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03.12.1998 - 

Unternehmen engagieren Schauspielgruppen

Business-Theater: Hofnarren im Dienst der Manager

Von Hilde-Josephine Post* Business-Theater kann Barrieren und Ängste in Unternehmen aufheben, verkrustete Strukturen aufbrechen und Veränderungsprozesse transparent machen. Der Schlüssel dazu liegt im Humor.

Skill, das sexy Girl in Lackklamotte, räkelt sich verführerisch auf einem Bürotisch. Sie bringt Portfolio gerade bei, daß die aufgedonnerte Domina Market und Le Roi, Return on Investment, nicht mehr mit seiner Arbeitsweise zufrieden sind. Eine Szene aus dem Theaterstück für die Softlab GmbH, das bei einer Kick-off-Veranstaltung für rund 1300 Angestellte aufgeführt wurde. Das Schauspiel sollte der Belegschaft den internen Wandel der BMW-Tochter zum unabhängig agierenden Software-Systemhaus nochmals vor Augen führen. Die Umstrukturierung ging mit einer hohen Fluktuationsrate einher. Hinzu kam ein Chefwechsel. Beim ersten Eindruck provozierte das gewagte Outfit der beiden Hauptdarstellerinnen, die den Markt (Market) und die Fachkompetenz (Skill) verkörperten. Jürgen Bergmann packte mit seiner Schauspieltruppe Transico die veränderten Geschäftsprozesse in eine moderne Tragödie und bekam darauf ein sehr unterschiedliches Feedback. Petra Flessa von der Abteilung Event-Marketing bei Softlab räumt ein: "Man muß die Sache ganz langsam angehen und darf die Mitarbeiter nicht mit solchen Events überfordern." Sonst denke die Belegschaft: Jahrelang ist nichts passiert, und jetzt spinnen sie komplett.

Verschiedene Künstlergruppen versuchen schon seit 15 Jahren, die Manager vom Business-Theater zu überzeugen. Firmen wählen zwar zögernd, aber immer öfter eine künstlerische Bearbeitung ihrer Situation. Das Münchner Business-Theater DKS Training ist sich sicher: "Menschliche Probleme in Firmen dominieren alles andere. Streß blockiert das Denken. Negative Reize und Emotionen setzen Abwehrmechanismen und destruktive Kräfte wie Mobbing oder Dienst nach Vorschrift in Gang." Die Folge: innere Kündigung der Mitarbeiter. Wenn die Theatergruppe menschliche Probleme löst, werden sich nach Ansicht des DKS-Teams auch automatisch die technischen und finanziellen Schwierigkeiten regeln. Hier könnten Theater- und Rollenspiele ansetzen. Das Institut für Management der freien Universität Berlin hat die Unternehmenstheater in Deutschland untersucht.

Demnach sind derzeit etwa elf Schauspielteams in Unternehmen unterwegs und machen einen jährlichen Umsatz von etwa zehn Millionen Mark. Nach Karin Wolf vom Institut für Kulturkonzepte in Wien ist das Unternehmenstheater wohl aus ökonomischen Gründen entstanden: Der Staat zieht sich immer mehr aus dem Kulturbereich zurück, so daß die Kultur sich ihren Unterhalt bei der Wirtschaft verdienen muß. Die Künstler überleben durch das Business-Theater und sponsern so ihre kulturellen Veranstaltungen.

Schauspielgruppen gestalten Messen oder Tagungen mit, decken aber auch Themen wie Vertriebstraining, Produkteinführung, Mitarbeitermotivation, Personalschulung, Führungskräfte- und Persönlichkeitstraining ab. Im Gegensatz zum Theaterstück von der Stange, das sich an mehrere Firmen verkaufen läßt, ist das maßgeschneiderte Theater direkt auf ein Unternehmen zugeschnitten.

Das Galli Institut, Freiburg, inszenierte zur Gründung der Firma Sicad das Kabarettstück "Das verrückte Geheimnis des Erfolgs". Nach Leiter Johannes Galli ist "die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und für den dauernden Wandel bereit zu sein", die erste Voraussetzung für Erfolg. Die mühsame Metamorphose einer Raupe in einen Schmetterling sollte das deutlich machen. Inwieweit die Firmen in die Wahl der Dramaturgie eingreifen dürfen, obliegt der Gruppe. "Bei einer auf die Firma abgestimmten Inszenierung hat der Auftraggeber viel Raum für seine Vorstellungen", meint Galli. Klaus Schliermann von DKS Training stieß dabei an seine Grenzen: "Bei Großfirmen war die Zensur so stark, daß ich schon Aufträge abgelehnt habe."

Mitarbeiter gestalten Wandel selbst

Das Mitarbeitertheater wird mit der Belegschaft gestaltet. Durch Zurufe können die Zuschauer Szenen aus dem eigenen Alltag in das Bühnengeschehen einfließen lassen. Das professionelle Team spielt die vorgeschlagenen Szenen, die dann besprochen werden. Die Mitarbeiter sollen so ein Feedback zu Problemen bekommen, die ihnen auf den Nägeln brennen. Nach Meinung der Theaterexperten werden dabei eigene Ideen sowie Ansatzpunkte zu Veränderungen freier eingebracht. Feedback-Theater fördere kreatives Denken und motiviere die Leute, Wandlung selbst zu gestalten.

Bisher setzen die Firmen aber vor allem auf maßgeschneidertes Theater. Für die Deutsche Telekom entwickelte zum Beispiel das Galli-Institut Spielszenen, um Mitarbeiter für Teleteaching zu schulen. Das IHK-Bildungszentrum in Offenburg ließ ein Kabarettstück zum Thema Multimedia und Weiterbildung inszenieren. Auch für Kommunikations- und Verkaufstraining wird Business-Theater eingesetzt. Bei dem Kölner Logistikunternehmen WM Holding hatte sich die Mitarbeiterzahl in den vergangenen zwei Jahren auf 2500 verdoppelt. Durch das schnelle Wachstum wurde die Kommunikation zwischen den einzelnen Einheiten schwierig. Die Mobile Theater & Showproduktion, Köln, stellte das Beziehungsgeflecht überspitzt dar: Der Außendienstmitarbeiter düst in der Gegend umher, sein Kollege im Innendienst macht sich einen faulen Lenz. Ein anrufender Kunde hat keine Chance, da der Innendienstler um fünf vor zwölf nicht mehr ans Telefon geht, weil die Mittagspause naht. Das Mobile-Team zeigte, wie man es besser machen könnte. "Wir wollten den mangelnden Informationsaustausch innerhalb der Holding klarmachen und eine Vision geben, wie es optimal laufen könnte", begründete Isabell Terheyden von der WM-Holding. Das Stück sei bei den 80 Verkäufern sehr gut angekommen.

Für ein solches Bühnenstück muß ein Unternehmen 20000 bis 25000 Mark bezahlen. Rainer Neubauer von Andersen Consulting vergleicht: "Für eine zehnminütige Videoproduktion muß man auch 25 000 bis 75000 Mark hinblättern. Zudem läßt sich das Theater während des Spiels stoppen, Szenen in leicht abgeänderter Form wiederholen und auch aufzeichnen." Theatergruppen, Unternehmensberater und Trainer arbeiten immer öfter zusammen. Bei der WM-Holding betreute parallel ein Verkaufstrainer die Mannschaft mit einem Workshop. Andersen Consulting erkannte schon früh das verborgene Marktpotential. Die Unternehmensberatung arbeitet seit einigen Jahren mit dem "Theatre ê la carte" in Frankreich zusammen und verpackt Problemthemen, die sich aus Reorganisationsprozessen ergeben, in Theaterstücke.

Business-Theater scheint nicht nur eine kurzlebige Modeerscheinung zu sein. "Theater kann, was Vorträge, Statistiken und Analysen nicht vermögen, etwa die Gefühle der Zuschauer erreichen und damit auf einer tieferen Ebene Wissen und Zusammenhänge darstellen. Vieles, was im geschäftlichen Alltag unreflektiert hingenommen wird, läßt sich im Theaterspiel bildhaft und lebendig beleuchten, so daß dem Zuschauer ein Licht aufgeht", argumentiert Theatermann Galli.

Das Scharlatan Theater, Hamburg, setzt genau an diesem Punkt an: Verkrustete Strukturen, Erfahrungen, Vorurteile und Ängste sollen aufgebrochen und anschließend soll der Boden bereitet werden, auf dem das Neue wachsen kann. Es sei unmöglich, Menschen mit rationalen Argumenten zu überzeugen, solange die emotionalen Widerstände nicht überwunden seien. Schliermann beziffert den Faktor Angst mit jährlichen Verlusten für die deutsche Wirtschaft von 100 Milliarden Mark.

Im Bühnenspiel werde den Zuschauern ein Spiegel vorgehalten, um innere Barrieren zu überwinden. Aus der Distanz kann der Zuschauer sich wiedererkennen und auch Unerfreuliches über sich lernen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. "Statt mit erhobenem Zeigefinger arbeiten wir mit Humor", so die Scharlatane.

Humor sieht auch Schliermann als wichtigste Komponente. Miteinander übereinander zu lachen sei der erste Schritt zum gegenseitigen Verstehen. Die Londoner Investmentgesellschaft 3i fand bei einer Untersuchung heraus, daß Deutsche im Unternehmen tüchtig, aber humorlos seien. Der Kabarettist und Trainer Emil Herzog sieht in Humor und Spielkultur eine Management-Ressource. Der Schweizer kennt die Business-Wirklichkeit aus der Praxis. Über 20 Jahre verkörperte er selbst die Rolle des Marketing-Leiters bei Nestle, Unilever und der Globusgruppe. Sein damaliges Hobby waren Soloauftritte in Kleintheatern. Persönlichkeitstraining gehört zu seinen Spezialitäten: Die Zuschauer können lernen, auf der Suche nach dem Clown sich selbst und neue Rollen zu entdecken und Schwachstellen ans Tageslicht zu fördern - nicht nur eigene. Ob Manager solche Nebenwirkungen des Business-Theaters begrüßen, ist fraglich. Die Fürsten des Mittelalters ließen ihre Hofnarren gewähren. Als Hofnarren im Dienste der neuzeitlichen Manager begreifen sich auch Theatergruppen wie die Scharlatane: "Hatten sich die Narren erst einmal durch ihren Spielwitz die Sympathien der Fürsten erschlichen, so konnten sie ihnen auch den Spiegel vorhalten..

Theater live

Chaos & Partner Management Kabarett 82131 Stockdorf Fax: 089/ 8508838

DKS Training 81247 München infodks-training.com http://www.dks-training.com

Dein Theater 70190 Stuttgart Fax: 0711/2624391

Emil Herzog live NPL-Trainer und Kabarettist CH-8708 Männedorf Tel./Fax: 0041 01/9201668

Galli Institut 79098 Freiburg galli.consultingt-online.de

Klak... 63150 Heusenstamm Fax: 06104/ 101274

Theater mit Masken Michael Vogel 10 435 Berlin Fax: 030/ 4429055

Mobile Theater & Showproduktion 50668 Köln Fax: 0221/ 91278555

3P Beratungsgruppe 90403 Nürnberg Fax: 0911/2053506

Scharlatan Theater 20097 Hamburg infoscharlatan.de http://www.scharlatan.de

Transico 95447 Bayreuth bgothof.baynet.de http://www.hof.baynet.de/bgot

Visions Theater 80796 München flbss.de

Vitamin Theater 81245 München vitaminTt-online.de

*Hilde-Josephine Post ist freie Journalistin in München.