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30.04.1976 - 

Internationale der Prozeßrechner-Anwender

CAMAC zwischen Rechner und Peripherie

MÜNCHEN - CAMAC, heute in über 20 Staaten auf allen fünf Kontinenten -angewendet und 60 Herstellern International geliefert, ist ein System zum Austausch von Informationen, zwischen Rechner- und Peripherie. Ursprünglich in Kernforschungszentren entwickelt, wird das grundsätzlich anwendungsunabhängige System inzwischen vielfältig eingesetzt - beispielsweise zur Steuerung von Datennetzwerken, industriellen Prozessen, NC-Maschinen und Fördersystemen, bei der Laborautomation oder zur kontinuierlichen Patienten-Kontrolle in Krankenhäusern.

Der Entwicklung lag die Überlegung zugrunde, daß es auf die Dauer wesentlich wirtschaftlicher ist, international genormte, von vielen Firmen hergestellte Systeme zu verwenden, als sich einem speziellen Firmenstandard anzuschließen. "Statt Rechnertypen und ihre speziellen I/O-Kanäle zu standardisieren und sich in die Abhängigkeit einzelner Hersteller zu begeben dürfte es vernünftiger sein, genormte Datenwege und feste Schnittstellen (zum Rechner wie zum Prozeß) zu wählen und sich die Freiheit in der Computerwahl zu lassen", erklärte Dr. Hans Joachim Stuckenberg vom Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg.

Drei Datenwege und ein Controller

CAMAC arbeitet mit drei standardisierten Datenwegen und einem ebenfalls standardisierten Controller, dessen Befehlsfolge entweder ausschließlich vom Prozeßrechner bestimmt wird oder der mit einem programmierbaren Mikroprozessor ausgestattet sein kann. Alle I/O-Geräte oder ihre Adreß-, Daten- und Kontrollregister sind in Gruppen zusammengefaßt, die mechanisch in 19''-Rahmen (Crates genannt) untergebracht sind. Jede Gruppe hat eine gemeinsame Kontrolleinheit, die den gesamten programmierten und DMA-Transfer (Direct Memory Access) einschließlich der Interruptverwaltung für alle durch sie kontrollierten I/O-Geräte abwickelt. Das führt dazu, daß der Rechner als Interface nur die Kontrolleinheit und die ihr angeschlossenen Register sieht. Zwischen dem Rechner und den Kontrollern wird ein standardisiertes Bussystem angeschlossen, das für parallelen oder seriellen Datentransfer eingerichtet ist, denn die Länge des Bus zu den räumlich auseinanderstehenden Kontrollern beeinflußt stark die Kosten und damit auch die Wahl des Datenhighways. Ein zweites Bussystem besteht zwischen dem Kontroller und "seinen" I/O-Geräten; da diese Geräte in einem Crate mit festen Dimensionen angeschlossen sind, wird der Verkehr auf diesem Bus praktischerweise synchron abgewickelt.

Ein paralleler Bus kann bei CAMAC bis zu 0,5 Millionen 24-Bit-Worte pro Sekunde zwischen Rechner und I/O Controller übertragen. Wegen der hohen Kosten für Steck- und Kabelverbindungen und der hohen Störanfälligkeit durch viele, parallel betriebene Bauelemente können - so Stuckenberg - Parallelbussysteme solcher Wortbreite mit assymetrischen Zweidrahtleitungen "guten Gewissens nur bis zu Längen von etwa 50 Metern eingesetzt werden". Bei größeren Entfernungen, wie sie in der Industrie oder in Krankenhäusern üblich sind, wäre ein Parallel-System aus Kostengründen völlig unrealistisch.

Es kann in diesen Fällen, die in der Regel nicht durch allzu hohe Übertragungsraten gekennzeichnet sind, ein serieller CAMAC-Bus eingesetzt werden, der Übertragungslängen von mehreren Kilometern zuläßt. Dieser serielle Bus wird immer attraktiver, weil er zu einem günstigen Preis die Verbindung von Geräten unterschiedlicher Hersteller zuläßt.

Auf der Welt einzigartig

"CAMAC ist die bisher einzige Lösung auf der Welt für ein internationales Standardsystem bei der Datenübertragung, das möglichst viele Anforderungen der Anwender erfüllt", betont Stuckenberg. Die Vorteile von CAMAC formuliert er so: "Der Anwender muß sich nicht für einen einzig Hersteller entscheiden und wird daher nicht technologisch abhängig. Das Bedienungspersonal muß nur einmal die CAMAC-Spezifikationen erlernen und sich nicht mit einer verwirrenden Fülle unterschiedlichster Systemlogik auseinandersetzen. Standard-Systeme erreichen außerdem eine hohe Zuverlässigkeit.

Informationen: H. J. Stuckenberg: "CAMAC-(Eine Einführung in ein System standardisierter Datenwege zwischen Rechnern und ihrer Peripherie", Verlag Zentralstelle für Atomenergie-Dokumentation, 7501 Leopoldshafen, Kernforschungszentrum.