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27.04.1984 - 

Die Franzosen setzen alles auf eine Karte:

"Carte a memoire" scheidet die Geister

MONTREUX (VWD) - Wenn es nach den Franzosen geht, wird Siegeszug der herkömmlichen Scheck-Karte in Europa bald Ende gehen: Vom Staat kräftig fördert, setzt die französische Industrie auf die "Carte a memoire". Die mit einem Mikroprozessor ausgerüstete Speicherkarte stößt aber inzwischen auch weltweit auf großes Interesse. In der Bundesrepublik soll eine erste Entscheidung demnächst über einen Modellversuch mit der neuen Karte fallen.

Äußerlich unterscheidet sich mit einem Mikrochip vom Typ Bull CP8 ausgerüstete Carte a memoire kaum von der bisher üblichen Magnetkarte. Der nur 1,6 Zentimeter große, kreisrunde Mikroprozessor der linken Ecke macht die Karte jedoch "intelligent". Die Plastikkarte läßt sich nur schwieriger fälschen. Ihr Hauptvorteil liegt in ihrem erheblich größeren Speichervermögen (8 KBit gegenüber nur 400 Bit bei herkömmlichen Karten) und in ihrer Programmierbarkeit.

Die eifrigsten Verfechter der neuen Plastikkarte träumen aber bereits davon, eine Universalkarte auf den Markt zu bringen, die beispielsweise auch persönliche Gesundheitsdaten wie Blutgruppe oder Allergieanfälligkeiten enthalten oder auch zur Zugangskontrolle benutzt werden könnte.

Auch eine ganze Palette weiterer kommerzieller Einsatzmöglichkeiten ist im Gespräch. So setzt das französische Computerunternehmen Circard die Speicherkarte ein, um sich vor Softwarepiraterie zu schützen. Die Softwaredisketten können nur überspielt werden, wenn zuvor eine mitgelieferte Chipkarte in ein Zusatzgerät eingeführt wurde. Jede Anspielung wird so registriert.

Insgesamt 6,6 Milliarden Franc sollen in Frankreich bis 1990 in den Aufbau eines umfassenden elektronischen Systems investiert werden, das auf der Carte a memoire aufbaut. 10 000 Bargeldautomaten sollen bis dahin aufgestellt, rund 100 000 Point-of-Sales-Stationen (POS) in Warenhäusern und Einzelhandelsgeschäften eingerichtet werden. Die französische Post- und Fernmeldeverwaltung will im gleichen Zeitraum die Hälfte aller 250 000 Telefonzellen auf den bargeldlosen Betrieb mit der Speicherkarte umstellen.

Die französischen Unternehmen sollen von der Post mit billigen Kleinterminals mit entsprechenden Kartenlesegeräten ausgerüstet werden. 600 000 dieser "Minitels" wurden bereits bestellt, 500 000 weitere werden noch in diesem Jahr geordert. Durch diese Verbindung mit de französischen Bildschirmtext System, soll die Carte a memoire so zum allseitig verwendbaren "Schlüssel" für Buchungen, Bargeldabhebungen, öffentliche Telefonzelle und vieles mehr werden.

Trotz technischer Vorteile stößt das französische Speicherkartensystem jedoch bei vielen Banken und Unternehmen auf Skepsis. Kritiker verweisen nicht nur auf die erheblich höheren Herstellungskosten für die Carte a memoire: Ihr Stückpreis liegt rund viermal so hoch wie der Preis der Magnetkarte. Deutsch Bankiers betonen vor allem, daß da bisherige Eurocheque-System die Bedürfnisse der Kundschaft bislang voll befriedigt habe. Nur ein umfassendes elektronisches System aber mache die Speicherkarte sinnvoll. Ein derartiges System sei vorläufig der Bundesrepublik angesichts des störanfälligen und teuren Fernmeldenetzes nicht denkbar.

Auch nach einem vom US-Handelskonzern J. C. Penney Co. unterstützten Feldversuch mit der Speicherkarte (Smartcard) in den Vereinigten Staaten wurden eine Reihe von Bedingungen für den erfolgreichen Einsatz der neuen Karte formuliert, deren Erfüllung bisher nicht in Sicht ist: Besonders bedenklich sei das Fehlen einheitlicher Normen für den weltweiten Einsatz von Speicherkarten und elektronischen Lesegeräten.