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Cap-Gemini-Studie zur europäischen IT-Service-Landschaft


08.01.1999 - 

Cap-Gemini-Studie zur europäischen IT-Service-Landschaft Individuallösungen sichern den Kleinen das Überleben

MÜNCHEN (CW) - Wie steht die Branche der IT-Dienstleister gemäß Selbstauskunft da? Wie schätzt sie die weitere Entwicklung des Marktes in Europa ein? Fra- gen, die auch die Kunden besagter Anbieter interessieren dürften. Das französische Consulting- und Service-Unternehmen Cap Gemini hat hierzu eine Studie veröffentlicht.

Die von Stefan Liebing/ Management Berater im Auftrag von Cap Gemini vorgenommene Untersuchung "IT-Consulting in Europa" basiert auf einer Befragung von 150 in Europa aktiven Service-Anbietern sowie auf Recherchen in einschlägigen Firmenpublikationen. Zum Kreis der befragten Firmen zählen den Angaben zufolge neben reinen Beratungshäusern und Dienstleistern auch Hard- und Softwareproduzenten, die weniger als 50 beziehungsweise 75 Prozent ihres Umsatzes mit Consulting und Systemintegration erwirtschaften.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die Tatsache, daß offenbar IBM, EDS, Andersen Consulting & Co. in puncto Einschätzung der weiteren Marktentwicklung in Europa weitaus optimistischer sind als einschlägige Marktforschungsunternehmen. Die Untersuchung zitiert eine Prognose der Kennedy Information Research Group, wonach der europäische Markt für IT-Consulting und -Services derzeit ein Volumen von rund 52,2 Milliarden Mark hat und sich bis 2000 auf jährliche Wachstumsraten von etwa 15 Prozent einstellen kann. Andere bekannte Analysen gehen von maximal 20 Prozent aus. Die befragten Dienstleister rechnen indes mit zum Teil deutlich höheren Zuwächsen. So kalkulieren die "Big Player", die Jahresumsätze von mehr als 200 Millionen Mark verzeichnen, mit einer jährlichen Steigerung ihrer Einnahmen um knapp 30 Prozent; kleinere Anbieter erhoffen sich sogar ein Plus von mehr als 70 Prozent.

Für diese große Diskrepanz haben die Autoren der Untersuchung auch eine Erklärung parat. Demnach hoffen vor allem die kleineren Service- und Dienstleistungsunternehmen, durch größere Flexibilität auf die zu erwartenden Veränderungen am Markt schneller reagieren zu können. Gemeint sind zum Beispiel "Last- Minute"-Projekte in Sachen Euro- und Jahr-2000-Umstellung, bei denen diverse Nischenanbieter wohl auf eine Art Feuerwehrrolle spekulieren oder Individuallösungen von denen später noch die Rede ist.

Eine Betrachtung der Wachstumsraten des Jahres 1997 zeige jedoch, daß es meist die Großen sind, die derzeit eine überproportionale Umsatzsteigerung verzeichnen können, so die Studie weiter. Und: Nimmt man den Trend zur Konzentration und "Mergerfreudigkeit" unter den führenden Anbietern hinzu, könne man daraus schließen, daß sich die Erwartungen kleinerer Unternehmen "nicht unbedingt voll erfüllen werden".

Die Einschätzung in puncto Marktentwicklung spiegelt sich im übrigen auch in der Personalplanung wider. Demnach soll bei den großen Beratungshäusern die Zahl der Mitarbeiter bis zur Jahrtausendwende um ebenfalls knapp 30 Prozent wachsen, während kleinere Dienstleister ihren Pool an Spezialisten um gut die Hälfte aufstocken wollen. Wie die Firmen dies im einzelnen bewerkstelligen wollen, läßt die Untersuchung allerdings offen. Als Hauptschwierigkeit bei der Durchsetzung dieses Vorhabens nennen die Personalabteilungen den Mangel an ausreichend qualifizierten Bewerbern, heißt es lapidar.

Eine für die Kunden der IT-Dienstleister im Zweifel wichtigere Kennzahl dürfte die Produktivität der einschlägigen Anbieter - gemessen am Pro-Kopf-Umsatz - sein. Hier kommt die Untersuchung zu zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. EU-weite Spitzenreiter sind demnach - basierend auf den Ergebnissen des Geschäftsjahres 1997 - Computer Associates (CA) und General Electric (inklusive Compunet) mit einem Pro-Kopf-Umsatz von jeweils 645 000 Mark, gefolgt von Digital Equipment (577 000 Mark) und Siemens Business Services (SBS) mit 500000 Mark. Weltmarktführer IBM Global Services belegt mit 411000 Mark Platz vier, während klassische Dienstleister wie EDS oder Beratungshäuser wie KPMG mit Werten von 293000 beziehungsweise 288000 Mark deutlich abgeschlagen rangieren.

Für diese "Produktivitätsunterschiede" gibt es laut Studie zwei Erklärungen: Unternehmen mit vergleichsweise geringem Umsatz und Overhead seien "gewinnintensiver", womit vor allem auf die aktuellen Schwierigkeiten von EDS angespielt wird. Überdies müsse man berücksichtigen, daß produktgetriebene Dienstleister wie CA oder Digital aufgrund ihres naturgemäß weniger personalaufwendigen Soft- beziehungsweise Hardwaregeschäfts in diesem Punkt zwangläufig bessere Bilanzkennziffern vorweisen können. Nicht umsonst könnten deshalb unter den zehn ersten Plätzen lediglich zwei Unternehmen dem "engeren Beratungs- und Integrationsbereich" zugeordnet werden.

Interessant für Anwenderunternehmen dürfte auch sein, welche Marktsegmente beziehungsweise Services die IT-Dienstleister im einzelnen ausbauen wollen, welchen Bedarf sie bei ihrer Kundschaft erwarten. So geht man der Untersuchung zufolge auf Anbieterseite davon aus, daß die strategisch konzeptionelle Beratung, etwa im Bereich Internet-Commerce, mittelfristig die mit Abstand größte Bedeutung haben wird. Es folgen die technische Umsetzung entsprechender Konzepte inklusive Entwicklung individueller Softwarelösungen sowie die Anpassung bereits implementierter Standardsoftware. Vor allem letzteres korrespondiere mit dem Trend, das "Rad nicht immer wieder neu erfinden zu wollen", wenn Kunden die Adaption einer verbreiteten Standardlösung bevorzugen, um mit der schnellen technologischen Entwicklung Schritt halten zu können.

Der Konzentration auf seiten der Anbieter sowie die Fokussierung auf das Geschäft mit Standardlösungen, die wiederum vor allem von den großen Dienstleistern angeboten werden, stehe indes ein Trend zur Individualisierung gegenüber. Entsprechende Services lassen sich jedoch vorwiegend im Portfolio kleinerer und mittlerer Unternehmen finden. So hätten beispielsweise SAP und Microsoft eine Vielzahl von Partnern, die auf Basis einer Standardplattform konkrete Kundenwünsche erfüllen und Spezial- oder Branchenlösungen entwickeln, brechen die Autoren der Studie im Schlußkapitel doch noch eine Lanze für die kleineren Provider - und natürlich für ihren Auftraggeber.