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17.02.1989 - 

Marktnische unter dem Dach des blauen Riesen erobert:

Candle setzt auf Tuning-Schwäche der IBM

LOS ANGELES (qua) - Mother Blue zeigt bislang wenig Lust, ihren Software-Kindern Beine zu machen: Das Thema Performance-Tuning überläßt sie weitgehend Dritten. Etliche Softwarehäuser haben sich also darauf spezialisiert, diese Lücke im IBM-Angebot auszufüllen. Dazu gehört auch und insbesondere die Candle Corp.. Los Angeles.

Zwar offeriert IBM Performance-Monitore für MVS, CICS, VM und DB2; doch hat sie offensichtlich keinen Ehrgeiz, es den Third-Party-Produkten in puncto Funktionalität gleichzutun. So ist beispielsweise der DB2-Monitor aus Anwendersicht ein "lahmes Batch-Tool" (vergleiche CW Nr. 5 vom 27. Januar 1989, Seite 13: "DB2-Tuning obliegt dem Anwendungsentwickler ") .

Aubrey Chernick, Gründer, President und Chief Executive Officer der Candle Corp., räumt ein, daß die IBM-Produkte durchaus ihre Kundschaft hätten: "Im MVS-Bereich kauft zum Beispiel fast jeder Anwender den IBM-Monitor RMF." Aber, so der Candle-Chef weiter, "die meisten Unternehmen kaufen den unseren zusätzlich - IBM übrigens auch." Aus diesem Grund sei IBM gleichzeitig Konkurrent und wiederum kein Konkurrent.

Zu fragen bleibt, warum der Branchenführer sich dieses Marktsegment - vorerst jedenfalls - aus der Hand nehmen läßt. Chernick: "So wie ich es verstehe, hat die IBM zunächst das Problem, zusätzliche Funktionalität für ihre vorhandenen Softwareprodukte zu schaffen.

Vom Standpunkt der IBM ist es laut Chernick beispielsweise wichtiger, innerhalb von DB2 referentielle Integrität und verteilte Datenverarbeitung zu realisieren. "DB2 muß mit an deren Datenbanksystemen konkurrieren. Aus diesem Grund setzt die IBM ihre Entwickler lieber dafür ein, das Produkt funktioneller zu machen, als dafür, Performance-Werkzeuge zu schmieden."

Außerdem, so Chernick, gibt es hier "diesen traditionellen Konflikt: Einerseits ermögliche die Performance-Analyse des Softwaresystems es dem Anwender, den Hardware-Upgrade für einige Zeit hinauszuschieben. Und das könnte Umsatzeinbußen für IBM bedeuten." Andererseits wolle IBM jedoch auch eine bessere Performance auf dem Datenbanksektor erreichen. "DB2 wird schließlich mit anderen Datenbanksystemen verglichen, die eine höhere Transaktionsrate und niedrigere Kosten zu bieten haben.

Daß sein Unternehmen quasi von IBMs Gnaden existiere, bestreitet der Candle-President: ,Wir fühlen uns nicht so sehr von IBM abhängig. Gerüchte, denen zufolge Candle erste Schritte in die DEC-Welt plant, möchte Chernick jedoch nicht bestätigen: "Unser Geschäft hat seinen Schwerpunkt bei den großen IBM-Mainframes, das heißt aber auch: dort, wo Terminals eingesetzt werden.

Der Versuch, "außerhalb der Großrechnerumgebungen zu expandieren, manifestiert sich in der unlängst vorgestellten Software-Komponente "AF/Remote". Das Produkt soll eine Fernsteuerung des Rechenzentrums vom PC-Terminal aus ermöglichen (vergleiche CW Nr. 50 vom 9. Dezember 1988, Seite 10: "RZ-Betrieb wird über das Telefon gesteuert"}.

Antwortzeiten über das ganze Netz hinweg meßbar

Daneben kündigte Candle jetzt drei weitere Produktneuheiten an: Mit Hilfe der "Status Monitoring Facility" sollen alle System-Komponenten "auf einen Blick" überwacht werden können. Bislang ist der Status-Monitor nur für CICS verfügbar; Ausführungen für MVS, DB2 und IMS stehen in den Startlöchern.

Ebenfalls zunächst nur für CICS bietet Candle die Möglichkeit, Response-Zeiten über das gesamte Netz zu messen. An einer TSO-Fassung der "End-to-end-Response-Time-Facility" wird jedoch gearbeitet. Die dritte Neuerung ist die Version 200 von "AF/Operator", die mit einer bidirektionalen Schnittstelle zu den Candle-eigenen "Omegamon"-Monitoren ausgestattet ist.

Gewisse Verwandschaften innerhalb der Produktlinien legen den Verdacht nahe, daß Candle auf dem Speisezettel der aquisitionshungrigen Computer Associates (CA) ganz oben stehe. Chernick bestreitet das auch keineswegs: Wir sind niemals direkt von Computer Associates angesprochen worden; aber schließlich sagen die Broker uns nicht, von wem sie bezahlt werden." Auf die Frage, wie er ein offenes Angebot aufnehmen würde, antwortet der Candle-Chef: "Wir haben keinerlei Interesse, zu verkaufen.

Dazu besteht derzeit wohl auch keine Notwendigkeit. Der weltweite Umsatz des Unternehmens lag 1988 bei 100 Millionen US-Dollar; das bedeutet gegenüber dem Vorjahreswert von 81 Millionen Dollar ein Wachstum um 23 Prozent.

Das Europa-Geschäft brachte im vergangenen Jahr 31 Millionen Dollar ein und trug damit nahezu ein Drittel zum Gesamtumsatz ein. Auf deutschsprachigen Märkten erwirtschaftete Candle ein Viertel seiner Revenues, also 25 Millionen Dollar.

Die Beschäftigtenzahl stieg insgesamt von 700 in 1987 auf 750 im vergangenen Jahr, in Europa von 65 auf 100. Die deutsche Candle-Niederlassung in München beschäftigt nach Auskunft des Geschäftsführers Gerhardt Merkel derzeit 38 Mitarbeiter.