Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.07.1978

Bytes gegen Menschenrechte

Jimmy Carter setzt Zeichen. Sein "no" für Sperry Univac, der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS einen Computer für Textverarbeitungs-Aufgaben und die Telefonvermittlung zu liefern - dies schadet zunächst nur den Amerikanern: Einmal ist es entgangener Umsatz für das Lieferunternehmen und dann ist solch ein Embargo einer Handelsbilanz, der in diesem Jahr ein 30 Milliarden Dollar Defizit dräut, auch nicht zuträglich.

Carter reagierte mit dem Verbot ganz offensichtlich auf die Dissidenten-Prozesse und die Verurteilung zweier amerikanischer Journalisten durch ein Moskauer Gericht. Dies war es ihm wert, Bytes gegen Menschenrechte aufzuwiegen. Und diesen Zusammenhang vermochte auch das Statement eines Sprechers des Weißen Hauses nicht zu zerstreuen, der den Lieferstop mit der zu hohen Rechnerleistung für die simple TASS-Anwendung begründete.

Carters Reaktion und diese Aussage seiner Administration bekräftigen aber: Öl und Computer sind die politischen Waffen der Gegenwart.

Bislang waren vor allem die Militärs darauf bedacht, sensitive Produkte nicht in die Hände des Gegners gelangen zu lassen Sie dachten an militärische Anwendungen

Doch die Überlegenheit von Gesellschaftsformen beweist sich immer mehr in der Informationsbewältigung für zivile Bereiche.

Prompt bedachten die Sowjets den Ausfuhrstop mit den Schmähparolen der Ideologen: "Den Handel als Hebel zu benutzen, um das Verhalten der Sowjetunion zu beeinflussen, dies sei ein altes verrostetes Instrument der Erpressung, das noch nie zum Erfolg geführt habe," kommentierte die Prawda überheblich.

Flugs lief auch an Moskaus Gerüchte-Börsen: Den Amerikanern sollte der Auftrag ohnehin entzogen werden, weil sie weder im gewünschten Rahmen, noch zum gewünschten Preis und nicht zum gewünschten Zeitpunkt hätten liefern können.

Gleich war von einem deutschen Unternehmen die Rede, das ohnehin schon vor Sperry Univac im Gespräch gewesen sei und nun wieder beste Chancen hätte. Indes: Es gab bisher - zumindest mit Siemens kein solches Gespräch und zur Stunde ist auch keines für die nahe Zukunft terminiert.

Und: Könnte Siemens liefern, dürfte Siemens liefern wenn die Nato ein Veto einlegen würde etwa aus dem Grund, die Leistung des Siemens-Rechners lasse auch militärische Anwendung zu?

Siemens dürfte nicht.

Auch anderswo im Westen würden die Sowjets nicht beziehen können, was sie dringend brauchen: Computer-Kapazität .

Dabei wäre es wahnwitzig anzunehmen, die Sowjets befänden sich in der Kybernetischen Steinzeit, rechneten noch mit Röhren und hätten keine leistungsfähige Computer-Technologie. Die haben sie und ihre Erfolge in der Raumfahrt beweisen das eindrucksvoll.

Anfang April meldete die Prawda, daß in der UdSSR intensiv Multiprozessor-Anlagen der 4. Generation entwickelt würden. Und zwar werden beim Typ Elbrus 1 bis zu zehn Prozessoren (mit einer internen Speicherkapazität bis zu acht Millionen Zeichen) modular gebündelt. Jeder Prozessor kann mehr als eine Million Operationen pro Sekunde ausführen. Elbrus 2 soll's auf 100 Mops bringen.

Die Technologie ist es also nicht.

Der Stachel des Embargos sitzt der UdSSR auch anderswo im Fleisch: Denn sie ist dem Westen in der insgesamt verfügbaren Computerleistung und vor allem bei der Verteilung der Rechnerkapazität unterlegen.

Wenngleich die RGW-Satelliten bis zu 80 Prozent ihrer Rechner-Exporte dem großen Bruder ins Haus stellen müssen: Die Planwirtschaft hat schon von ihrem statistischen Charakter her mehr Bedarf an Rechnerleistung .

Doch diese Rechnerleistung kann man im Land nicht kaufen: Der Warenladen für die Sowjets bleibt der Westen - und da schmerzt's, wenn sich die Jalousien senken.