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15.04.1988 - 

Input erwartet Zuwachsraten von 40 Prozent, aber:

CASE-Einsatz ist mit Vorsicht zu genießen

15.04.1988

LONDON (CW) - Die Verfahren der Softwareentwicklung können nicht mehr mit dem zunehmenden Bedarf an komplexen Systemen Schritt halten. Zu diesem Ergebnis kam jetzt die Londoner Input Ltd. anläßlich der von ihr erstellten Studie "Computer Aided Software Engineering in Europe 1987-1992".

Der Anwendungsstau läßt sich kaum mehr bewältigen: Weltweit entfallen etwa 60 Prozent der Entwicklungskosten auf die Wartung bestehender Systeme; 20 Prozent fließen in Projekte, die - zum Teil schon vor der Implementierung - wieder abgebrochen werden. Dieser Krise, so folgert die Input in ihrer Studie über den CASE-Markt, sei nur durch ein qualifiziertes Software-Engineering beizukommen.

So stieg denn auch die Softwareproduktivität in den letzten Jahren nur um 4 bis 8 Prozent an, während in demselben Zeitraum der Hardwarebereich eine Produktivitätssteigerung von 30 bis 35 Prozent verzeichnen konnte. Angesichts der Tatsache, daß heute 80 Prozent aller Systemfunktionen in Software implementiert werden - in den 50er Jahren waren es noch weniger als 20 Prozent -, müsse die DV-Industrie mit einer schweren Krise rechnen, prophezeien die Analysten.

Die Lösung für dieses Problem liegt nach Meinung der Marktforscher aber nicht darin, die Enduser darin zu ermutigen, daß sie ihre eigenen Applikationen entwickeln. Vielmehr müsse die DV-Industrie erkennen, daß nur ein diszipliniertes Softwareengineering und ein professioneller Umgang mit dem Entwicklungsprozeß den Weg ebnen kann.

Programmierer hängen an konventionellen Methoden

Aus Anwendersicht existieren laut Input zwei strategische Probleme, die die Entwicklung von CASE-Lösungsansätzen in der Softwareentwicklung beeinflussen. Zum einen seien die Anwender mit der Herausforderung konfrontiert, integrierte Systeme zu entwickeln. Verbunden mit dem DV-Einsatz bei den Endusern, verursache dies einen Anwendungsstau von zirka 45 Prozent. Zum anderen versuchen die Anwender, aus allen Unternehmenszielen, einschließlich der Kapitalinvestition und der Personalplanung, einen Anstieg der Produktivität zu ziehen, um künftig den Marktanforderungen gewachsen zu sein.

Warum allerdings CASE-Lösungen bis jetzt noch keinen allzugroßen Anklang bei den Anwendern gefunden haben, erklärt Input damit, daß seitens der Entwickler ein großer Widerstand vorhanden ist, die konventionellen Programmiermethoden zu ändern. Ferner sei die Unternehmensführung oft nicht gewillt in Schulungen und strukturierte Methoden zu investieren. Auch gebe es Probleme, Investitionen, die auf mangelnde Standards für die Produktivitätsmessung zurückzuführen sind, zu rechtfertigen.

Akzeptanzschwierigkeiten bestünden ferner deshalb, weil viele innovationsfreudige Anwender mit den ersten CASE-Produkten unzufrieden waren: Die Tools konnten den Software-Lebenszyklus nicht voll unterstützen. Auch äußerten sich einige User negativ über die hohen Kosten der Implementierung.

Trotz all dieser negativen Aspekte erwartet Input für die späten 80er Jahre ein großes Potential an CASE-Lösungen. So soll die jährliche Wachstumsrate von derzeit 140 Millionen Dollar bis 1992 um jährlich 40 Prozent auf 750 Millionen Dollar ansteigen.

Anfangs nur im Verteidigungssektor, der Raumfahrt und der Elektronik eingesetzt, würden die Tools mehr und mehr auch im kommerziellen Bereich zum Tragen kommen. So hatten schon einige der von Input befragten Anwender - hauptsächlich aus den Finanzbereichen und der Industrie - nach den anfänglichen Mißerfolgen erhebliche Produktivitätssteigerungen erzielen können. Der größte Gewinn lag jedoch darin, daß die Qualität der Anwendungen erheblich zunahm.

Die Marktanalysten fügen aber hinzu, daß sich dieser Wandel

ziehen werde. Denn viele Unternehmen seien mit ihrer DV-Organisation noch gar nicht so weit, um mit dem Einsatz von CASE-Tools den gewünschten Erfolg zu erreichen. Den Anwendern müsse erst einmal bewußt werden, daß CASE eher die Mitarbeiter als die Technik betrifft.

Personalplanung muß im Vordergrund stehen

Input empfiehlt deshalb, CASE-Lösungen mit Vorsicht zu adaptieren; sie könnten nur im Zusammenhang mit einer ausgereiften und professionellen DV-Umgebung zum Einsatz kommen. Die Unternehmen müßten zuerst erkennen, daß vor allem auf die Softwarequalität und die Produktivität Wert zu legen ist. Danach erst folgten die Methoden der Unternehmensführung, und zuletzt käme die verwendete Technik. Wichtig sei es deshalb, sich vornehmlich auf die Personalplanung und -verwaltung zu konzentrieren.

Auch sollte darauf geachtet werden, daß nicht nur Geldmittel für spezifische Schulungen sowie fortgeschrittene Techniken bereitstehen, sondern daß auch ein kontinuierliches Training des Managements und der Personalführungskräfte gewährleistet wird. Denn der Softwareingeneur der Zukunft ist sowohl Analyst, der alle Geschäftsbereiche überblickt, als auch Problemlöser und Projektmanager.