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09.04.1993 - 

Franzosen setzen grosse Hoffnungen in den Resterwerb der Briten

Cap Gemini will mit Hoskyns das Outsourcing-Geschaeft forcieren

Billig war die Transaktion fuer Cap Gemini nicht (siehe auch CW Nr. 13 vom 26. Maerz 1993, Seite 109). Hatten die Franzosen 1990 fuer die 70-Prozent-Beteiligung rund 200 Millionen Pfund (damals rund 537 Millionen Mark) auf den Tisch gelegt, so kostete der Rest aufgrund der damaligen Vereinbarung jetzt 145 Millionen Pfund. CGS-Chef Serge Kampf indes erklaerte kuerzlich, sicherlich habe der finanzielle Aufwand fuer die mehrheitliche Hoskyns-Uebernahme 1990 die Rentabilitaet des Unternehmens zunaechst geschmaelert. Doch man werde schon bald erkennen, "was dieser Erwerb fuer unsere kuenftige Entwicklung in Europa wirklich bedeutet".

In der Tat verfuegt CGS nun mit der 100-Prozent-Tochter Hoskyns ueber eine strategische Speerspitze in den fuer die DV-Branche zunehmend wichtigeren Marktsegmenten Facilities Management und Outsourcing. Der britische DV-Dienstleister macht bereits 42 Prozent seines Umsatzes von umgerechnet rund 490 Millionen Mark in diesen beiden Bereichen.

Nach Angaben des Marktforschungsinstitutes Input haelt Hoskyns rund 22 Prozent am britischen Markt fuer Facilities Management und Outsourcing, der seinerseits mit 39 Prozent Anteil in diesen Bereichen den groessten Landesmarkt Westeuropas darstellt.

Cap Gemini kommt nach der letztjaehrigen Uebernahme der schwedischen Programmator und der niederlaendischen Volmac sowie durch die Verbindung mit Debis derzeit in Europa auf einen Marktanteil bei beiden Bereichen zusammen von schaetzungsweise zwoelf Prozent. Vor 1990 waren die Franzosen weder in dem einen noch in dem anderen Marktsegment vertreten.

Was den Umsatzanteil bei Facilities Management und Outsourcing angeht, so erhofft sich CGS durch die zahlreichen Akquisitionen eine Steigerung von derzeit 20 auf 40 Prozent bis Ende der 90er Jahre. Erforderlich ist dazu allerdings ein jaehrliches CGS- Wachstum von rund 20 Prozent in beiden Bereichen. Dies bedeutet, dass die Franzosen hier ebenso rasch zulegen muessen wie das Facilities-Management- und Outsourcing-Geschaeft in Westeuropa insgesamt.

Woolworth entschied sich fuer Hoskyns-Service

Durch den Hoskyns-Deal stehen die Vorzeichen fuer den franzoesischen DV-Dienstleister guenstig, die ins Visier genommenen Umsatzziele zu erreichen. Sowohl Facilities Management als auch Outsourcing haben in Grossbritannien eine bereits mehr als 20jaehrige Tradition; Hoskyns selbst praktizierte das Servicekonzept erstmals 1970 fuer einen Kunden der Farben- und Lackbranche. 1992 schloss die CGS-Tochter mit 25 neuen Vertraegen auf diesen Gebieten doppelt so viele Kontrakte wie im Jahr zuvor. Ihr Gesamtwert von umgerechnet rund 400 Millionen Mark entspricht etwa 80 Prozent eines gesamten Jahresumsatzes des Unternehmens.

Im Februar ergatterte Hoskyns einen weiteren lukrativen Auftrag: Die Warenhausgruppe Woolworth vertraute dem britischen DV- Dienstleister im Zuge einer Modernisierung ihrer 800 Verkaufsstellen die Migration des zentralen DV-Systems von einer MVS- auf eine AS/400-Plattform an.

Dieses Projekt wird Hoskyns nicht nur rund drei Jahre beschaeftigen, sondern dem Unternehmen auch Einnahmen von zirka 25 Millionen Mark bescheren. Woolworth wiederum erwartet von der Umstellung die Verringerung der Fixkosten im Bereich der Management-Informationssysteme (MIS) um 20 Prozent.

Der Deal des Jahrzehnts wartet auf die britischen Outsourcer jedoch im Bereich der oeffentlichen Verwaltung. Die Finanzaemter des Landes wollen bis Ende der 90er Jahre ihren gesamten zentralen DV- Betrieb, wo immerhin 2000 Mitarbeiter beschaeftigt sind, auf externe Dienstleister uebertragen. Hoskyns ist dabei freilich nicht der einzige Bewerber. Auch ICL, IBM und EDS bemuehen sich um den Acht-Jahresvertrag.

Darueber hinaus, so erlaeutert der fuer Facilities Management und Outsourcing zustaendige

Hoskyns-Direktor Tony Robinson, laesst ein sogenannter Produktivitaetsausschuss des britischen Kabinetts derzeit noch 22 000 weitere IT-Jobs in diversen Ministerien sowie Behoerden auf ihren "Marktwert" untersuchen.

Methodisch sieht das Hoskyns-Management Facilities Management und Outsourcing in einem breiteren Kontext als beispielsweise in Deutschland ueblich. Zwar veranlassen auch auf der Insel wachsender Kostendruck bei Betrieb zentraler DV-Anlagen sowie eine immer heterogenere Hardware-Umgebung die Unternehmen zum Rueckgriff auf externe Dienstleister. Eher selten aber, so Robinson, "kommt ein Kunde mit dem ausdruecklichen Wunsch zu uns, ein guenstigeres Verhaeltnis von Aufwand und Wirkung im DV-Betrieb zu erzielen oder kostentraechtige Ueberkapazitaeten seiner Mainframe-Ausstattung zu beseitigen".

Viel haeufiger erzwingen nach Auskunft des Hoskyns-Direktors wirtschaftliche Neuorientierungen einen Umbau im DV-Betrieb: die Uebernahme einer anderen Firma, die Verlegung des Hauptsitzes, Reorganisationen im Vertrieb und in der Logistik oder neue gesetzliche Auflagen im Steuer- und Finanzwesen - Ereignisse, die bei der Expansion von Unternehmen in der EG oder bei der Anpassung an die neuen Gegebenheiten im europaeischen Binnenmarkt kuenftig in noch groesserem Rahmen zu bewaeltigen seien.