Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.07.1984

CADCAM: DV-Bosse dürfen nicht den Dornröschenschlaf pflegen

CAD/CAM wird für eine wachsende Zahl von DV-Managern zum Reizwort. Wurden sie bisher von Konstruktion und Fertigung kaum tangiert, so rückt die wachsende Bedeutung dieser beiden Bereiche immer stärker ins Rampenlicht. Da der klassische DV-Leiter in der Regel aus der kommerziellen DV kommt, fehlt ihm oft das ingenieurmäßige Know-how. Es besteht folglich die Gefahr, daß ein Teil der künftigen Verantwortlichkeiten in andere Hände fällt. Als Lösung bietet sich an, einen Mann mit technischem Background heranzuziehen. Die Meinung über künftige Zuständigkeiten gehen indes bei DV-Spezialisten auseinander: So ist Edgar Huber der Meinung, die Erfordernisse des Konstruktionsbereichs könnten beim heutigen Kenntnisstand von der zentralen Org./DV-Abteilung übernommen werden. Frank Schönthaler hingegen hält es für sinnvoll, "die technische lnformationsverarbeitung unter technische Leitung zu stellen".

Edgar Huber Leiter Org./DV, Boewe GmbH, Augsburg

Der Aufgabenumfang der Org./DV-Abteilung wird in der Unternehmenspraxis noch recht unterschiedlich gesehen. In Klein- und Mittelbetrieben fehlt oft die Org.-Abteilung; anfallende Org.-Aufgäben werden durch die Führungskräfte erledigt. Größere Unternehmen haben dagegen erkannt, daß der Bereich Organisation durch einschlägige Spezialisten bearbeitet werden muß. Trotz aller Unterschiede in Aufgaben und Einordnung setzt sich hier das Konzept der zentralen Organisationsabteilung zunehmend durch. Sie bearbeitet das Gesamtgebiet der Aufbau- und Ablauforganisation. Der Schwerpunkt der Aufgaben lag bisher und liegt noch heute in der Entwicklung DV-gestützter, hochintegrierter Informations-, Planungs- und Steuerungssysteme, die alle Funktionen des Unternehmens umfassen und durchdringen. Ausgenommen hiervon war bis heute die direkte DV-Unterstützung der Konstruktions- und Zeichenarbeit.

Es gibt Untersuchungen, die aussagen, daß die Konstruktion zwar nur 7 bis 8 Prozent der Produktkosten verursacht, aber etwa 80 Prozent der Kosten festlegt. Das bedeutet, daß die nachgeschalteten Funktionen wie Arbeitsvorbereitung, Einkauf, Fertigung und Vertrieb von der Qualität der Konstruktion stark beeinflußt werden. Daraus ergibt sich, daß gute Hilfsmittel und deren optimaler Einsatz nicht nur für diesen einen Bereich, sondern für das gesamte Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind. Organisatorische Maßnahmen in der Konstruktion können somit nicht nur funktionsbezogen, sondern müssen in der gesamten Tragweite ihrer Wirkungsweise auf das Unternehmen gesehen werden.

Die DV-Unterstützung im Konstruktionsbereich beeinflußt die Ablauf- und die Aufbauorganisation. Somit fällt sie in das Aufgabengebiet der Org./DV-Abteilung. Zum Aufgabenumfang gehören die Einführung sowie die ständige Wartung und Verbesserung der Systeme.

Bei den derzeit vorliegenden Erfahrungen und Kenntnissen

ist es durchaus möglich und erforderlich, daß diese Aufgabe von der zentralen Org./DVAbteilung übernommen wird. Dabei müssen die vorhandenen Ressourcen angepaßt werden.

Tiefgreifende strukturelle Maßnahmen - wie Aufsplittung der Org./DV-Abteilung oder des Rechenzentrums in einen technischen und kaufmännischen Zweig - sind hierfür nicht erforderlich.

Frank Schönthaler Freier DV-Mitarbeiter, Straubenhardt

Die rasante Entwicklung der Informationsverarbeitung stellt die DV-Leiter vor immer neue Probleme. Effiziente Entscheidungen auf der Basis fundierten Fachwissens sollen getroffen werden. Dieses Fachwissen aber wird dem wohl zumeist mit kaufmännischem Schwerpunkt ausgebildeten DV-Leiter vor allem auf Gebieten der technischen Informationsverarbeitung oftmals fehlen. An dieser Stelle sind hauptsächlich die rechnergestützte Konstruktion (CAD) und Fertigung (CAM) zu erwähnen, die heute in Unternehmen jeder Größenordnung und Branche zu finden sind.

Betrachtet man zudem die Entwicklung des Entscheidungsbedarfs weg vom DV-spezifischen hin zur speziellen Anwendung, erscheint es sinnvoll, die Bereiche der technischen Informationsverarbeitung separat unter technische Leitung zu stellen.

Es ergäben sich folglich im Unternehmen mehrere DV-Bereiche unter selbständiger Leitung (beispielsweise Administration, Konstruktion, Produktion). Die Vorteile einer solchen Gliederung lassen sich sofort einsehen: unmittelbare Anwendungsnähe der Entscheidungsträger, klare Verantwortlichkeitsbereiche und ähnliche Faktoren.

Andererseits ist auch die Notwendigkeit einer Koordination der verschiedenen DV-Aktivitäten nicht zu unterschätzen. Sie ergibt sich, nicht zuletzt aus Kostenüberlegungen, durch die immer engere Vernetzung der Informationsverarbeitungsanlagen. Als Schlagworte sind hier Lastverbund, Datenverbund, Betriebsmittelverbund, Intelligenzverbund und Kommunikationsverbund zu nennen. Ein Beispiel für den Datenverbund: Im Rahmen des CAD könnte eine Generierung von Stücklisten vorgesehen sein, die auch verschiedenen Tasks im Fertigungsbereich zugänglich gemacht werden müssen. Zusätzlich wird auch ein flexibler Personaleinsatz wünschenswert sein.

Aus den genannten Überlegungen ergibt sich ein hierarchisch aufgebautes Organisationsmodell, das sowohl fundiert Fachwissen bei allen anstehenden Entscheidungen, aber auch die erforderliche Abstimmung der DV-Aktivitäten gewährleistet. Als alternative Organisationsform bietet sich ein Stab-Linien-System an, wobei die Stabstellen durch anwendungsorientierte Mitarbeiter besetzt werden. Die Vorteile einer reinen Linienorganisation würden dabei natürlich teilweise entfallen.

Trotzdem wäre ein solches Modell vor allem in Klein- und kleineren Mittelbetrieben denkbar. Die Stabstätigkeit könnte hier als Teilfunktion auf der Anwendungsebene beschäftigter Mitarbeiter ausgelegt werden. Eine Koordination der DV-Aktivitäten sowie fachbezogene Entscheidungen ließen sich so bei vertretbarer Kostenbelastung erreichen.

Für diese beiden Modelle spricht die Möglichkeit, qualifizierte Entscheidungen bei klarer Verantwortlichkeit zu treffen. Denn erst wenn dieses Ziel erfüllt ist, wird ein Unternehmen in der Lage sein, die Möglichkeiten der automatischen Informationsverarbeitung in allen ihren Bereichen voll zu nutzen.

Arno Alex Vögele Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und

Organisation, Stuttgart

Immer schärfer werden Wettbewerbssituation und Kostendruck in den Unternehmen. Um auch künftig wettbewerbsfähig zu sein, ist es erforderlich, Wertschöpfungen durch gesteigerte Produktivität im Fertigungs- und im Verwaltungsbereich zu verbessern. Bisher war der Trend zur Automation schon in den Produktions- und Verwaltungsbereichen festzustellen. Er wird sich zukünftig fortsetzen, in dem die derzeit noch vorhandenen Einzelkonzepte in Produktion (CAM), Konstruktion (CAD), Arbeitsvorbereitung (CAP) und Verwaltung (Büro-DV) integriert werden. Eine so tiefgreifende lntegration von Aufgabengebieten umfaßt aber nicht nur die Bereitstellung von Rechnerleistung zur Durchführung und Unterstützung von Arbeitsprozessen. Sie erfordert vielmehr auch eine Revision des bisherigen Denkens und Handelns. Allein die Einführung moderner computergestützter Technologien in Produktion und Verwaltung schafft Orientierungs- und Akzeptanzprobleme bei Führungskräften und Mitarbeitern. Von deren Mitwirken hängt jedoch der Fortschritt in Produktion, Konstruktion und Administration ab.

Die zunehmende DV-Durchdringung im Unternehmen wirft ferner die Frage nach den Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten auf. Wesentliche Veränderungen finden sinnvollerweise in Abstimmung zwischen zentralen (DV-Abteilung) und dezentralen (Fachbereich) Organisationseinheiten statt. Die Verantwortlichkeit für so komplexe Systeme wie CAD, CAP und CAM wird sinnvollerweise immer mehr dorthin zu verlegen sein, wo auch die entsprechende Sachkompetenz vorhanden ist. Wie die Praxis zeigt, verläuft der Aufbau und Betrieb solcher computerunterstützter Systeme dort reibungslos, beziehungsweise mit vermindertem Risiko, wo Verantwortung und Zuständigkeit auch von dem entsprechenden Fachbereich wahrgenommen werden - selbstverständlich mit Unterstützung durch die DV-Abteilung.

Ob eine eigenständige Stelle, beispielsweise technische Datenverarbeitung oder CAD/ CAM-Manager, diese Aufgabe wahrnimmt, hängt sicherlich von der jeweiligen Unternehmenssituation ab. Wichtig ist aber, daß die Verantwortlichen über entsprechende Problemkenntnis verfügen und sich als kompetentes Bindeglied zwischen Fachbereich und DV-Abteilung verstehen. Eine solche Verteilung der Zuständigkeiten zwischen Fachbereich und zentrale DV wird den heute vielerorts vorhandenen Hemmschuh beseitigen, der einem sinnvoll angestimmten und allerseits akzeptierten DV-Einsatz entgegensteht.

Dies bedeutet aber auch, historisch gewachsene Strukturen und Zuständigkeiten in Frage zu stellen, Kompromisse einzugehen und neue Aufgaben wahrzunehmen. Dies ist nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine menschliche Herausforderung, der wir uns stellen sollten. Eine Entscheidung tut not, wenn wir die Chancen der neuen Technologien rechtzeitig und umfassend den Unternehmen nutzbar machen wollen.