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14.10.1983 - 

Heidelberger Beratertreffen sucht Praxisbezug:

CAD/CAM-Einsatz nicht übers Knie brechen

Mit Einführung und Betrieb von CAD-Systemen sowie Lösungen aus der Praxis befaßten sich die Teilnehmer des 16. Heidelberger Beratertreffens Als Referenten waren Praktiker eingeladen, die den Stand der Technik beurteilen und eigene. auf dem Markt eingeführte Systeme demonstrieren wollten. Der Dossenheimer Softwareberater Götz Mosig berichtet über Ergebnisse der Veranstaltung.

Ein Klein- oder Mittelbetrieb kann heute schon für weniger als 100 000 Mark brauchbare Praxislösungen kaufen, die sich innerhalb von zwei Jahren amortisieren, betonte der Geschäftsführer der einladenden Holding Software & Consulting GmbH mit Sitz in Heidelberg. Was zur Zeit noch einen Engpaß darstelle, sei der lange und aufwendige Entscheidungsprozeß der nach Dr. Vajna vom Weinheimer Unternehmen Carl Freudenberg mit etwa 1,5 Mannjahren veranschlagt wird.

Beratungsboom für CAD/CAM

Diesen Engpaß wollen die Spezialisten aus dem S & C-Beratungspool durch eine normierte Gruppenberatung von vier bis fünf Interessenten wesentlich reduzieren und durch eine bezuschußte Beratung auch für den Kleinbetrieb attraktiv machen. CAD/CAM erfordere ein eigenes Phasenschema und vor allem ein langfristiges DV-Konzept vom Computereinsatz in der Konstruktion über die Fertigung bis hin zur Büroautomation. Solche DV-Rahmenpläne biete S & C Software Engineering als Beratungsleistung an.

Mit Statistiken aus der Praxis widersprach der Referent des ersten Tages, Dr. H. Maier aus Leopoldshafen, der vielzitierten Vorstellung des CAD/CAM als Jobkiller. Es habe sich gezeigt, daß der Einsatz dieser Technik eine Zeitersparnis von 29,3 Prozent bei einer Personalreduktion von 9,3 Prozent ermögliche. Die Verbesserung der Produkte wird mit 27,2 Prozent angegeben. CAD ist also nur sinnvoll, wenn die Nebenbereiche mit organisiert werden.

Da die Mikrocomputer und eine neue Softwaregeneration innerhalb von zwei Jahren die ehemaligen Experten ins Abseits gedrängt haben, ist ein Engpaß von verfügbaren Praktikern in diesem Bereich entstanden. Dadurch wird eine schnelle Marktdurchdringung erschwert. Ferner sind Klein- und Mittelbetriebe nicht an die Beraterhonorare aus der Groß-EDV gewöhnt. Unter den etwa 100 bis 150 CAD-Anbietern in Deutschland wird es eine Marktbereinigung geben. Die Praktiker waren sich in Heidelberg einig, daß je nach Einsatzschwerpunkt ungefähr zehn bis 30 CAD-Systeme relevant seien. Wer die IGES-Schnittstelle nicht realisiert, wird ihrer Ansicht nach unter "ferner liefen" rangieren. In diesem harten Geschäft überleben kann, so das Ergebnis der Diskussion, nur ein Berater, der über die richtige CAD-Einführungsstrategie verfügt.

Vier Systemklassen

Zunächst müssen der Erstanwender und sein Berater im Einführungsteam die Systemklasse für den Betrieb analysieren. Unterschieden wird hier zwischen Insellösungen, grafischen Programmiersystemen, geometrieverarbeitenden Systemen und Turnkey-Lösungen. Vorsicht ist geboten bei der "Bananentechnik" der Anbieter, nach der das System erst beim Kunden ausreift. Deshalb sind mehrere Referenzbesuche vor dem Entscheid unbedingt notwendig. Auch die praktische Konstruktion sollte vorab erprobt werden.

Zweifel daran, daß Computer-Vision die Marktführerrolle auf Dauer halten könne, meldete Heinz Strunk von Mesac an. Das Unternehmen bietet deutsche Software für Minis und Mikros an, die in fünf Branchen eingesetzt werden kann. Die Programme laufen auf Sirius, Commodore und Wang. Für den Sirius hat der S & C-Partner OSY-soft ein CAM-Paket für weniger als 50000 Mark im Angebot. In der folgenden Diskussion wurde die Meinung laut, es sei nicht empfehlenswert zu warten, bis bei den jährlichen Preisreduktionen von 20 Prozent die Harwarekosten gegen Null gingen. Die Beratungskosten würden nur entsprechend überproportional steigen. Bei einem Hardwarepreis von 15 000 Mark und einem Softwarepreis von 10 000 Mark für Autocad ist die Amortisationszeit bei den erwähnten fünf Referenzkunden kleiner als ein Jahr, bei Einsatz eines teuren Schneidplotters beträgt sie immerhin noch eineinhalb Jahre.

Für die nächsten ein bis zwei Jahre sei vor dem Einsatz von Mixed Hardware zu warnen, verlautete in Heidelberg. Frühestens zu diesem Zeitpunkt müsse man damit rechnen, daß entsprechende Systemhäuser einen umfassenden Service bieten könnten. Statt dessen solle die Einführung nach dem "Prinzip der kleinen Schritte" erfolgen, also 100000-Mark-weise.

Die neue Technologie erfordert eine sogfältige Organisation in allen vor- und nachgelagerten Bereichen. Geht man hier zu leichtfertig vor, können sich die Einführungsgründe für CAD/CAM sehr leicht in Fallgruben verwandeln. Die zu hohe Durchlaufzeit läßt sich nach Ansicht der Referenten oft auch mit anderen Methoden reduzieren, und die langen Einführungszeiten bedeuten letztlich, daß zum Stichtag eine veraltete Technologie eingeführt wird, die sich erst nach einer Anlaufzeit von zwei Jahren schrittweise amortisiere.

Großkunden dürften nach Meinung der Referenten in Zukunft CAD-gerechte Produktunterlagen verlangen, wobei sich die Frage stellt, ob sich dies nicht im Preis niederschlägt. Das Argument, durch Speicherung des technischen Know-hows im CAD-System gegen die Fluktuation immun zu werden, beinhaltet andererseits den Nachteil, daß neue Mitarbeiter lange Zeit brauchen, bis sie den Umgang mit dem System kennen.

Überraschend reagierten die Teilnehmer auf die Frage, wie es im Kündigungsfall um die Sicherheit der Arbeitsdaten bestellt sei: Die Möglichkeit des Datendiebstahls durch "Mitgehenlassen" von Disketten wurde zunächst heruntergespielt, dann jedoch schließlich als ernstzunehmendes Problem akzeptiert.

Der Hauptspeicherbedarf für einen CAD-Arbeitsplatz läßt sich mit einem Megabyte veranschlagen. Der Benutzer braucht ungefähr 36 Wochen Schulung, kann jedoch schon nach drei Tagen produktiv arbeiten. Zumeist fehlen DIN-Kataloge, und es hapert im Betrieb an der Normung. Deshalb empfiehlt es sich, als Faustregel ein Mannjahr für permanente Betreuung bei der Planung und Einführung zu veranschlagen. Oft muß das methodische Konstruieren wiederholt oder erst erlernt werden, ehe von einer wirklichen Arbeit mit dieser Technologie die Rede sein kann. Außerdem ist nicht zu vergessen, daß beim CAD-Einsatz kurze, kreative Phasen mit längeren Sitzungen abwechseln, der Schirm oder das Tableau also nie ganztägig ausgelastet sind.

Mit einer vernünftigen Einstiegsstrategie steht und fällt oft das ganze Projekt. Die Detailanalyse muß die Randbereiche und Schnittstellen mit umfassen und einen mehrjährigen Stufenplan vorbereiten. Schließlich soll die gesamte Arbeitsweise umgestellt werden. Niemand ist damit gedient, eine Insellösung in einer heilen Welt zu simulieren.