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22.05.1992 - 

Wenig Begeisterung für eine Mehrheitsbeteiligung durch Debis

Cap Gemini ist auf der Suche nach weiteren Finanzpartnern

PARIS (qua) - Nach dem mageren Ergebnis des Geschäftsjahres 1991 plant die Cap Gemini Sogeti S.A. (CGS), Paris, eine Umgestaltung ihrer Unternehmensstruktur. Außer dem, so der Vorstandvorsitzende und Großaktionär Serge Kampf, will der französische Software- und Servicegigant neben der Debis AG, Berlin, weitere Investoren an Bord holen.

Ohne die Akquisition des britischen Dienstleistungsunternehmens Hoskyns hätte die Cap-Gemini-Gruppe 1991 weniger eingenommen als im Jahr zuvor. Von den 10,028 Milliarden Francs (umgerechnet etwas mehr als drei Milliarden Mark), die der Konzern auf der Umsatzseite verbuchen konnte, verdankt er fast zwei Milliarden Francs (etwa 600 Millionen Mark) den Briten.

Im vorangegangenen Jahr hatten die Einnahmen 9,172 Milliarden Francs (rund 2,8 Milliarden Mark) betragen. Mit 560 Millionen Francs (170 Millionen Mark) fiel der Gewinn nach Steuern 1991 deutlich geringer aus als 1990, als unter dem Strich 623 Millionen Francs (190 Millionen Mark) übriggeblieben waren.

Akquisition gehen zu Lasten der Produktivität

Laut Kampf befindet sich CGS derzeit genau in der Mitte einer Furt - dort, wo die Strömung am stärksten sei. Zum einen habe er den Aufwand für die Eingliederung der Mitarbeiter aus den akquirierten beziehungsweise assoziierten Unternehmen unterschätzt. Zum anderen verlange der Markt derzeit von allen Unternehmen eine kulturelle Neuorientierung - nicht mehr multinational, sondern transnational. Und drittens dauere die kritische Wirtschaftslage an, was sich auch auf das Geschäft mit der Informationstechnologie auswirke. Außerdem gingen Akquisitionen stets zu Lasten der Produktivität.

Für die unmittelbare Zukunft wagt Kampf derzeit keine Vorhersagen. Der für das erste Quartal 1992 ausgewiesene Umsatz von 2,4386 Milliarden Francs (zirka 760 Millionen Mark) gibt mit einer zweiprozentigen Steigerung gegenüber dem Vorjahr auch keinen Anlaß zu übertriebenen Hoffnungen.

Bis 1994 will Kampf jedoch das rettende Ufer erreicht haben. Wie sein Vertrauter und Stellvertreter Michel Jalabert erläuterte, plant das Cap-Gemini-Management, das Unternehmen so umzustrukturieren, daß es sowohl mit seiner Größe als auch mit der veränderten Marktlage fertig werde Einzelheiten könne er aber erst nach dem für Ende des kommenden Monats einberufenen Treffen der Unternehmensleitung bekanntgeben.

Um für die Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet zu sein, hält Kampf derzeit Ausschau nach weiteren Investoren. In Frage komme entweder ein Unternehmen, "dessen Geschäft mit dem unseren kompatibel ist", oder aber ein großer Anwender. Wie bereits berichtet (CW Nr. 35 vom 30. August 4 1991, Seite 4: "Trotz Störmanövers aus Paris steht Sogeti zum Daimler-Deal"), hat der Cap-Gemini-Chef dabei unter anderem die staatliche Telefongesellschaft France Telecom im Visier, die ihrerseits nichts dagegen hätte, einen Fuß in die Tür zum Software- und Servicegeschäft zu bekommen.

Gespräche mit Olivetti ohne Ergebnis

Für beendet erklärte das CGS-Management hingegen die mit der Ing. C. Olivetti & Co. SpA, Ivrea, geführten Gespräche über eine Kooperation mit deren Unternehmensbereich Olivetti Information Services (OIS). Dazu Jalabert: "Der Handel, über den wir beraten haben, gestaltete sich so komplex, daß wir ihn in unserer gegenwärtigen Situation lieber nicht anfassen wollten."

Allerdings sei "das große Gebäude noch nicht vollendet". Im Klartext: CGS wird früher oder später wieder Verhandlungen mit anderen europäischen Software-Unternehmen aufnehmen.

Vor dem Hintergrund dieser Partnersuche ist es derzeit wieder einmal unklar, ob die Daimler-Benz-Tochter-Debis in drei Jahren ihre Option auf Erhöhung ihres 34prozentigen Anteils an der CGS-Muttergesellschaft Sogeti S.A. ausüben will. Möglich ist auch, daß Kampf die an die Deutschen ausgegebenen Aktien zurückkaufen wird Nach offizieller Darstellung hält sich der starke Mann der CGS derzeit noch alle Möglichkeiten offen.

Kontrolle durch Debis muß vermieden werden

Allerdings ließ Kampf kaum Zweifel daran, daß er zwar nach heutigem Stand der Dinge den Debis-Beitrag braucht, um das von ihm geführte Unternehmen am Leben zu erhalten, aber eine deutsche Mehrheitsbeteiligung. an der Sogeti oder gar eine Übernahme der CGS durch die Daimler-Benz-Tochter nicht zu den von ihm favorisierten Lösungen zählen.

Auf die Frage, unter welchen Umständen er die Zusammenarbeit mit Debis als erfolgreich bezeichnen würde, antwortete der CGS-Vorstand: "Wenn es uns gelingt, weitere Partner zu finden."

Kaj Green, Geschäftsführer der Cap Debis GmbH, Stuttgart, sieht darin eine Art Vorwärtsverteidigung. Seiner Interpretation zufolge fürchten die CGS-Manager, daß die Daimler-Benz-Tochter ihrerseits einen Rückzieher machen könnte.

Philippe Dreyfus, Vice-President und nach eigenen Bekundungen "Visionär" der Cap Gemini Sogeti, bestätigte diese Annahme, setzte jedoch im selben Atemzug hinzu, daß auch er eine von den Deutschen kontrollierte CGS keineswegs für erstrebenswert hält. Dafür gebe es verschiedene Gründe.

Beispielsweise hätte eine Reihe von Kunden - allen voran die europäische Automobilindustrie - negativ auf die Beteiligung von Debis an der Sogeti reagiert. Außerdem würden hier zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinanderprallen: Während Daimler-Benz vorrangig mit der Herstellung von Produkten beschäftigt sei, gehe CGS einem Geschäft nach, das vor allem von Menschen bestimmt werde.

Der für die Europa-Aktivitäten von Cap Gemini verantwortliche Alain Lemaire äußerte in diesem Zusammenhang die - offenbar in weiten Teilen der CGS gehegte - Befürchtung, der Daimler-Benz-Konzern könne eine Art Management-Imperialismus ausüben.

Wie Lemaire einräumte, hat Cap Gemini jedoch in erster Linie mit Debis zu tun, also einem Unternehmen, das ebenfalls im Dienstleistungsbereich tätig sei. Als ermutigend wertete der Europa-Chef außerdem die Tatsache, daß Debis das Berichtsystem der CGS übernommen habe.