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13.04.1990 - 

Eine Studie von Sentry Market Research gibt Auskunft

CASE: Bei stabilem Markt löst sich der Software-Stau auf

Den US-amerikanischen Markt für Computer Aided Software Engineering (CASE) nahm das in Westborough/Massachusetts ansässige Marktforschungsunternehmen Sentry Market Research unter die Lupe. Hans Keutgen* stellt die Ergebnisse der Studie vor.

Aus einer Grundgesamtheit von etwa 100 000 professionellen Software-Entwicklern wurde eine Stichprobe von 3000 Personen angeschrieben. 860 Personen antworteten, davon gehörten 83 Prozent zum Software-Management oder zur Software-Projektleitung. Damit sind die Aussagen der Studie sehr repräsentativ: Statistisch ausgedruckt sind die Daten zu plus/minus fünf Prozent genau bei einem Konfidenzniveau von 95 Prozent.

Der Studie zufolge werden CASE-Werkzeuge überwiegend in der Fertigung eingesetzt (25,1 Prozent), es folgen die Behörden mit 14 Prozent, wobei zivile Anwendungen mit acht Prozent und militärische Anwendungen mit sechs Prozent ins Gewicht fallen. In der EDV-Branche und in Versicherungen arbeitet jeweils jedes zehnte CASE-Tool.

Eindeutiger Einsatzschwerpunkt der CASE-Technik sind die Management-Informationssysteme. 67 Prozent aller Werkzeuge arbeiten für solche Anwendungen, die typischerweise auf IBM-Rechnern installiert sind. Realzeitsysteme machen etwa 16,3 Prozent der Anwendungen aus.

Diese Verteilung wird untermauert durch die Hardware. Umgebungen, in denen die CASE-Anwendungen arbeiten. Sentry Market Research ist davon überzeugt, daß die weitaus meisten CASE-Anwendungen im Umfeld großer IBM-Rechner zu finden sind. Dies wird aber auch durch die Stichprobe präjudiziert: Der durchschnittliche Befragte kann immerhin auf

sechs Großrechner verreisen, die in seiner Organisation eingesetzt werden. Dabei dominieren IBM-Rechner mit 67 Prozent, DEC erreicht einen beachtlichen Anteil mit 14,9 Prozent.

In der Minicomputerwelt sind die Verhältnisse umgekehrt: Hier unterstützen CASE-Werkzeuge in 38 Prozent der Fälle DEC-Rechner, in 28 Prozent IBM-Geräte. Bei den Workstations arbeiten die meisten CASE-Tools auf Sun Microsystems, bei den PCs - wen wundert's - auf IBM und Kompatiblen. Hier wollen die Anwender vorläufig beim Betriebssystem DOS bleiben: Nur 13 Prozent können sich derzeit vorstellen, im nächsten Jahr OS/2-Applikationen mit CASE zu entwickeln. Die Bedeutung der Software wächst und Software bleibt teuer. Dies spiegelt sich in enormen Budgets für Software wider: Mehr als 22 Prozent der Befragten geben mehr als zehn Millionen Dollar jährlich für Software aus. Die durch die Studie erfaßten Unternehmen deckten dabei fast fünf Prozent des weltweiten Softwarevolumens ab.

Die Inhouse-Entwicklung steht bei den Softwarekosten im Vordergrund. Etwa zwei Drittel der Budgets bleiben im eigenen Haus, für 24 Prozent kauft man Standards ein und für 7,3 Prozent gibt man Software-Entwicklung in Auftrag. Wie viel für selbstgestrickte Werkzeuge aufgewendet wird, läßt die Studie offen; sie faßt zusammen, daß alle Daten über die Anwender in den letzten drei Jahren bemerkenswert konstant geblieben sind.

Noch in eine andere Dimension fächert Sentry Market Research das Softwarevolumen auf. 45,6 Prozent des Aufwandes werden für Softwarewartung verbraucht, nur 31,4 Prozent für neue Entwicklungen. Obwohl diese Zahl schon erstaunlich ist kommen andere Untersuchungen zu noch dramatischeren Ergebnissen: So sagt die Gartner Group, daß 80 Prozent der Entwicklertätigkeit fürs Re-Engineering gebunden sind. Immerhin, die in der Studie CASE 1988-89 befragten Unternehmen lassen sich die Softwarewartung jährlich 830 000 Dollar kosten, während die Anwendungsentwicklung nur 577 000 Dollar verschlingt.

Unter CASE werden heutzutage Entwicklungswerkzeuge verstanden, die den gesamten Life-Cycle der Software unterstützen. Während noch vor zwei Jahren grafische Front-end-Werkzeuge von 18 Prozent der Befragten für CASE gehalten wurden, meinen das heute nur noch 3,4 Prozent.

Auf der Basis dieses breiten Konsenses kann man die Methoden untersuchen, die heute vorwiegend eingesetzt werden. Ganz offensichtlich stehen Structured Design und Structured Analysis unangefochten an der Spitze. Sowohl im Ausbildungsstand (67,1 und 39,5 Prozent) als auch in ihrer Verbreitung (30,2 Prozent und 10,2 Prozent) sind die Methoden von Yourdon und DeMarco führend in den USA. Auch dabei ist seit 1987 eine Stabilität zu verzeichnen, die DeMarco-Schule konnte sich lediglich um zwei Prozentpunkte nach vorne arbeiten.

Daß diese Präferenz auch für den deutschen Markt gilt, belegen hiesige Studien: Diebold stellte jüngst fest, daß Structured Analysis in Deutschland favorisiert wird. Andere Methoden, zum Beispiel Gane/Sarson, Method/1 oder Information Engineering, werden nur jeweils in etwa fünf Prozent der Fälle eingesetzt.

Offensichtlich sind die Anwender zwischen dem Wunsch nach Standards und dem Streben nach Flexibilität hin- und hergerissen. So finden 70,3 Prozent, daß die Standardisierung der Methoden im eigenen Unternehmen eine gute Idee wäre, gleichzeitig sagen aber 53 Prozent, daß eine solche Standardisierung noch nicht geplant sei.

Warum setzen die Unternehmen CASE ein? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Am eindeutigsten fällt diejenige aus, die auf den Softwarestau hinweist. Über 91 Prozent der Befragten waren mit ihm konfrontiert - die meisten maßen ihn in Jahren. Am größten ist der Stau bei Großrechnern, am kleinsten am PC - aber auch hier ist man ein Jahr zurück, wie die Studie herausgefunden hat. CASE spart Zeit und steigert die Produktivität, das bestätigen die CASE-Erfahrenen.

Die Oualitätsverbesserung der Software ist das zweitwichtigste Argument für CASE; für immerhin 39 Prozent der CASE-Nutzer ist sie das wichtigste Kriterium. Daß man mit CASE Geld spart, steht für 13,3 Prozent der Anwender im Vordergrund. Die Zeit- und Kostenersparnis kann von 57 Prozent der CASE-Nutzer sogar quantifiziert werden: Das sollte eigentlich alle überzeugen, die mit ihrem CASE-Einsatz noch zaudern. Um 33 Prozent senkt CASE durchschnittlich die Entwicklungszeit, um 30,5 Prozent die Entwicklungskosten.

CASE ist erwachsen geworden - auch die Produkte sind es. Im letzten Jahr hat es kaum größere Umwälzungen bezüglich der Marktanteile gegeben. Es würde zu weit führen, die einzelnen Produkte in den zwölf von Sentry Market Research genau untersuchten Produktgruppen vorzustellen. Der Markt für Re-Engineering-Tools wird von der Studie besonders detailliert betrachtet, wegen der außergewöhnlichen Dynamik der Produktvorstellungen und des enormen Rationalisierungspotentials, das darin steckt.

Allerdings bleibt dieser Teil der Studie auf den amerikanischen Markt beschränkt, weil viele der aufgeführten Tools hierzulande gar nicht angeboten werden.