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30.04.2004 - 

Ex-Vivendi-Universal-Manager Kenneth Cron wird Interims-CEO

CA-Chef Kumar stolpert über Bilanzskandal

MÜNCHEN (CW) - Sanjay Kumar ist von seinen Posten als Chief Executive Officer (CEO) und Chairman des Softwareherstellers Computer Associates (CA) zurückgetreten. Damit reagierte der langjährige CA-Manager auf die wachsende Kritik angesichts der andauernden Untersuchungen der US-amerikanischen Börsenaufsicht. Die Securities and Exchange Commission (SEC) ermittelt weiter wegen des Verdachts der Bilanzmanipulatation.

"Diese Entscheidung ist der Situation angemessen und im besten Interesse der Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter", interpretierte Aufsichtsratschef Lewis Ranieri den Schritt Kumars. Zwar sei nicht erwiesen, dass sich der zurückgetretene CEO etwas zuschulden kommen ließ. Jedoch seien die Bilanzmanipulationen, die Computer Associates zur Last gelegt werden, unter der Führung Kumars geschehen, der bis zum August 2000 als President und Chief Operating Officer (COO) das Tagesgeschäft verantwortet hatte.

Mit seiner Demission tritt Kumar aus der Schusslinie, bleibt der Softwareschmiede allerdings erhalten. Er soll künftig nach dem Vorbild von Microsoft-Gründer Bill Gates als Chief Software Architect arbeiten. Nachfolger als Chairman wird der seit 2002 amtierende Verwaltungsrat Ranieri. Der 57-jährige Manager kam erst vor zwei Jahren zu dem Softwareanbieter und bringt damit keine belastenden Hypotheken aus der CA-Vergangenheit in sein neues Amt mit.

Den vakanten CEO-Posten soll Kenneth Cron übernehmen, der seit zwei Jahren externes Verwaltungsratsmitglied bei CA ist. Cron, der als langjähriger Bekannter Ranieris gilt, leitete bis Anfang 2004 die Spielesparte von Vivendi Universal. Das Tagesgeschäft soll künftig der bisherige Chief Financial Officer (CFO) Jeff Clarke übernehmen. Der neue Chief Operating Officer war erst vor wenigen Wochen zu CA gestoßen und ist damit ebenfalls nicht mit den Skandalen der CA-Vergangenheit belastet. Der ehemalige Compaq-Manager Clarke hatte bis Ende 2003 für Hewlett-Packard gearbeitet.

Kumar als Unternehmenslenker nicht mehr vertretbar

Der Abgang Kumars kam für die meisten Branchenbeobachter nicht überraschend. Wenige Tage zuvor hatte sich der ehemalige Finanzchef Ira Zar, der im Oktober 2003 von CA gefeuert wurde, des Bilanzbetrugs für schuldig erklärt und angekündigt, mit den Behörden zu kooperieren. Seinen Aussagen zufolge haben er und zwei weitere CA-Manager, deren Namen er nicht nennen wollte, Aufträge rückdatiert. Mit dieser intern als "35-Tage-Monat" bezeichneten Praxis wollten die Manager die Bilanzen aufmöbeln, um so den Erwartungen der Wall-Street-Analysten zu entsprechen.

Experten gehen davon aus, dass der für das Tagesgeschäft verantwortliche Kumar davon gewusst hat. So berichtete beispielsweise Finanzchef Zar direkt an ihn. Die Spekulationen über einen möglichen Abgang des Firmenlenkers verdichteten sich Mitte April, als CA im Zuge der hausinternen Untersuchungen zu den in der Branche spöttisch als "Creative Accounting" (CA) bezeichneten Bilanzierungspraktiken neun Mitarbeiter aus der Finanzabteilung kurzfristig auf die Straße setzte.

Kumar war auf seiner Position nicht mehr zu halten, interpretieren Gary Barnett und Phil Carnelly, Analysten des Marktforschungsinstitutes Ovum, die Vorgänge bei CA. Der Softwarehersteller werde in den nächsten Monaten eine Periode der Unsicherheit durchmachen. Angst um den Fortbestand des Unternehmens müsse man jedoch nicht haben. Kunden wie Investoren sollten den Schritt Kumars als Neuanfang werten. Damit werde erst einmal der Druck durch Behörden und Öffentlichkeit von der Firmenleitung genommen.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat derweil ihre seit rund zwei Jahren laufenden Untersuchungen gegen CA noch nicht abgeschlossen. Bislang durchgesickerten Informationen zufolge behält es sich die Behörde vor, sowohl gegen das Gesamtunternehmen wie auch gegen einzelne Manager vorzugehen und Strafen zu verhängen. Währenddessen hat eine CA-interne Untersuchung ergeben, dass in den Jahren 2000 und 2001 rund 2,2 Milliarden Dollar falsch verbucht wurden. Die Finanzaufsicht nahm bislang an, dass CA bis zu 1,4 Milliarden Dollar falsch bilanziert hat. Die Verantwortlichen teilten mit, die Ergebnisse der betroffenen Jahre würden neu ausgewiesen.

Wie sich der Wechsel an der Führungsspitze auf die weiteren Untersuchungen der Finanzbehörden auswirken wird, ist derzeit nicht absehbar. Rechtsexperten gehen aber davon aus, dass sich ein unbelasteter Firmenchef leichter mit den Behörden einigen könnte. Insider werten die Bekanntgabe der internen Untersuchungsergebnisse sowie den harten Schnitt an der Konzernspitze als Bekenntnis der neuen Führung, einen Neuanfang zu wagen. Allerdings müsse das Unternehmen auch weiter mit einem gerichtlichen Verfahren rechnen. (ba)

Steckbrief

Der 1962 in Colombo, Sri Lanka, geborene Sanjay Kumar kam 1976 mit seiner Familie in die USA. 1987 wurde die Firma Uccel, bei der er als Softwareentwickler arbeitete, von Computer Associates (CA) übernommen. Zwei Jahre später holte ihn der damalige CA-Chef Charles Wang in die Firmenzentrale nach Islandia und nahm den ehrgeizigen Jung-Manager unter seine Fittiche. 1994 wurde Kumar Chief Operating Officer und President von CA. In den folgenden Jahren nahm er mehr und mehr die Zügel in die Hand. Nach dem Abgang Wangs stieg Kumar im August 2000 zum Chief Executive Officer (CEO) auf. Seit November 2002 fungierte Kumar außerdem als Chairman. Beide Ämter verlor der 42-jährige Firmenlenker nun nach den Verdächtigungen rund um die Bilanzmanipulationen der Jahre 1999 bis 2001. Seit dem 21. April 2004 muss sich Kumar mit dem Posten des Chief Software Architect von CA begnügen.