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09.06.1995

Call-Back-Systeme umgehen die Deutsche Telekom Auslandstelefonierer koennen die preisguenstigen US-Tarife nutzen

Was haben sich Bastler nicht alles einfallen lassen, um Telefonkosten zu sparen. Vom Unterbinden des Gebuehrenimpulses bis zum Aufschalten einer Leitung auf fremde Rufnummern reichen die ungesetzlichen Ideen. Zumindest bei Gespraechen ins Ausland gibt es auch ganz legale Moeglichkeiten. Bei Call-Back-Systemen, so Bernhard Reimann*, fallen lediglich die billigen US-Tarife an, die deutsche Telekom bleibt aussen vor.

Der Markt fuer Ueberseegespraeche betraegt derzeit mehr als 60 Milliarden Mark und waechst jaehrlich um etwa 13 Prozent. Weltweit gibt es mehr als 580 Millionen Telefonkunden. In der Mehrzahl der Laender uebt der Staat eine Monopolstellung im Bereich der Telekommunikation aus. Die Preise werden von Regierungen und Politikern bestimmt, nicht aber vom Wettbewerb oder realen Kosten. Auch in Deutschland laesst das Monopol der Deutschen Telekom beim Telefonieren im Festnetz keine Alternativen zu. Unabhaengig von der Intelligenz einer TK-Anlage ist immer das Leitungsnetz des Monopolisten zu benutzen, und spaetestens ab der Telefonanschlussdose tickt der Telekom-Zaehler.

Kostenguenstige Routenwahl mit Hilfe des Computers

Werden die amerikanischen mit den deutschen Tarifen verglichen, schneidet die Telekom denkbar schlecht ab. Die Preise der amerikanischen Carrier sind viel niedriger und genau dort setzen die Call-Back-Systeme an.

Der Sinn dieser Loesungen ist es, auf legale Weise Telefonkosten zu sparen, indem die Gespraeche quasi von Amerika aus gefuehrt werden. Zu diesem Zweck werden in den USA, vorzugsweise in grossen Staedten, sogenannte Leit- oder Zentralrechner installiert. Die weitgehende Liberalisierung des Telefongeschaefts in Grossbritannien hat mittlerweile dazu gefuehrt, dass derartige Installationen auch dort betrieben werden. Ueber diese Kontrollzentren werden die Auslandsgespraeche vermittelt, wobei zunaechst das Netz der amerikanischen respektive britischen Gesellschaften genutzt wird. Alle serioesen deutschen Anbieter haben langfristige Mietvertraege zu guenstigen Konditionen abgeschlossen, um ihren Service auf Jahre hinaus garantieren zu koennen.

Weltweit verteilt stehen in den einzelnen Zeitzonen jeweils mehrere Schaltstellen, sogenannte Knotenpunkte. Diese nehmen die Anrufe entgegen und leiten sie zum naechsten Knotenpunkt weiter, bis der Zielcomputer den eigentlichen Adressaten anwaehlt.

Die Computer suchen automatisch den idealen Weg ueber die einzelnen Zeitzonen, um die fuer den Anrufer guenstigsten Tarife zu ermoeglichen. So wird beispielsweise ein Telefonat von Deutschland nach Singapur aus Kostengruenden nicht den direkten Weg nehmen, sondern koennte unbemerkt von den Gespraechspartnern billiger ueber Florida, New York und Hongkong vermittelt werden. Die serioesen Anbieter rechnen transparent ab.

Grundvoraussetzung fuer die Teilnahme am Call-Back-Verfahren sind Telefonanlagen, deren Nebenstellen- und Einzelapparate mit Tasten ausgeruestet sind. Weiterhin muss jedes Telefon, von dem aus via Call-Back telefoniert werden soll, das auch als Tonwahl bezeichnete Mehrfrequenzverfahren (MFM) verwenden koennen, da die US-Vermittlungsaemter diese Technik einsetzen. Alle neueren Telefone der Telekom lassen sich mittels eines Schalters bequem von Impulswahlverfahren (IWV) auf MFM umstellen. Wer in Deutschland bereits an ein elektronisches Amt angeschlossen ist, kann das Tonwahlverfahren auch fuer jedes andere Gespraech nutzen, der Vorteil liegt in kuerzeren Anwaehlzeiten.

Der Kunde kann bis zu 65 Prozent sparen

Der Umgang mit Call-Back ist denkbar einfach. Die ECN in Rosbach bei Frankfurt vergibt beispielsweise an Kunden eine

"Telefonnummer", die den Anrufenden mit dem Zentralcomputer in den USA verbindet. Dort meldet sich der Rechner mit einem kontinuierlichen Ton, anschliessend legt der Kunde wieder auf. Abhaengig von der jeweiligen Ortsvermittlungsstelle ruft der Zentralcomputer innerhalb von vier bis acht Sekunden auf dem gleichen Apparat zurueck und meldet sich mit dem Amtston der USA anstelle des deutschen Freizeichens. Anschliessend laesst sich wie bei normalen Gespraechen die eigentliche Zielrufnummer waehlen. Sollen unmittelbar im Anschluss weitere Gespraeche folgen, ist lediglich die an jedem Telefon befindliche Taste mit dem Rautensymbol zu betaetigen, der Zentralcomputer schaltet anschliessend eine neue Amtsleitung frei.

Die Einsparungen schwanken derzeit zwischen 20 Prozent bei Gespraechspartnern in Europa und 65 Prozent bei Telefonaten in die USA. Fuer den innerdeutschen Betrieb lohnt sich das Call-Back- Verfahren bisher nicht, allerdings sind entsprechende Ansaetze vorhanden und es wird mit ersten Ergebnissen noch dieses Jahr gerechnet.

Obenstehende Tabelle gibt einen groben Ueberblick ueber die Kosten pro Minute der vier groessten deutschen Call-Back-Unternehmen im Vergleich zur Gespraechsminute der Telekom. Um einen leichteren Vergleich zu gewaehrleisten, wurden die Dollar-Preise der Call- Back-Anbieter mit einem Kurs von 1,60 Mark umgerechnet. Die hohen Minutengebuehren der "Tele Passport" resultieren aus der Preisstruktur, die die Kosten pro Einheit mit zunehmender Gespraechsdauer senkt, waehrend bei den restlichen Unternehmen die Gebuehren stabil bleiben. So sind bei einem zehnminuetigen Telefonat nach Hongkong bei der ECN 15,20 Mark und bei Tele Passport 17,71 Mark zu bezahlen, waehrend das ECN fuer das Telefonat nach Brasilien 18,00 Mark berechnet und Tele Passport dem Kunden 17,65 Mark abverlangt. In der Regel sind die Minutenpreise jedoch wichtiger, da ein Gespraech in der Regel zwischen vier und fuenf Minuten dauert.

Die Tabelle macht deutlich, wie teuer die Telekom ist. Bei Differenzen von bis zu 1,50 Mark pro Minute gegenueber den Telekom- Gebuehren stellt sich sicher die Frage, warum die Alternative nicht haeufiger in Anspruch genommen wird. Doch auch die einzelnen Call- Back-Anbieter machen sich Konkurrenz, und ein Preisvergleich lohnt auf alle Faelle.

Hierbei spielen aber nicht nur die reinen Telefongebuehren eine Rolle, sondern gleichermassen die peripheren Entgelte, die einige Anbieter verlangen. Grundsaetzlich haben alle eines gemeinsam: Die Abrechnung erfolgt mittels Abbuchung ueber eine Kreditkarte. Detaillierte Rechnungen weisen die einzelnen Gespraeche auf und machen durch Angaben wie Zielland oder Dauer des Telefonats die Kosten transparent. Bei jedem Anbieter gibt es sogenannte Mindestsaetze, die pro Monat auch dann abgebucht werden, wenn das Kontingent nicht verbraucht wurde. Diese Werte liegen je nach Anbieter zwischen 15 und 50 Dollar. Weiterhin koennen einmalige Einrichtungsgebuehren fuer die Bereitstellung der persoenlichen Verbindungsnummer zum Zentralcomputer entstehen. Auch hier gibt es enorme Preisspannen, einige Anbieter verlangen keinerlei Gebuehren, andere bis zu 500 Mark.

Wer den aktuellen Markt aufmerksam beobachtet, findet Call-Back- Angebote zahlreicher Unternehmen. Wie bei allen wachstumsorientierten Maerkten versuchen auch in diesem Bereich viele kleine Firmen, auf den Call-Back-Zug aufzuspringen und sich ihren Teil vom grossen Kuchen zu sichern. Die in der Tabelle aufgefuehrten Unternehmen sind als sichere Partner anzusehen, die ein ausreichendes, gemietetes Leitungsnetz mit grossen auslaendischen Telefongesellschaften unterhalten sowie einen guten Support bei Fragen und Problemen bieten. In der Vergangenheit wurden viele, auch grosse Unternehmen, von unserioesen Call-Back- Anbietern um betraechtliche Summen geschaedigt. Rechnungen liessen sich nicht nachvollziehen, wurden fuer nicht gefuehrte Telefonate gestellt, oder es fielen immense Grundgebuehren an. Ein serioeses Unternehmen sollte sich Fragen und Bedenken offen stellen und bereits im Vorfeld sachliche, fundierte Informationen liefern.

Trotz aller Vorteile sollte vor dem Einstieg geprueft werden, ob sich die Teilnahme rentiert. Werden nur wenige Telefonate ins Ausland gefuehrt, duerfte sich der Einsatz kaum lohnen, ist jedoch absehbar, dass das Aufkommen in absehbarer Zukunft steigt, sind Call-Back-Systeme wiederum eine interessante Alternative zur Telekom. Uebersteigen die derzeitigen Gebuehren fuer Auslandstelefonate den Mindestsatz Ihres Call-Back-Partners, lohnt sich der sofortige Einstieg auf jeden Fall.

Vertraege lassen sich jederzeit kuendigen

Die in der Tabelle aufgefuehrten Anbieter Telegroup, Tele Passport und ECN erheben allesamt keine Einrichtungsgebuehren. Die Mindesttelefongebuehren betragen bei der ECN 15 Dollar, wogegen Telegroup und Tele Passport je 25 Dollar verlangen. Initialisierungskosten von 23 Pfennig pro Anwahl des Zentralcomputers fallen lediglich bei Telegroup an. Die Vertraege lassen sich jederzeit kuendigen. Einige Call-Back-Dienstleister fordern allerdings Einrichtungsgebuehren von bis zu 200 Mark.

Das Verfahren ist nicht auf einen Standort beschraenkt. Mit Hilfe der persoenlichen Telefonnummer kann weltweit von jedem festen oder mobilen Telefon das Call-Back-System angewaehlt werden. Einzige Voraussetzung: Der Zentralcomputer muss den betreffenden Apparat zurueckrufen koennen.

Call-Back-Anbieter im Vergleich mit der Telekom

1. Telekom; 2. ECN; 3. Telegroup; 4. Telepassport

Belgien: 1. 1,15 Mark; 2. 0,97 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,57 Mark (G SM)

England: 1. 1,15 Mark; 2. 0,81 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,07 Mark

Frankreich: 1. 1,15 Mark; 2. 0,84 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,22 Mark (GSM)

Holland: 1. 1,15 Mark; 2. 0,81 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,41 Mark (GSM)

Hongkong: 1. 3,22 Mark; 2. 1,52 Mark; 3. 1,58 Mark; 4. 2,50 Mark

Italien: 1. 1,15 Mark; 2. 1,09 Mark3. 1,10 Mark; 4. 2,22 Mark (GSM)

Japan: 1. 3,22 Mark; 2. 1,44 Mark; 3. 1,58 Mark; 4. 2,50 Mark

Oesterreich: 1. 1,15 Mark; 2. 0,97 Mark; 3. 0,94 Mark; 4. 1,52 Mark (GSM)

Schweiz: 1. 1,15 Mark; 2. 0,81 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,26 Mark (GSM)

Singapur: 1. 3,22 Mark; 2. 1,52 Mark; 3. 1,74 Mark; 4. 2,50 Mark

Spanien: 1. 1,15 Mark; 2. 0,81 Mark; 3. 0,78 Mark; 4. 1,50 Mark (GSM)

Taiwan: 1. 3,22 Mark; 2. 1,84 Mark; 3. 2,06 Mark; 4. 2,50 Mark

USA: 1. 2,07 Mark; 2. 0,72 Mark; 3. 0,94 Mark; 4. 1,07 Mark (GSM)

Diese Tarife gelten nur fuer Anrufe ueber ein Mobiltelefon

Quellen: Preisliste der ECN vom Januar '95

Preisliste der Telepassport vom 1.11.1994

Preisliste der Telegroup vom 1.9.1994