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22.11.1991 - 

Cassoni darf sich nur noch um Auslandsgeschäfte kümmern

Carlo De Benedetti schwingt bei Olivetti wieder das Zepter

IVREA (CW) - Olivetti-Chairman und Großaktionär Carlo De Benedetti wird künftig wieder die operative Verantwortung für den Computerbauer tragen. Damit fällt Vittorio Cassoni, der die Geschicke Olivettis in den vergangenen dreieinhalb Jahren managte, ins zweite Glied zurück. Er ist nunmehr für die internationalen Geschäfte zuständig.

Die Entscheidung De Benedettis, das Unternehmen wieder selbst zu managen, fiel nur wenige Wochen nach den Halbjahresverlusten von Olivetti. Erstmals seit 13 Jahren mußte der Informatikkonzern aus lvrea wieder rote Zahlen melden zur Halbzeit 1991 war ein Fehlbetrag von 73,7 Milliarden Lire (umgerechnet knapp 100 Millionen Mark) angefallen. Für das Gesamtjahr prognostizieren Marktforscher dem Unternehmen gar ein Minus von 100 Milliarden Lire.

Der italienische Großindustrielle, der 42 Prozent der Olivetti-Aktien hält, will nun das Blatt wenden. Schon einmal, nämlich 1978, schaffte er es, das damals auf Schreibmaschinen spezialisierte Unternehmen aus den roten Zahlen zu manövrieren. Er restrukturierte Olivetti, änderte das Produktportfolio und führte die Ivrea-Gesellschaft schon 1979 wieder in die schwarzen Zahlen. Fortan nahm der Gewinn stetig zu, bis sich 1987 ein erster Profitrückgang einstellte. Da hatte aber De Benedetti das Zepter längst wieder aus der Hand gegeben, war mehr damit beschäftigt, ein europäisches Geschäftsimperium aufzubauen, was allerdings mißlang.

Mitte 1988 holte der Olivetti-Chairman nach der gescheiterten Kooperation mit AT&T Vittorio Cassoni ins Headquarter nach Ivrea zurück, der zuvor Chef der Nordamerika-Tochter von Olivetti gewesen und 1986 im Rahmen des Bündnisses mit den New Yorkern zum Leiter der Data Systems Division des Telefonriesen ernannt worden war. Cassoni zeichnete fortan für das gesamte operative Geschäft von Olivetti verantwortlich, konnte aber die finanzielle Talfahrt des italienischen Computerherstellers nicht stoppen. Zuletzt versuchte er wie viele andere Marktteilnehmer auch, das Unternehmen mit umfangreichen Umstrukturietungsprogammen und die im vergangenen Jahr in Italien heftig kritisierten drastischen Personalkürzungen doch noch verlustfrei durch die Krise des europäischen DV-Marktes zu bringen.

Zur Rückkehr auf den Chefsessel scheinen De Benedetti aber nicht nur die roten Zahlen bewogen haben. Denn Cassonis Maßnahmen, so glaubt mancher Analyst, werden Olivetti schon im kommenden Geschäftsjahr wieder bessere Zeiten, sprich: Profit, bescheren. Vielmehr wird Olivettis Großaktionär wohl erst einmal interne Querelen in der Führungsetage des Computerhersteller zu beseitigen haben. Wie die "Financial Times" schreibt, kehrten in den vergangenen 18 Monaten zahlreiche Topmanager dem Unternehmen den Rücken, weil es immer wieder zu Auseinandersetzungen hinsichtlich der Strategie gekommen war.