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18.06.2004 - 

Ex-CEO Kumar hinterlässt stabile Finanzen

CA macht Frühjahrsputz

MÜNCHEN (CW) - Computer Associates (CA) hat in den vergangenen Jahren oft negative Schlagzeilen rund um seine Bilanzen produziert. Mit dem Rücktritt des langjährigen Chefs Sanjay Kumar soll die turbulente Phase nun endgültig abgeschlossen werden. Doch nicht alle Probleme sind gelöst.

Bilanzmanipulationen, eine Schlammschlacht unter Anteilseignern und Wechsel im Top-Management haben in den vergangenen Jahren das Bild des Softwarekonzerns CA in den Medien geprägt. "Wir waren zuletzt mit einigen Herausforderungen konfrontiert", zog Interims-CEO Kenneth Cron Ende Mai auf der Anwenderkonferenz CA World Bilanz. Den vorläufigen Gipfel bildete eine Woche später der endgültige Rückzug von Ex-CEO Kumar, der den Konzern nach 17 Jahren verlässt. Dass er einen Monat zuvor auf den Posten des Chief Software Architect und damit aus der Schusslinie geschoben wurde, war ein letzter Versuch, den Neuanfang mit Kumar im Hintergrund zu wagen.

Starkes viertes Fiskalquartal

Der Termin der CA World hätte nicht besser fallen können, denn er gab dem Softwarehaus die Gelegenheit, den Fokus des allgemeinen Interesses von den bilanziellen Aspekten auf die Produkte zu legen. Dabei können sich auch die operativen Finanzen des vergangenen Fiskaljahres sehen lassen: CA steigerte den Umsatz um acht Prozent auf knapp 3,3 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust schrumpfte deutlich auf 36 Millionen Dollar, vornehmlich wegen des starken Abschlussquartals. Zudem verbesserte sich die Nettoverschuldung auf knapp 400 Millionen Dollar, laut CA der niedrigste Wert seit über acht Jahren.

Dennoch muss das Unternehmen immer noch mit einer unbekannten Größe kalkulieren: der Anfang 2002 eingeleiteten Untersuchung durch die US-amerikanischen Justizbehörden und die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Im Visier befinden sich die Bilanzierungspraktiken des Konzerns und die Frage, ob CA mit den Behörden zur Klärung des Falls kooperiert hat. Die Untersuchung hat ihre Wurzeln indes in einer Zeit, als CA noch mit einer anderen Schlammschlacht die Schlagzeilen beherrscht hat.

Im Jahr 2001 war Sam Wyly mit seiner US-amerikanischen Investmentgesellschaft Ranger Governance zu einem medialen Feldzug gegen die Konzernspitze aufgebrochen. Zuvor hatte er als Chef des für 3,8 Milliarden Dollar von CA aufgekauften Unternehmens Sterling Software fungiert. Mit dem neuen Kurs des CA-Managements war er alles andere als einverstanden: Wyly kritisierte die Verbuchungsmethode von Umsätzen und warf den Verantwortlichen vor, das Geschäftsergebnis "Enron-ähnlich" zu schönen und dem Ruf des Konzerns zu schaden.

Auf einer Hauptversammlung war sein Coup jedoch von den Aktionären abgeschmettert worden. Danach verständigte sich CA mit Wyly auf einen "Nichtangriffspakt" über fünf Jahre und zahlte dafür zehn Millionen Dollar. Vergangene Woche hat sich das Gespenst der Vergangenheit erneut zu Wort gemeldet: Wylys Investorengruppe plant, den Konzern zu verklagen. Es geht um bis zu eine Milliarde Dollar und die Frage, ob CAs Top-Manager aufgrund falscher Bilanzzahlen überhöhte Provisionen eingestrichen haben.

Auch an anderer Stelle geht es für CA um viel Geld. Zehn Millionen Dollar hat das Softwareunternehmen den US-amerikanischen Justizbehörden offeriert, um die laufenden Untersuchungen beizulegen. Ob das Angebot ausreichen wird, gilt als fraglich; dem Tenor der Finanzgemeinde zufolge hat die Summe eher symbolischen Charakter und soll demonstrieren, dass CA endgültig reinen Tisch machen will. Mindestens 40 Millionen Dollar seien aber in Wirklichkeit fällig, will die "Business Week" von Finanzanalysten erfahren haben. Das wäre ein peinlicher Denkzettel - aber angesichts von 1,9 Milliarden Dollar an kurzfristig verfügbaren Mitteln nicht existenzbedrohend.

Aktie stieg nach Kumars Rückzug

Eines zeigten die vergangenen Monate jedoch: Ganz daneben hat Großinvestor Wyly mit seinen Vorwürfen nicht gelegen. In den Abschlüssen der Geschäftsjahre 2000 und 2001 wurden unlängst 2,2 Milliarden Dollar Umsatz korrigiert, und Ex-Finanzchef Zar hat sich neben drei anderen Managern im vergangenen Herbst für schuldig bekannt, Einnahmen falsch ausgewiesen und die Untersuchung behindert zu haben. Insgesamt sind 14 CA-Verantwortliche entlassen worden. Gegen Kumar selbst wird nicht offiziell ermittelt. Die Börse honorierte dennoch seinen Rückzug mit einem Kursanstieg von drei Prozent. Auch wurde mit der Entscheidung Kumars ein weiteres drängendes Problem gelindert: rasch einen glaubwürdigen Ersatz für den CEO zu finden.

Überstürzt werden soll indes nichts. Laut CAs Deutschland-Chef Peter Rasp ist Cron zum Interims-CEO ernannt worden, "weil sich das Unternehmen nicht unter Zeitdruck setzen will". Vornehmlich gelte es für den Konzern, die Produkte und den Vertrieb zu verbessern: "CA investiert dieses Jahr viel Geld in die Entwicklung von Softwareprogrammen und baut das Personal im Partnerbereich weiter aus", sagt Rasp. In Deutschland erwartet der Manager, dass die Zahl der Mitarbeiter von zuletzt 530 bis Ende des Jahres auf rund 570 steigt.

Umsatzanstieg in Deutschland

Dem Deutschland-Chef zufolge haben sich die Geschäfte in Europa insgesamt besser als in den USA entwickelt. So stieg der internationale Umsatzanteil CAs von 38 auf 44 Prozent. Die Einnahmen der deutschen Vertriebsorganisation kletterten im vergangenen Fiskaljahr laut Rasp um 6,5 Prozent auf rund 140 Millionen Euro. Gut gelaufen seien vor allem die Security-Produkte, auch wenn das ganze Potenzial in dem Segment noch nicht erschlossen sei. So zeigte sich Rasp optimistisch für das laufende Geschäftsjahr: "Inzwischen ist das Bewusstsein für die Bedrohung bei den Anwendern und die Notwendigkeit der Investitionen gewachsen".

Profitieren kann der Konzern von seiner breiten Produktpalette, die in den vergangenen Jahren vor allem durch Übernahmen angewachsen ist. Nicht immer kamen die Akquisitionen gut an: "Früher hatten die Anwender Bedenken, wenn CA ihren Lieferanten gekauft hat", räumt Rasp ein. Das habe sich inzwischen geändert; die Kunden wüssten, dass es unter dem CA-Dach weitergehe. Erneute Mega-Deals erwartet der Manager für die nahe Zukunft aber nicht. Interessiert sei der Konzern vor allem an Technologielieferanten wie die im März übernommene Firma Miramar Systems. "Das bringt uns in einem Softwaresegment weiter", sagt Rasp, "ohne dass groß darüber berichtet wird."

Sportliche Ziele im Blick

Für das laufende Fiskaljahr hat sich CA insgesamt sportliche Ziele gesetzt: Die Einnahmen sollen von zuletzt 3,3 Milliarden auf rund 3,5 bis 3,7 Milliarden Dollar steigen, das Ergebnis von minus sechs Cent auf mindestens plus 28 Cent je Aktie verbessert werden. Wohl auch damit es nicht wieder zu nachträglichen Bilanzkorrekturen kommt, sucht der Konzern gegenwärtig eine neue ERP-Software für den eigenen Gebrauch. (ajf)

Bilanzberichtigung

CA hat zuletzt die Umsätze in den Abschlüssen des ersten, zweiten und dritten Fiskalquartals 2004 korrigiert - um drei Millionen, fünf Millionen respektive sieben Millionen Dollar. Hintergrund ist der verbleibende Wert abgelöster Verträge beziehungsweise bei Vertragsverlängerungen, der nun über einen anderen Zeitraum gebucht wird, erklärt Holger Stickl, Controller bei CA in Darmstadt.

Anders als in der CW berichtet worden war (Ausgabe 20/2004, Seite 26), wurden die Umsätze der alten Verträge zuvor nicht sofort, sondern über ihre alte Laufzeit realisiert. Nun berücksichtigt CA die Einnahmen während der Laufzeit des neue Kontrakts. Aus diesem Grund, so Stickl, war der materielle Effekt der Berichtigung auch nur gering.

Abb: Computer Associates reduziert den Verlust

Im Oktober 2000 führte CA ein neues Vertragsmodell ein und änderte die Realisierung der Umsätze. Daher fiel der Unterschied der Einnahmen in den Fiskaljahren 2000 und 2001 so groß aus. Quelle: CW