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27.02.1998 - 

Akquisitionen großen Stils angekündigt

Cap Gemini: Deutsche Tochter für IT-Beratung

Ab März 1998 wird die Cap-Gemini-Gruppe auch in Sachen IT-Beratung an zwei Standorten in Deutschland vertreten sein. Diese zumindest für Insider nicht mehr ganz überraschende Neuigkeit ließ Konrad Reiss, Managing Director für Central Europe bei Gemini Consulting, vergangene Woche vor der Presse aus dem Sack. Demnach läuft bereits seit Jahresbeginn der Aufbau der Cap Gemini GmbH, die sich in Frankfurt am Main und München niederlassen soll. Reiss, der seit 1995 das Management-Beratungsgeschäft von Gemini Consulting in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Osteuropa verantwortet und nun auch als Geschäftsführer der Cap Gemini GmbH fungiert, skizzierte die Stoßrichtung der neuen Tochter kurz und bündig: "Wir wollen kein Strohfeuer entfachen, sondern durch Qualität überzeugen und einen entsprechend großen Anteil im deutschen IT-Beratungsmarkt gewinnen."

Um dieses Ziel zu erreichen, lassen sich die Franzosen Zeit - und sind offensichtlich bereit, eine Menge Geld zu investieren. Reiss vermied es jedenfalls, konkrete Umsatzziele für die neue Geschäftseinheit zu nennen. Man wäre schon froh, Ende des Jahres sagen zu können, " die kritische Masse haben wir erreicht", spielte der Cap-Gemini-Manager auf das ehrgeizige Ziel an, bis dahin in Deutschland nahezu 300 Top-IT-Berater unter Vertrag zu nehmen. Aus der Tatsache, daß dies im Zweifel nur durch Übernahmen größeren Stils gelingen kann, machte Reiss jedoch keinen Hehl.

Die Muttergesellschaft in Paris habe für einen entsprechenden Merger einen "hohen dreistelligen Millionenbetrag" bewilligt; man sei optimistisch, noch in diesem Jahr "einen oder mehrere strategische Partner" präsentieren zu können. Ob die Franzosen dabei IT-Firmen mit einer starken Service-Einheit oder direkte Wettbewerber im Auge haben, ließ Reiss indes offen.

Mit dem ins Auge gefaßten starken Auftritt im deutschen IT-Consulting-Markt haben die Verantwortlichen von Cap Gemini in jedem Fall aber die Gerüchte- küche massiv angeheizt - stammt doch ein Großteil des Geldes, das die Franzosen nun in die Hand nehmen, um ihr neues Standbein in Deutschland zu festigen, aus dem Verkauf von 19,6 Prozent der Anteile an der Debis AG. Dieser war im Juli vergangenen Jahres verabredet worden, als im Zuge der Trennung vom Daimler-Benz-Konzern, der ursprünglich die Mehrheit an Cap Gemini erwerben wollte, die Überkreuzbeteiligung mit der Daimler-Dienstleistungs-Tochter durch gegenseitigen Aktienrückkauf aufgelöst wurde. Bereits seinerzeit hatte es Spekulationen gegeben, die Franzosen würden der aus ihrer Sicht wenig ersprießlichen Zusammenarbeit mit dem Debis Systemhaus umgehend eigene Aktivitäten im deutschen IT-Beratungsmarkt folgen lassen.

In diese Richtung gehende Mutmaßungen wollte Reiss aber auch jetzt nicht gelten lassen. Im Gegenteil: Man werde mit dem Debis Systemhaus "auch in Zukunft in laufenden gemeinsamen Projekten sowieso, aber auch bei spezifischen Neuaufträgen zusammenarbeiten". Auch die meisten Insider gehen davon aus, daß Cap Gemini zunächst keine agressive Konfrontation mit den Stuttgartern in deren Heimatmarkt suchen, sondern vielmehr versuchen wird, bei Großprojekten sowie im Systemlösungsgeschäft als deren Juniorpartner zum Zuge zu kommen und ansonsten eher auf die eigenen Stärken im produktnahen IT-Consulting bauen dürfte. Dafür spricht auch, daß Reiss kein einziges Mal den Begriff Outsourcing benutzte - ein Markt, in dem das Debis Systemhaus zusammen mit IBM führender Anbieter in Deutschland ist.

Fuß fassen wollen die Franzosen in Deutschland aber so schnell wie möglich in den Bereichen Euroumstellung, Telekommunikation, Electronic Commerce sowie bei der Einführung von Standardsoftware (siehe Abbildung "Cap Gemini Deutschland"). Bei der Bewältigung von Großprojekten und im Hinblick auf die "schnelle Umsetzung von Kundenteams" können die deutschen Cap-Gemini-Mitarbeiter Reiss zufolge auch auf die Unterstützung ihrer weltweit 28000 Kollegen bauen. Diese brächten "ihre internationale Referenz in das deutsche Start-up ein". Überdies sollen die IT-Berater von Cap Gemini und die Management-Spezialisten von Gemini Consulting bei bestimmten Projekten, zum Beispiel bei sogenannten "Key Accounts" im Bereich Telekommunikation, eine gemeinsame Task Force beim Kunden bilden.

Cap Gemini 1997

Nach jetzt veröffentlichten vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz der Cap-Gemini-Gruppe gegenüber dem Vorjahr von umgerechnet rund 4,40 auf 6,0 Milliarden Mark, was einer Steigerung von mehr als 36 Prozent entspricht. Mit etwa 226 Millionen Mark konnte der (eigenen Angaben zufolge) führende IT-Dienstleister in Europa sowie weltweit die Nummer drei in diesem Markt seinen Gewinn im Vergleich zu 1996 fast verdreifachen; das Betriebsergebnis stieg sogar um 56 Prozent auf rund 485 Millionen Mark. Derzeit beschäftigen die Franzosen mehr als 30 000 Mitarbeiter in 25 Ländern. Davon sind etwa 2300 in der sogenannten Topmanagement-Beratung von Gemini Consulting beziehungsweise Bossard Consultants tätig; der Rest ist unter dem Label Cap Gemini auf die Implementierung von IT-Lösungen und inklusive Beratung spezialisiert.