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12.06.1987 - 

Fusion schafft größtes Unternehmen der Softwarebranche:

CA nimmt Erzrivalen Uccel unter die Fittiche

NEW YORK/ZÜRICH/WEITERSTADT (ujf/mer) - Mit einem Überraschungscoup hat sich die amerikanische Computer Associates International Inc. (CA) auf die Position des größten unabhängigen Softwareanbieters der Welt katapultiert. Coreal, die Investmentgesellschaft des Zürcher Industriellen Walter Häfner, tauschte ihren Mehrheitsanteil an der Uccel Corp. gegen ein CA-Aktienpaket im Wert von rund 450 Millionen Dollar.

Der Wettbewerb zwischen den beiden großen internationalen Anbietern von Systemsoftware, Computer Associates und Uccel, ist vorbei. Die Anwender können sich zwar noch das Produkt aussuchen, aber nicht mehr ihren Lieferanten - wenn sie nicht bei IBM kaufen wollen. In einer unter strengster Geheimhaltung vorbereiteten Transaktion verkaufte Uccel-Mehrheitsaktionär Walter Häfner ein 76jähriger Industrieller aus Zürich, seine Anteile komplett an Computer Associates.

CA-Gründer Charles B. Wang, nicht verwandt mit dem Hardware-Produzenten An Wang, ließ sich bei seinen Verhandlungen mit dem Schweizer Geschäftsmann in New York auf einen Gegenwert von 1,69 CA Aktien pro Uccel-Anteilsschein hochfeilschen. Als die Information zur Börse durchdrang, daß Charles Wang auch die noch im Umlauf befindlichen Uccel-Aktien übernehmen will, reagierten die Händler sofort: Die Uccel-Aktie, die durch das Übernahmeangebot auf einmal 43 Prozent mehr wert war, machte einen entsprechenden Satz nach oben - von 32 auf 44 Dollar. Der Kurs von CA gab leicht nach auf 27,62 Dollar.

Der Gesamtpreis, den CA in Form von eigenen Aktien zahlen muß, summiert sich damit zum gegenwärtigen Kurs auf mehr als eine Dreiviertelmilliarde Dollar. Ein solcher Kaufpreis gilt angesichts der Größenordnung sowohl des kaufenden als auch des gekauften Unternehmens als ungewöhnlich hoch. Denn im vorigen Geschäftsjahr setzte CA 309 Millionen Dollar um, Uccel sogar nur 141 Millionen - viel weniger als PC-Softwarehäuser wie Ashton-Tate oder Microsoft. Erklärt Wall-Street-Analyst Stephen McClellan, DV-Experte des Hauses Merrill Lynch, auf Anfrage der COMPUTERWOCHE: "Der rechnerische Kaufpreis beträgt etwa das Vierfache des diesjährigen Umsatzes von Uccel und gut das Dreißigfache des Gewinns. So eine Transaktion kann sich CA nur leisten, weil es sich um einen Aktientausch handelt, bei dem ja kein Bargeld fließt."

Für Kenner der CA-Szene kam der Deal indes bei weitem nicht so überraschend, wie es derzeit den Anschein hat, war doch dem New Yorker Unternehmen des MVS-Know-how der Uccel-Mannen von jeher ein Dorn im Auge. Seit dem 1984 geplanten professionellen Einstieg in den MVS-Markt, für den sich Computer Associates das fehlende Rüstzeug kurzum durch die Übernahme von spezialisierten Softwarehäusern wie Johnson Systems (16 Millionen US-Dollar), Capex oder VCI einverleibte, trat der Futterneid zwischen der bis dahin stark VSE-lastigen Programmschmiede und den MVS-Profis aus Dallas immer offener zutage.

So konterten die Texaner beispielsweise prompt, als CA im Juni 1985 ihre MVS-Systemsoftware zu einem integrierten Angebotspaket verschnürte: Bereits einen Tag nach der Bekanntgabe präsentierte Uccel die Produktreihe "Synova", eine Software, die Endbenutzer bei der Integration von Uccel-eigenen und von anderen Anbietern installierten Systemkomponenten und Datenverwaltungs-Tools unterstützen sollte.

Zwei Monate später stärkte CA ihr traditionelles Standbein im DOS/VSE-Markt und erwarb für 10 Millionen US-Dollar die Cordale Inc., Boston, ein IBM-orientiertes Softwarehaus mit weltweit 1500 Installationen im Bereich der Band-/Plattenverwaltung und Job-Steuerung. Im Oktober '85 wurde "CA-Unicenter" als durchgängiges Konzept für die RZ-Management-Software vorgestellt; und zum Jahreswechsel kaufte CA für 25 Millionen Dollar klammheimlich das Datenschutz- und Datensicherheitspaket "Top-Secret" der CGA Software Products Group, um das bislang offene "MVS-Security"-Loch in ihrer Angebotspalette zu stopfen.

Auch bei Uccel wurde der Expansionshunger größer: Quasi als Einstand für das Jahr 1986 schluckte das Unternehmen die beiden US-Softwarehäuser SCA und Corodale. Im Mai ordnete das Top-Management eine Kurskorrektur an, verbunden mit dem Verkauf zweier Uccel-Töchter in der Schweiz und Großbritannien: Rückzug aus dem Dienstleistungsgeschäft und Konzentration auf die Softwareentwicklung hieß die Parole. Darauf folgte im Oktober die Neuorientierung des Geschäftsbereichs Systemsoftware mit der entsprechenden Umverteilung der Sitzplatze in den Chefetagen.

Anfang '87 geriet das texanische Uternehmen mit seinem spektakulären 60-Millionen-Dollar-Deal erneut in die Schlagzeilen: Insgesamt wechselten vier US-Firmen aus der Weichware-Branche den Besitzer. Mit dieser Transaktion sicherte sich Uccel unter anderem die Rechte an dem weltweit auf rund 2000 IBM-Anlagen installierten Zugangskontrollsystem "ACF2" sowie an den beiden RZ-Verwaltungssystemen "ASM2" und "ADC2".

Die Aktivitäten bei der weiteren Vermarktung von "ADC2" brachten Uccel gar wegen angeblichem Vertragsbruch jüngst vor den Kadi: Wegen der plötzlich ausbleibenden Lizenzgebühren fühlen sich die eigentlichen Programmväter um die Früchte ihrer Arbeit betrogen (CW Nr. 15 vom 10. April 1987, Seite 2).

Mit der Übernahme von Uccel durch Computer Associates findet jetzt der Kampf der beiden Kontrahenten sein einseitiges Ende. Branchenbeobachter halten es aber im nachhinein nicht für ausgeschlossen, daß der Verkauf im Top-Management beider Unternehmen von langer Hand geplant gewesen sei. Darauf deute unter anderem die im vergangenen Jahr unter Hochdruck vorangetriebene strategische Neuorientierung bei Uccel hin - jetzt griffen die Produktpaletten beider Unternehmen wie Zahnräder ineinander.

Gestützt wird diese These auch durch Aktivitäten der Computer Associates in einem Bereich, für den die Verantwortlichen gern noch weiteres Know-how nach Dallas holen würden, die Datenbanken. Es gilt als sicher, daß man in den Chefetagen bei CA bereits seit Jahren mit der Kooperation des Bostoner DB-Experten Cullinet liebäugelt, doch Firmen-Chef John Cullinane habe alle Annäherungsversuche kategorisch abgeschmettert. Allerdings, so orakeln die Branchenauguren, könnte CA durch die nun gewonnenen Marktanteile von Uccel in zwei bis drei Jahren stark genug sein, um Cullinet ein Angebot zu präsentieren, zu dem man auch in Boston nicht länger nein sagen könne.