in einen einzigen zusammengefaßt.

Dienstleistungsunternehmen kommen dort ins Spiel, wo Bereiche, die keinen unmittelbaren Einfluß auf das Kerngeschäft haben oder sich sogar als Hemmfaktoren herausstellen, ausgelagert werden. Die Produktlinie ist neu zu überdenken, das Kerngeschäft hat im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Damit das zentrale Management dezentraler Einheiten möglich ist - eine der Grundvoraussetzungen des Business-Re-Engineering - müssen Unternehmen mit Hilfe von Netzwerken eine perfekte informationstechnologische Infrastruktur aufbauen.

John M. Thompson, Leiter der europäischen Geschäfte der CSC Corp., beschreibt, welche informationstechnologische Generation abzulösen ist: "Schon vor 25 Jahren wurde erzählt, Automation sei der einzige Weg, das Geschäft zu verbessern." In der Vergangenheit sei die Informationstechnologie in erster Linie dazu genutzt worden, Prozesse zu verkomplizieren und zu versteinern.

Als Beispiel nannte Thompson die Lieferzeiten in Automobilwerken. In Europa vergingen zwischen Bestellung und Auslieferung von PKWs gegenwärtig noch immer durchschnittlich sechs Wochen. "Es dauert etwa 35 Stunden, ein Auto zu bauen - wo bleibt der Rest der Zeit?", so die provokative Frage Thompsons. In Japan werde das Wunschauto heute in der Regel binnen einer Woche geliefert.

Thompson wurde in seinen Ausführungen noch konkreter. Die heutige DV-Landschaft sei noch immer von Mainframes und Cobol-Programmen geprägt. Diese alte Umgebung sei kaum aufzubrechen - "Wie wollen Sie von hier jemals zu einer Client-Server-Architektur und dem Einsatz von 4GLs kommen?", fragte der CSC-Manager sein Auditorium. Es bestehe gegenwärtig noch eine Mauer zwischen der alten DV-Umgebung und den innovativen netzwerkorientierten Ansätzen, die die Organisation der Unternehmensressource Information erst möglich machten.

Wirtschaftlich geht der Trend nach Einschätzung Thompsons hin zu einer Generalanbieterschaft. Kunden komme es darauf an, alles aus einer Hand zu beziehen und dabei außerdem noch einen perfekten Service zu erhalten. Die Nutzung neuer elektronischer Kanäle werde daher künftig das Bild bestimmen. Kooperationen zwischen Unternehmen, die nicht miteinander konkurrieren, müssen laut Thompson für ein Serviceniveau sorgen, das den Kunden nicht nur vorn Produkt, sondern auch von dessen Anbietet überzeugt.

"Re-Designing", "Re-Tooling" und "Re-Orchestration" sind die drei Aspekte, die nach Ausführungen verschiedener CSC-Sprecher zum Business-Re-Engineering im Sinne des Unternehmens führen. Mit Re-Designing ist die Herausbildung einer unternehmenseigenen Vision und die Entwicklung neuer Wege der Geschäftsausübung und des Managements mit Orientierung auf diese Vision gemeint. Dabei, so führt der englische Managing Director Adam Crescenzi aus, ist ein "radikales Denken" erforderlich, das sowohl Mitarbeiter als auch Abläufe und Werkzeuge betrifft.

Unter Re-Tooling verstehen die CSC-Berater die Entwicklung und Implementierung einer neuen Generation von Informations- und Kommunikationssystemen. Dazu bedarf es einer inspirativen Freiheit der Entwickler, die nach dem Trialand-error-Prinzip neue Ideen entwickeln, die wiederum anhand von Prototypen umgesetzt und getestet werden sollen. Re-Tooling, so erläutert CSC-Vice-President John Rankin, impliziert auch die Einbindung alter Programme und deren sukzessive Erneuerung.

Natürlich müssen in Anwendungsentwicklung und Kommunikation Architekturprinzipien, Standards, Offenheit und Connectivity eingehen. Die Organisation muß stimmen, bestimmte Bereiche können problemlos an einen Servicepartner abgetreten werden. Rankin zieht bei Betrachtung dieser Punkte das Fazit: "Die Leistung europäischer IT-Abteilungen befindet sich derzeit nicht auf einem Weltniveau."

An der Spitze des "re-enginierten" Unternehmens steht der Geschäftsführer, der alle Fäden in der Hand hält. Er übernimmt die Funktion eines zentralen Informationspools und dirigiert das gesamte Unternehmen - CSC-Mitarbeiter James Champy, nennt in diesem Zusammenhang den Begriff "Re-Orchestration". Alle weiteren Hierarchien gelten als informationshemmend und sind zu vermeiden. Statt dessen sei ein funktionierendes Informationsnetz über das gesamte Unternehmen zu legen.