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10.05.2005

Carr beschwört das Ende des Corporate Computing

Nicholas Carr, Autor von "Does IT Matter?", sprach mit Kathleen Melymuka von der CW-Schwesterpublikation "Computerworld".

CW: Der Titel Ihres jüngsten Artikels lautet "Das Ende des Corporate Computing". Warum?

Carr: Bislang wurde unterstellt, Firmen müssten die grundlegenden Mittel des Computing selbst besitzen. Wir nähern uns aber einer Zeit, in der diese Aktiva zunehmend von den Unternehmen weg in Richtung zentralisierter Versorgungsunternehmen wandern werden.

Diese Verlagerung erinnert an die Situation von vor 100 Jahren, als Fertigungsunternehmen noch ihre eigenen Generatoren betrieben, um ihre Maschinen mit Strom zu versorgen. Im Lauf von 20 bis 30 Jahren haben sie diese Generatoren dann abgeschaltet und ihre Elektrizität von Energieversorgern bezogen. Ebenso wenig, wie wir heute noch von firmeneigener Stromversorgung sprechen, wird wohl morgen von Corporate Computing die Rede sein.

CW: In den vergangenen Jahren wurde viel über das Thema Utility Computing diskutiert. Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz davon?

Carr: Ich betrachte die Wirtschaftlichkeit des Business Computing und nicht die reine Technik des Utility Computing. Bei den bisherigen Diskussionen ging es ja häufig um isolierte Beispiele für gehostete Anwendungen - wie bei Salesforce.com oder Firmen, die die Websites anderer Unternehmen hosten. Natürlich kann man dies als fragmentiertes Phänomen sehen, bei dem eine Reihe von Unternehmen eine begrenzte Anzahl ausgelagerter Dienstleistungen anbieten.

Meines Erachtens steht uns aber eine weit größere Veränderungswelle bevor, bei der das heutige Modell des Business Computing vollständig auf der Fragmentierung grundlegender Assets basiert - jeder muss sich im Grunde ähnliche Ausrüstung und Software zulegen. All das lässt sich letztlich außerhalb der Firmen zentralisieren, was zu einer erheblichen Effizienzsteigerung führen wird. Für die Anwender bedeutet das geringere Kosten und höhere Zuverlässigkeit.

CW: Dabei würde es sich aber eher um einen graduellen Prozess als um ein einmaliges Ereignis handeln, oder?

Carr: Absolut. Wir werden nicht morgen aufwachen und unsere sämtlichen Computing-Bedürfnisse über eine Steckdose in der Wand befriedigen. Es werden wohl zwei Jahrzehnte vergehen, bis sich diese Entwicklung vollzogen hat. Die Utility-Dienstleister müssen erst einmal die entsprechende Größe und hinreichend Know-how entwickeln, um die expandierenden internen Rechenzentren ablösen zu können. Kleinere Unternehmen, denen Kauf und Betrieb eigener Systeme schwer fällt, werden vermutlich die ersten sein, die auf ein Utility-Modell umsteigen. Mit zunehmender Effizienz wird es dann aber auch Skalenvorteile gegenüber größeren Unternehmens-IT-Funktionen bieten.

CW: Das Utility-Modell führt in die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Das bereitet IT-Verantwortlichen zu Recht Sorge.

Carr: In der Tat besteht die Gefahr, dass zu große Teile dieser sehr wichtigen Infrastruktur in die Hände zu weniger Anbieter fallen. Daher gilt es, auf höchster Ebene einen starken Wettbewerb sowohl zwischen den Versorgern als auch unter den Zulieferern sicherzustellen. Wie auch im Bereich Elektrizität könnte es hierzu erforderlich werden, dass die Regierung eine allzu starke Konsolidierung verhindert.

Für die Firmen gibt es bestimmte Risiken, wenn sie ihre Assets bei einem Lieferanten konsolidieren. Schlußendlich wird aber der Vorteil, die Verantwortung für teure, heikle Gerätschaften abgeben zu können, dazu führen, dass sie ihre Ängste überwinden und deren Betrieb jemand anderem überlassen.

CW: Wenn man die Elektrizitäts-Analogie weiterführt: Dort existiert die Art von Sicherheitsrisiken wie bei der Datenübertragung nicht. Wie passt die Security hier ins Bild?

Carr: Die zentralisierte Kontrolle über einen Großteil der grundlegenden IT-Infrastruktur wird letztendlich das Sicherheitsniveau über das heute noch stark fragmentierte und verteilte Modell hinaus heben. Einer der Vorteile des Utility-Modells ist, dass der gesamte Erfolg und das Schicksal des Versorgers von seiner Fähigkeit abhängt, Sicherheit zu gewährleisten. Andererseits gibt es natürlich Security-Probleme, sobald es um die Konsolidierung von Daten geht. Um das Maß an Sicherheit zu erreichen, das ein Aufkommen wirklich großer Utilities ermöglicht, sind auf technischer und auf Policy-Ebene noch einige Innovationen und Verbesserungen erforderlich. Die Wirtschaft wird diese mit der Zeit vorantreiben.

CW: Existiert in Ihrer Vision noch irgendetwas, das man als IT erkennen kann?

Carr: Nach diesem Modell wird die IT-Abteilung in ihrer heutigen Form wohl kaum weiterbestehen. Ich denke, es werden aber auch künftig Leute mit tief gehendem technischem Knowhow und ausgeprägtem Geschäfts- und Prozesswissen gebraucht, die das, was von externen Lieferanten bezogen wird, übersetzen und mit den eigenen Prozessen verbinden können.

Das komplette Interview lesen Sie unter www.computerwoche.de/go/*75017. (kf)