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11.02.2005

Carrier bringen sich in Stellung

Die Geschäftsmodelle der Netzbetreiber haben sich überlebt. Eine strikte Trennung von Festnetz und Mobilfunk ist passé, die Zukunft gehört konvergenten Servicepaketen.

Der Verdrängungswettbewerb unter den Netzbetreibern macht auch vor klangvollen Namen nicht Halt. Unlängst erwischte es mit AT&T ein Urgestein der TK-Geschichte. Die gute alte "Ma Bell" wurde nach über 120-jähriger Firmengeschichte ausgerechnet von ihrer Tochter SBC Communications geschluckt, einer der 1984 entstandenen Baby Bells. Der Traditionskonzern AT&T wurde damit Opfer seiner verfehlten Marktstrategie. Das Unternehmen hatte seine Mobilfunkaktivitäten aufgegeben und sich nur noch auf das Festnetzgeschäft konzentriert - einen Markt, der von schwindenden Margen, Umsätzen und Kundenzahlen geprägt ist.

AT&T setzte auf das falsche Pferd und degradierte sich selbst zum Übernahmekandidaten. SBC, das neben seinen historisch gewachsenen Festnetzaktivitäten auch die Mehrheit an dem erfolgreichen US-Mobilfunker Cingular hält, schlägt durch die Übernahme mehrere Fliegen mit einer Klappe. Der Carrier kann nun sein regionales Festnetzgeschäft mit den nationalen und internationalen Netz- und Servicekapazitäten von AT&T kombinieren und einen großen Kundenstamm übernehmen. Zudem hat das texanische Unternehmen jetzt die infrastrukturellen Voraussetzungen, netzübergreifend integrierte Produkt- und Serviceportfolios zu entwickeln. Mit anderen Worten: Die Kunden sollen Mobilfunk-, Festnetz- und auch WLAN-Dienste aus einer Hand im Rahmen eines One-Stop-Shopping beziehen können.

Nix is fix

Das Beispiel SBC steht stellvertretend für einen weltweiten Umbruch im Carrier-Markt. Die jüngste Übernahme von MCI durch Verizon rundet das Bild ab. Immer mehr Netzbetreiber sind dabei, ihre Konzernstrukturen und Geschäftsmodelle auf eine Konvergenz zwischen Mobilfunk und Festnetz auszurichten. Ziel ist, den Umsatzschwund bei der klassischen Sprachkommunikation durch neue Dienste aufzufangen.

Wie wichtig eine rasche Reaktion ist, zeigt der noch immer hohe Anteil des traditionellen Sprachverkehrs an den gesamten Festnetzeinnahmen. Gartner beziffert ihn mit 60 Prozent. Ein weiterer Einbruch hätte für die Carrier also gravierende finanzielle Folgen, ist den Analysten zufolge aber unausweichlich. Vor allem Voice over IP (VoIP), Breitbanddienste und der Mobilfunk nagen an den Erlösen des klassischen Telefondienstes.

Sprache im Paketformat

Einer Studie der Management-Beratung Arthur D. Little zufolge wird der Breitbandmarkt in Deutschland in den nächsten Jahren einen Boom erleben und jährlich im Schnitt um 13,5 Prozent wachsen. Die Verbreitung schneller DSL-Internet-Zugänge kommt dann vor allem VoIP zugute. Bis 2010 sollen 30 Prozent der Sprachkommunikation hierzulande darauf entfallen.

Neben VoIP und Breitbandanschlüssen versuchen die Telcos, mit weiteren Angeboten den Festnetzumsatz anzukurbeln. Dazu zählen IP VPN, Quality of Service beim Internet Access oder Managed Services wie zum Beispiel Sicherheitsdienste oder das Hosting von virtuellen TK-Anlagen. Vollsortimenter wie die Deutsche Telekom sind darüber hinaus auf Konzernebene auch noch in der Lage, mit dem Mobilfunkgeschäft Ausfälle im Festnetz-Business abzufedern.

Bei den Carriern setzt sich unterdessen aber die Erkenntnis durch, dass ein reiner Parallelbetrieb der Sparten Festnetz, Mobilfunk und Internet, die sich gegenseitig kannibalisieren, kein Business-Modell mit Zukunft ist. Die Unternehmen sind vielmehr gefordert, ein Miteinander der Netzwelten, also Synergieeffekte zwischen allen Infrastruktur-, Produkt- und Servicebereichen zu schaffen. Am Ende dieses Prozesses werden für den Kunden dann über die verschiedenen Netze hinweg ein Endgerät, eine Rufnummer, eine Mailbox sowie eine Rechnung für sämtliche Services stehen.

Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Dennoch haben die Strategen in den Unternehmenszentralen damit begonnen, ihre internen Strukturen und Angebotspaletten zu überdenken und die Neuorganisation einzuleiten. In diesem Licht sind die Aktivitäten der France Télécom zu sehen, die ihre börsennotierten Töchter Orange (Mobilfunk), Wanadoo (Internet) und Equant (Geschäftskunden) wieder in den Konzern integrierte. Der Rückkauf von T-Online durch die Telekom oder die Ankündigung von Mobilcom, den Internet-Provider Freenet komplett zu erwerben, zielen in die gleiche Richtung. Die Provider wollen dem Kunden gebündelte Produkte anbieten und ihn dadurch fest an sich binden.

Attraktive Synergien

"Viele europäische TK-Anbieter werden versuchen, die Trennung zwischen Festnetz und Mobilfunk aufzuheben", prognostiziert Roman Friedrich, Geschäftsführer der Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton, den kommenden Trend. Abläufe und Aktivitäten im Vertrieb, Marketing, Branding sowie im operativen Bereich auf der Netzebene, die bisher getrennt waren, würden, so der Experte, stärker zusammengefasst. "Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die finanziellen Vorteile aus Synergien über Produktsparten hinweg sehr attraktiv sind. Man hat außerdem erkannt, dass viele Kunde die Bündelung von Produkten schätzen", erklärt Friedrich den Sinneswandel der Netzbetreiber.

Ihre Denkweise und Business-Pläne nicht mehr auf die einzelnen Sparten, sondern auf eine Gesamtschau einzunorden fällt den Unternehmen allerdings unterschiedlich schwer. Ein Hindernis bei der Umsetzung war und ist teilweise noch die Börsennotierung einiger Töchter. Als eigenständige Unternehmen sind sie dem Shareholder Value verpflichtet und müssen zwangsläufig auch dort Umsätze generieren, wo es der Konzernmutter Schmerzen bereitet.

Um dieses Dilemma aufzulösen, kaufen die Carrier nun ihre Töchter zurück. TK-Spezialist Friedrich begrüßt in diesem Zusammenhang die Rückholaktion von T-Online durch die Telekom. Dadurch würden viele interne Probleme gelöst, das Konkurrenzdenken im Konzern beseitigt und die Verbraucher nicht weiter verwirrt. Mit der Migration zu Fixed Mobile Convergence sollten sich die Netzbetreiber jedoch beeilen. Die Zeit drängt, weil auch die Wachstumsmärkte Breitband, Voice over IP und Mobilfunk hart umkämpft sind und mit einem Verfall der Margen zu rechnen ist. Es ist für alle Anbieter daher von Interesse, mit gebündelten Produkten und Services neue Umsatzfelder zu erschließen, um Wachstum zu sichern.

Wie wichtig es für die Netzbetreiber ist, ihr Portfolio dienste-übergreifend zu integrieren, veranschaulicht das Beispiel Finnland. Dort haben 35 Prozent aller Haushalte keinen Festnetzanschluss mehr. Die Substitution durch den Mobilfunk und eine Abwanderung der Kunden zu reinen Wireless-Anbietern können die Vollsortimenter nur durch einen bunten Servicemix und günstige Tarife aufhalten. Provider wie Telia-Sonera oder Telenor haben deshalb reagiert. Ihre Ablauforganisation orientiert sich nicht mehr an den einzelnen Produktsparten, sondern an den Segmenten "Privatkunden" und "Geschäftskunden". Für die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe werden übergreifende Pakete geschnürt.

Draht ist schneller als Funk

Den Festnetz-Providern und Allroundern könnte dabei das Internet in die Hände spielen. Da der Web-Access über breitbandige Festnetzzugänge schneller als über UMTS-Verbindungen im Mobilfunk erfolgt, haben die klassischen Netzbetreiber hier ein Pfund, mit dem sie noch wuchern können. Allerdings schicken sich die reinen Mobilfunker wie zum Beispiel O2, mit dem Dienst "Surf@home" an, schnellen Internet-Zugriff ohne Festnetzanschluss anzubieten. Mit High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) steht außerdem ein Übertragungsverfahren vor der Tür, das Datenraten von bis zu 2 Mbit/s ermöglichen soll.

Umsatz durch Applikationen

Insbesondere die großen Konzerne werden aus Sicht von Berater Friedrich Komplettlösungen erwarten. Für Großunternehmen zähle bei der Auswahl des Providers noch vor dem Preis, ob er in der Lage sei, alle Bedürfnisse abzudecken. "Die so genannten Corporate-Accounts wollen nicht zwischen Mobilfunk und Festnetzlösungen unterscheiden, sondern integrierte Dienste", sagt der Consultant und nährt bei den Anbietern Hoffnung auf künftige Gewinne: "Die Perspektive liegt darin, die breitbandigen Infrastrukturen mit Applikationen zu füllen und damit neue Umsatzpotenziale zu erschließen. Wir haben gerade erst damit begonnen, die Applikationsvielfalt auszuleben." Sowohl Mobilfunkern als auch Festnetzanbietern öffne sich hier ein interessantes Wachstumsfeld.