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08.05.1992

CASE ist tot, es lebe die Objektorientierung

Diese These geistert derzeit durch Printmedien und Software-Kongresse. Da haben sich die Anwender also endlich von der Notwendigkeit einer ingenieurmäßigen Anwendungsentwicklung überzeugen lassen, und jetzt sollen sie einsehen, daß sie wieder einmal auf dem Holzweg waren? Das darf ja wohl nicht wahr sein!

Ist es auch nicht: Der Antagonismus von CASE und OO ist nämlich ein konstruierter: Auch und gerade eine objektorientierte Anwendungsentwicklung muß dem Kriterium der "Ingenieurmäßigkeit" genügen, wenn sie ihren Joker - die weitgehende Wiedervemendbarkeit von einmal entwickeltem Code - ausspielen will. Soll sie nicht in Wildwuchs ausarten, kann sie auf Analyse und Design ebenso wenig verzichten wie auf ein objektorientiertes Analogon zum Daten- und Prozeßmodell.

CASE ist mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluß. Aber in fünf Jahren werden die Analysten dasselbe vermutlich auch von der Objektorientierung sagen. Schließlich müssen die unbestrittenen Vorteile der OO-Entwicklung zunächst mit einem Vielfachen an Aufwand erkauft werden.

Heute schon zweifeln einige der Professionellen Marktbeobachter, ob sich die reine Lehre der Objektorientierung überhaupt verwirklichen läßt. Die Wirklichkeit wird wohl einmal mehr so aussehen, daß der von kleinen Newcomer-Unternehmen Propagierte Trend von den Major Players aufgenommen und mit den etablierten Techniken vermengt wird. Die Anfänge sind längst gemacht. Ähnlich könnte es dereinst auch bislang noch exotischen Systementwicklungs-Techniken wie Neuronalen Netzen oder Fuzzy-Logic-Systemen ergehen.

Wenn die objektorienterte Software-Entwicklung die mit ihr verbundenen Versprechungen einlöst, dann dürfte ihr größtes Verdienst schließlich darin bestehen, die Diskrepanz zwischen angeforderten und implementierten Systemen verringert zu haben. Vielleicht liegt hier die Antwort auf die Frage, warum diese Technik gerade jetzt sprunghaft an Populärität gewinnt: Im Zuge der Outsourcing-Diskussion finden sich die ehemaligen DV-Org.-Leiter in der Rolle eines Dienstleisters wieder, der sich daran messen lassen muß, wie schnell und exakt er die Ansprüche seiner Kunden erfüllen kann. qua