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17.11.1995

CAD/CAM/Empowered Engineering bei TRW Fahrwerksysteme Automobilzulieferer bringt seine technische DV auf Vordermann

Mit der technischen Datenverarbeitung auf einem IBM-Mainframe konnte die TRW Fahrwerksysteme GmbH & Co. KG ihren Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Kuerzere Produktlebenszyklen und die Forderung nach schneller Reaktionsfaehigkeit, so berichtet Rainer Poertner*, machten eine enge Kommunikation zwischen den Werken in Krefeld, Duesseldorf und Gelsenkirchen sowie mit Kunden und Lieferanten unabdingbar.

Abnehmer wie Audi, Mercedes-Benz, BMW, die Volkswagen AG, Ford Deutschland, Rover, MAN und andere europaeische Fahrzeughersteller erwarten von der TRW nicht nur Produkte, sondern auch die zugehoerigen Dokumentationen und Zeichnungen. Die sich seit einigen Jahren rasant entwickelnde Kommunikationstechnik, die beispielsweise zu einer starken Nachfrage bei EDI- und ISDN- Produkten fuehrte, hat zur Folge, dass Daten und Dokumentationen immer haeufiger in elektronischer Form angefordert werden.

Fuer die Planung und Realisierung der IT-Kommunikations- Infrastruktur bei TRW ist Thomas Sauter verantwortlich. Zusammen mit Jens-Christian Jessen, der die technischen Anwendungen betreut, und Reinhard Groll, dem Leiter der Systemtechnik, konzipiert und leitet er das Business Re-Engineering der TRW Fahrwerksysteme. Den Schwerpunkt bildete die Migration des technischen Mainframes und der darauf laufenden Konstruktionsprogramme hin zu offenen Systemen in einer Client- Server-Architektur.

Eine Herausforderung an die Informationsverarbeitung ergab sich aus der Altlast von je rund 80000 2D-Zeichnungen, die im Grossrechner beziehungsweise auf Baendern gespeichert waren. Vor allem die online verfuegbaren Zeichnungen werden immer wieder weiterverwendet. "Das Durchexerzieren der Datenumstellung oder - weiterverwendung gemeinsam mit den Anbietern ergab wertvolle Hinweise fuer die Auswahl der neuen Systeme", erklaert Anwendungsexperte Jessen.

Von allen zur Auswahl stehenden CAD-Systemen bewaeltigte "Cadra" die Datenkonvertierung am besten. Ausschlaggebend war letztlich die Kompatibilitaet der Unix-basierenden Software mit den PA-RISC- Workstations und Intel-PCs.

Der Durchdringungsgrad mit 2D-Aufgaben ist bei TRW recht hoch: In das Netzwerk eingebunden sind 55 2D-Arbeitsplaetze, acht 3D- Workstations sowie vier Workstations fuer FEM (= Finite-Elemente- Methode) und Simulation. Fast alle Arbeitsplaetze sind mit HP- Workstations vom Modell 712/60 mit je 32 MB Arbeitsspeicher und 1 GB Festplatte ausgeruestet.

Die Konstrukteurs-Arbeitsplaetze sind mit zwei HP-Servern vom Typ HP 9000, Serie 800, Modell G 30, vernetzt, die zusammen ueber 10 GB Plattenplatz verfuegen. Ueber diese Server erfolgt mit der Loesung "SNA-Plus" auch die Anbindung an den IBM-Host. Die Offenheit der Computerplattform gilt bei TRW als wesentlicher Erfolgsfaktor.

Die Cadam-Projekte liefen bisher unter dem Betriebssystem VM/HPO auf einem IBM-Mainframe der Reihe 4381. Sie werden heute auf Unix- Workstations bearbeitet. Weiterhin im Einsatz ist dagegen ein IBM- Grossrechner, Modell 9121/260, unter MVS/ ESA, auf dem fast ausschliesslich Anwendungen aus der kommerziellen DV, in der Regel SAP-Applikationen, gefahren werden. Die Interoperabilitaet zwischen Arbeitsplaetzen, Unix-Servern und Mainframes ist Voraussetzung fuer ein Funktionieren dieser komplexen heterogenen IT-Infrastruktur.

Ein wesentlicher Punkt des Business Re-Engineering war es, bei gleichbleibenden Kosten von der Host-Cadam-Welt zur neuen Client- Server-Technologie zu migrieren, wobei die Moeglichkeit gewahrt werden musste, zusaetzlich 3D-Zeichnungen zu verarbeiten.

Die eigentliche Antwort auf die Kostenfrage brachte die Ueberlegung, was denn waere, wenn das Business Re-Engineering nicht jetzt stattfinden wuerde. Die installierten 60 CAD-Arbeitsplaetze hatten den Host-Rechner bereits an seine Leistungsgrenze gefahren, und in der Folge waere die gewuenschte europaeische Standardisierung fuer TRW gescheitert.

Erfolgte der Datenaustausch bisher ueber Modem und Peer-to-peer- Verbindungen, wird TRW jetzt ISDN, Internet (TCP/IP) und private Provider zur Kommunikation benutzen. Kommuniziert wird nicht nur mit den anderen Unternehmen im europaeischen Verbund der TRW, sondern - sofern Kommunikationswerkzeuge und Tools vorhanden sind - auch mit den Kunden. Die Bereitstellung der erforderlichen Werkzeuge gehoert zu den Kernpunkten des Empowered-Engineering- Konzepts.

Innerhalb der vier TRW-Werke - zwei in Krefeld sowie je eines in Gelsenkirchen und Duesseldorf - werden die Daten bei Leitungslaengen von bis zu 100 Metern ueber Ethernet uebertragen. Die Engineering- Daten zwischen den Standorten Duesseldorf und Krefeld werden ueber ISDN und eine Standleitung mit einem Durchsatz von rund 2 Mbit/s ausgetauscht. Die Intensivierung der Datenkommunikation hatte auch einen Umbau der Netzwerktopologie zur Folge: Der strangfoermige Rechnerverbund durch Koax-Kabel wurde in ein sternfoermiges Ethernet-Netz umgebaut.

Die Wettbewerbsfaehigkeit eines Unternehmens steigt mit der internen und externen Kommunikation und der Bereitstellung aktueller Informationen zur rechten Zeit am rechten Ort. Ein Konzept fuer das Business-Re-Engineering in einem Konstruktions- und Fertigungsunternehmen kann aber erst dann als vollstaendig betrachtet werden, wenn die Chancen des Concurrent Engineering bis hin zur Engineering-Konferenz voll ausgeschoepft werden. TRW nutzt die interaktive Kommunikation nicht nur zwischen Entwicklern. IT- Manager Sauter: "Gegenwaertig testen wir sehr intensiv die Moeglichkeiten der Online-Konferenz an den Workstations. Hier werden dann wirklich Kosten reduziert, denn es muss niemand mehr herumreisen." Bei TRW Fahrwerksysteme wird das System "Team Conference" der Firma Spectragraphics eingesetzt.

Die Entscheidung fuer die neue Rechnerarchitektur fiel nach einer Ausschreibung im Fruehjahr 1993. Wesentliche Punkte waren die 3D- Faehigkeit der Systeme, die Aufruestbarkeit entsprechend dem unternehmerischen Gesamtkonzept, ein Angebot fuer Support, Projekt- Management und Schulung sowie die Moeglichkeit einer komfortablen SNA-Anbindung.

Nachdem im Juli 1993 die Wahl auf HP gefallen war, wurde die gesamte technische DV-Landschaft zusammen mit dem Hersteller von Oktober bis Dezember 1993 neu gestaltet. Allem voran ging ein zweiwoechiges Training fuer die Systembetreuer von TRW bei Hewlett- Packard in Ratingen.

Waehrend der Anwender mit den meisten Loesungen im Umfeld der Systemadministration einverstanden war, konnte ihn anfaenglich die Management-Plattform "HP Openview Omniback" nicht so recht ueberzeugen. Eine Analyse der auf dem Markt verfuegbaren Backup- Programme ergab jedoch keine Aussicht auf Verbesserung, und Reinhard Groll resuemiert heute: "Im Rahmen des Business-Re- Engineering-Konzepts war die Entscheidung fuer Omniback und erst recht fuer das endlich verfuegbare Omniback II nicht verkehrt."

Ein Nahziel steckt sich die TRW Fahrwerksysteme heute mit der Einbindung der Novell-Server in Openview sowie deren zentraler Verwaltung und Ueberwachung. Ausserdem soll eine Loesung fuer das Produktionsdaten-Management (PDM) im europaeischen Verbund realisiert werden. Hier wird TRW den "HP Workmanager" als Projekt- und Daten-Management-Tool welweit im gesamten Konzern einsetzen.

Entsprechend den Kundenwuenschen wird die TRW Fahrwerksysteme kuenftig staerker mit 3D-Techniken arbeiten. Parallel zu den TCP/IP- basierenden Kommunikationsformen innerhalb des Unternehmens soll EDI fuer den Datenaustausch mit Kunden verwendet werden.

Servolenkungen und Achsstreben

Die TRW Inc. mit Sitz in Cleveland, Ohio, entwickelt und fertigt Produkte fuer die Bereiche Automobilbau, Informationssysteme sowie Verteidigung und Raumfahrt. Zur Sparte Automobilbau gehoeren vor allem die in Duesseldorf ansaessige TRW Fahrwerksysteme GmbH & Co. KG und deren Schwesterunternehmen in sechs europaeischen Laendern.

Servolenkungen, Lenkgestaenge, Achsstreben und Kugelumlaufgelenke stellen den groessten Teil der Produktpalette dar und brachten den Loewenanteil des Umsatzes von 534 Millionen Mark ein (1993). Die TRW Fahrwerksysteme in Deutschland hat 2500 Arbeiter und Angestellte. Weltweit beschaeftigt TRW rund 70 000 Mitarbeiter in 350 Werken.

*Rainer Poertner ist Marketing-Leiter Technische Maerkte bei Hewlett-Packard in Boeblingen.