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Seit drei Jahren klappt die wilde Ehe von /36, Unix und DOS

CAD und PPS in heterogener DV-Umgebung online gekoppelt

05.03.1993

Die schwierige Situation, dass unterschiedliche DV-Systeme nebeneinander existieren, liess sich beim Anwender oft einfach nicht vermeiden. Denn eine anfaenglich einheitliche Systemlandschaft in den Unternehmen wird zwangslaeufig dadurch heterogen, dass nicht mehr alle DV-Anforderungen in dem zuerst eingefuehrten Hardware- und Betriebssystem-Umfeld loesbar sind und folglich unterschiedliche Systeme zum Einsatz kommen.

Die Schwierigkeiten bei den Anwendern vergroessern sich dadurch, dass Systemanbieter die Integrationserfordernisse der Anwender oft nur unzulaenglich beruecksichtigen. Am deutlichsten erkennt man diesen Mangel daran, dass bis heute praktisch keine exakt definierten und nachpruefbaren Schnittstellen fuer die Zusammenarbeit der DV-Systeme verschiedener Hersteller verfuegbar sind.

Anbieter ignorieren den Integrationsbedarf

Gewiss gibt es inzwischen viele Moeglichkeiten, verschiedene DV- Komponenten miteinander zu verbinden. Die Risiken, dass die Gesamtloesung eventuell bei spaeteren Release-Staenden der einen oder anderen Hard- oder Softwarekomponente nicht mehr lauffaehig ist, traegt aber allein der Anwender.

Neben einer gemeinsamen Nutzung von Bildschirmen und Druckern sind viele Anwender auf die Moeglichkeit der Online-Datenuebergabe zwischen sehr verschiedenen DV-Systemen angewiesen. Die fuer die physikalische und logische Kopplung der Systeme erforderlichen Komponenten und System-Schnittstellen sind bereits vorhandenen.

Ein exemplarischer Fall ist die Maschinenfabrik Koeppern. Dieses mittelstaendische Unternehmen stellt in kundenspezifischer Einzelfertigung Schwermaschinen fuer die Aufbereitungstechnik her. Seit ueber zehn Jahren unterstuetzen DV-Systeme diese Taetigkeit. Die Bausteine des Gesamtsystems lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen.

Ein System IBM/36 ist die Basis vieler seit Jahren eingefuehrter DV-Programme. Hierauf laufen Anwendungen fuer Materialwirtschaft, Fertigungssteuerung, Buchhaltung etc. Diese Programme sind seit Jahren bewaehrt, und ihre Funktionalitaet ist auch zukuenftig unverzichtbar. Sie sind auf ein System IBM AS/400 portierbar, wenn das jetzige System einmal zur Abloesung anstehen wird. Nach der aktuellen Marktlage ist ein vergleichbares Programmpaket fuer das Betriebssystem Unix nicht bekannt, wobei noch zu pruefen waere, ob sich damit ueberhaupt nachweisbare Anwendungsvorteile erzielen liessen.

In einem ueberschaubaren Zeitraum wird also ein System /36 oder AS/400 in ein Gesamtkonzept einzubinden sein. Das ist deshalb schwierig, weil IBM bis jetzt die Abgeschlossenheit dieser Systeme vorzieht und die erforderlichen Schnittstellen nicht anbietet.

Man muss daher fuer die Integration dieser Systeme vollstaendig auf die Hilfe von Fremdprodukten zurueckgreifen. Dies ist aus Anwendersicht ein besonders unerfreulicher Zustand.

Seit ueber drei Jahren entsteht bei der Firma Koeppern ein auf Unix basierendes Netz von Workstations und grafischen X-Terminals. Zunaechst ging es dabei darum, mit der Software "ME10" von Hewlett- Packard die konstruktiven Taetigkeiten zu unterstuetzen und saemtliche einschlaegigen Arbeitsplaetze mit CAD-Systemen auszustatten.

Neben Standard-Unix-Anwendungen koennen bei Bedarf PC-Programme mit dem Emulator "Soft PC" ablaufen, so dass grafische Unix- Arbeitsplaetze auf Basis von X-Terminals heute als typische DV- Arbeitsplaetze fungieren. Dies laesst sich aber nur erreichen, weil das System /36 in das Unix-Netzwerk einzubinden ist.

Verbindung ohne Eingriff in die Teilsysteme

Fuer die Verbindung der genannten Systemwelten nutzt Koeppern eine Loesung von Servocomp aus Darmstadt. Diese Firma vertreibt ein Gateway mit der Bezeichnung "Openconnect Server", welches die Systeme auf Netzebene verbindet.

Dieses Gateway vermittelt die in beiden Systemwelten verfuegbaren Dienstleistungen wie ferne Bildschirm- oder Druckerunterstuetzung. Hierbei kommt das Gateway mit den standardmaessig vorhandenen Definitionen dieser Dienste aus. Es greift also nicht in die zu verbindenden Teilsysteme ein. Aus Anwendersicht ist letztlich entscheidend: Das Gateway gestattet bis zu 64 Benutzern mit Bildschirmen des Unix-Netzwerkes Zugriff auf Programme des Systems /36.

Der Openconnect-Server ermoeglicht, dass Anwendern alle Programmleistungen des Netzwerks zur Verfuegung stehen. Neben den Unix-Programmen gehoeren hierzu die Programme des Systems /36 sowie PC-Programme, die der Soft PC emuliert. Anwender koennen gleichzeitig mehrere Fenster oeffnen und dazwischen Daten mit der Maus uebergeben. Das Netzkonzept erfuellt bereits eine wichtige Forderung an eine integrierte Gesamtloesung. Ein einheitliches Terminalmodell kann allen Anwendern alle fuer sie relevanten DV- Anwendungen zur Verfuegung stellen.

Es stellt sich nun die Frage, ob es auch moeglich ist, Anwendungen auf verschiedenen Systemen miteinander zu koppeln. Ziel ist es, in einem System entstehende Daten in ein anderes online und ohne Zwischenschritte uebertragen und dort verwalten zu koennen. Dies laesst sich durch einen verblueffend einfachen Ansatz tatsaechlich realisieren.

Materialwirtschaftssystem uebernimmt die CAD-Daten

Die Konstruktion kundenspezifischer Maschinen geschieht folgendermassen: Zunaechst muss mit dem CAD-System die konstruktive Aufgabe geloest werden. Danach enthalten die CAD-Zeichnungen wesentliche Informationsbestandteile der Stuecklisten, die natuerlich im Materialwirtschafts-System verwaltet werden.

Wie kommen also die Informationen des CAD-Systems ohne Doppeleingaben in das Materialwirtschafts-System? Die Online- Kopplung geht von folgender Ueberlegung aus. Die Daten der Materialwirtschaft befinden sich auf einer Magnetplatte innerhalb eines Systems /36. Auf diesem Betriebssystem laufen auch die Programme der Materialwirtschaft. Diese steuern die Kommunikation mit den Benutzern und sichern zugleich die Integritaet der gespeicherten Daten.

Das Materialwirtschafts-System weist also dem Benutzer gegenueber eine funktionale Schnittstelle auf, die zugleich die ganze interne Logik des Systems beruecksichtigt. Selbst auf einem anderen Rechnersystem kann also ein Programm online und ohne weitere Zwischenschritte mit den Daten des Materialwirtschafts-Systems arbeiten, wenn ihm eine Terminalemulation zu diesem System zur Verfuegung steht.

Zu loesen ist also das Problem, einen Automaten so zu programmieren, dass er Bildschirmmasken lesen und bedienen kann. Das Programmpaket "Tigris" der Firma Ascad, Bochum, enthaelt eine Komponente, die aus dem HP-CIM-Server hervorging und auf ebendiese Funktion spezialisiert ist.

Das CAD-System kann hiermit online auf Stuecklisten-Informationen zugreifen. Durch die Kopplung wird es moeglich, mit der Benutzeroberflaeche des CAD-Systems auch relevante Teilfunktionen der Materialwirtschaft zu bedienen. Die einfache Bedienbarkeit und die Akzeptanz der modernen CAD-Software uebertraegt sich so auf ein anderes System und senkt dort den Schulungsaufwand.

Nicht nur doppelte Eingaben von Daten vermieden

Die Online-Uebergabe von Sachnummern vermeidet Doppeleingaben und reduziert die Risiken von Datenfehlern in einem Kernbereich der Materialwirtschaft. Zugleich findet innerhalb der CAD-Zeichnung eine Pruefung der Sachnummern auf ihre Korrektheit statt, und konstruktionsrelevante Daten der Materialwirtschaft stehen im CAD- System unmittelbar zur Abfrage bereit.

Die CAD-PPS-Kopplung befindet sich seit drei Jahren im praktischen Einsatz. Sie vermeidet Doppeleingaben von Daten und reduziert so die Risiken von Fehlern.

Sie weist bei der Verbindung heterogener Systeme wesentliche Vorzuege auf, denn sie kommt vollstaendig mit den ohnehin vorhandenen Schnittstellen der beteiligten Systeme aus. Diese Interfaces sind relativ einfach und damit besser ueberpruefbar.

Die Online-Kopplung beruehrt nicht Zustaendigkeiten und Verantwortlichkeiten fuer die gekoppelten Daten beziehungsweise Programme. Man muss jedoch beruecksichtigen, dass Aenderungen in den verwendeten Benutzer-Schnittstellen fuer das Koppelelement ebenfalls einen Aenderungsbedarf bedeuten.

*Dr.-Ing. Dietmar Vill ist DV-Leiter bei der Maschinenfabrik Koeppern GmbH & Co. KG, Hattingen.

Abb: Konfiguration der Online-Kopplung der IBM /36 mit einem Unix-System, wie sie bei Koeppern realisiert ist.