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24.04.1987 - 

Meinung der CADCAM-Anbieter über Industrie-Messe geteilt:

C-Problem hält Hannover-Frage weiter offen

24.04.1987

HANNOVER (CW) - Eine Steigerung um rund 100 000 auf insgesamt 490 000 Besucher belege - so die Hannover-Messe-AG - den "prächtigen Erfolg" der diesjährigen Industrie-Messe. Mächtig sauer hingegen sind einige Aussteller im CAD/CAM-Bereich, für die die Messe - so ein Aussteller - "eine Katastrophe war". Sie fühlten sich in der Halle 18 ins Abseits gedrängt.

Das Kunstwort "Intermatic", mit dem der CAD/CAM-Bereich überschrieben war, wirkte ihrer Meinung nach nicht gerade wie ein Magnet auf gewünschte Besucherströme. Bis zur Halbzeit war dort das Messegeschäft eher flau, wie auch Eberhard Roloff, Sprecher der Messe-AG, bestätigte.

Für Gerhard Schmitt, Geschäftsführer der Weigang MCS GmbH, hat sich das Engagement auf der Industrie-Messe nicht ausgezahlt. "Wir haben viel zuwenig Anfragen und viel zuwenig entscheidungs- und fachkompetente Leute auf dem Stand gehabt." Rund 8000 Einladungen hatte das Unternehmen an Firmenchefs und leitende Angestellte aus der Fertigung verschickt. "Im letzten Jahr auf der Industrie-Messe, als wir unseren Stand in der Halle 7 hatten, waren wir erfolgreicher", resümiert Schmitt.

Er gehört zu denen, die sich mit der Teilung in CeBIT und Industrie-Messe noch nicht abgefunden haben, und glaubt, daß es sinnvoller sei, eine Industriemesse inklusiv mit dem Angebot an Computern zu veranstalten. "Schließlich wollen wir doch versuchen, den Computer in die Industrie hineinzubringen", ist seine Begründung. Schmitts Vorschlag ist, Bereiche wie das "Zentrum der Werbung" auszugliedern, um Möglichkeiten zu schaffen, die CeBIT wieder einzubinden. Sonst bestünde die Gefahr, daß die Industrie-Messe zu einem Sammelsurium von Fachmessen degeneriere.

Ausländische CIM-Interessenten waren schlecht informiert

Für Schmitt ist Hannover nicht mehr der Messeplatz, auf dem sich die deutsche Industrie dem internationalen Publikum stellt. Für sein Messe-Engagement hat Weigang 100 000 Mark ohne Personalkosten ausgegeben. Für eine "gute Adresse", die er auf der Messe bekommen hat, rechnet Schmitt etwa 1000 Mark, und "das ist einfach viel zu teuer". Marketing-Mix, das heißt mehr Anzeigen und Seminare, sind das mögliche Konzept der Zukunft von Weigang.

Bei Nixdorf äußert man Zustimmung zum Konzept der Hannover-Messe-AG. Die Trennung sei vollzogen, und damit müsse und könne man leben, ist aus Paderborn zu hören. Probleme mit Schnittstellen hat das Unternehmen nicht, weil es auf beiden Messen reichlich präsent war. Insgesamt sei eine deutliche Erhöhung der Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Der Anteil ausländischer Besucher sei im Verhältnis zur CeBIT jedoch gering gewesen. Offensichtlich fehle es ausländischen CIM-Interessierten an Aufklärung, welche Messe für sie die richtige sei. In diese Richtung müsse dann in Zukunft seitens der Messe-AG die Aufklärungsarbeit verstärkt werden. Kritik üben die Westfalen lediglich an den Verkehrsverhältnissen und der Parksituation in den Tagen vor Messebeginn. Außerdem hätte man gerne besseres Wetter gehabt.

Control Data zeigt sich sehr zufrieden mit der Teilnahme an der Industrie-Messe. Prime und Ferranti mochten sich für ihre Beurteilung des Messegeschehens nicht zu Superlativen hinreißen lassen - sie sind nur zufrieden. Die Unternehmen, die in diesem Jahr auf die CeBIT verzichtet haben, sehen die Industrie-Messe auch in Zukunft als Forum für ihre Produktpräsentation an.

Gedanken über die Besucherstruktur macht sich die Unternehmensleitung bei ICL. Fest definierte Besuchergruppen für jeweils die eine oder andere Messe in Hannover sieht Unternehmenssprecher Gurnik für das eigene Produktangebot nicht. Der DV-orientierte Besucher sei als Entscheider für eine CIM-Implementierung ebenso wichtig wie der mit der Fertigung befaßte Ingenieur. Für ICL sind beide Messen in Hannover trotz der Überschneidungen im C-Bereich von "hervorragender" Bedeutung. Entscheidungen für eine doppelte Teilnahme im nächsten Jahr werden dann aber letztlich von der Kosten/Nutzen-Rechnung der CeBIT und Industrie-Messe abhängig gemacht. Und diese Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Messe-AG profitierte von der Lernsicherheit der Besucher

Halb soviel Besucher wie auf der CeBIT meldet Rotring für sein Unternehmen. In konstruktiver Kritik übt sich Unternehmenssprecher Uwe Samel, wenn er der Messeleitung vorschlägt, CAD "zum Anfassen" in Form von Seminaren auf der Messe als Attraktion für computerscheue Ingenieure anzubieten. Das ausgebliebene Messegeschäft sei im Unternehmen aber auf jeden Fall Anlaß, darüber nachzudenken, "wie wichtig Hannover in Zukunft sein wird".

Das Konzept hat sich bewährt, behauptet die Messe-AG. Besonders die letzten Tage haben, wie die Veranstalter verkünden, einen großen Besucherzuwachs gebracht. Im Vergleich zur CeBIT ist das Plus bei der Industrie-Messe jedoch relativ gering. Vor der Teilung besuchte lediglich ein Drittel der Besucher die Halle 1 im CeBIT. In diesem Jahr kamen bereits an die 400 000 Besucher zur CeBIT, also fast die Hälfte des Messe-Duos Besucher insgesamt. Nur etwa 60 000 Besucher kamen zu beiden Messen. Der Aufwand an Zeit und Geld für einen doppelten Messebesuch ist den meisten Unternehmen einfach zu hoch. In diesem Jahr profitierte die Messe-AG nach Meinung von Brancheninsidern noch von der Irritation der Besucher, die sich weder für die CeBIT noch für die Industrie entscheiden konnten und vorsichtshalber zu beiden Messen gingen. Eine Entscheidung der Besucher im nächsten Jahr werde aber wahrscheinlich zu Lasten der Industrie-Messe gehen, zumal dann, wenn die Hersteller der C-Techniken reumütig zur CeBIT zurückkehrten. Bereits jetzt übt die Messe-AG Selbstkritik, denn, so Roloff, "Nachstellarbeiten müssen noch in den nächsten Wochen und Monaten erfolgen".