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27.02.1987 - 

Bestehende Engpässe bei der SW-Erstellung müssen abgebaut werden (Teil 2):

CASE-Konzept verspricht einen Lösungsansatz

In Zukunft dürfte sich der Trend fortsetzen die Software-Erstellung weiter zu automatisieren. Ein möglicher Ansatz hierfür ist das Computer Aided Software Engineering (CASE). Entwicklung und State of the Art dieser noch relativ jungen Disziplin zeigt Jürgen Selig in einem zweiteiligen Beitrag auf.

Viele Hardware-Hersteller bieten heute auch Tools an - häufig Utility-Programme oder Erweiterungen daraus -, die bei der Software-Erstellung eine große Hilfe bedeuten können. In den meisten Fällen bedeuten diese Werkzeuge aber vor allem eine Hilfe für den Hardware-Hersteller selbst, denn er erleichtert damit den Verkauf seiner Hardware und bindet die Benutzer stärker an sich. Software-Werkzeuge der Hardware-Hersteller unterstützen im allgemeinen ausschließlich die Hardware dieses Herstellers und auch nur die Funktionen dieser Hardware. Dies hat schwere Nachteile, wenn ein Unternehmen Produkte verschiedener Hersteller einsetzt, Hardware verschiedener "Generationen" verwendet oder - aus Kostengründen - sehr einfache Systeme mit wenigen Funktionen benutzt.

- Mit Hilfe eines Grafik-Paketes lassen sich die für eine Entscheidung benötigten Daten, zuvor nur in zentimeterdicken Listen verfügbar, griffig in wenigen Charts darstellen und Chancen sowie Risiken klar erkennbar machen.

- Durch intelligentere Programmierung können heute bestimmte Programme erstellt werden, die bisher wegen der langen Projektzeiten nicht angegangen wurden.

- Das Unternehmen erhält den entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, da im Angebot durch den Einsatz eines Grafik-Paketes grafische Darstellungen statt Text und aussagefähige Charts statt seitenlanger Tabellen den Vorteil des eigenen Produktes klarer herauszuarbeiten helfen.

Aufgrund des quantitativ und qualitativ steigenden Bedarfes an Software in allen Bereichen der Industrie und Forschung hat sich der Weg der Herstellung der Software in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Für viele Teilbereiche wurden Software-Werkzeuge entwickelt, die von den Benutzern nun zunehmend eingesetzt werden. Die Vorteile der strukturierten und methodischen Vorgehensweise bei der Software-Erstellung liegen auf der Hand.

So muß der Benutzer von grafischen Terminals, der die Software-Routinen des Terminal-Anbieters um Aufbau von Computer-Grafiken nutzt, ein neues Programm schreien, wenn er auch eine Plotterzeichnung erzeugen will. Denn der Plotter-Anbieter hat ihm seine eigenen Software-Routinen mitgeliefert, die natürlich nicht kompatibel sind und im allgemeinen keinen Gerätetreiber für Grafikgeräte anderer Hersteller bieten.

Demgegenüber können CASE-Systeme von unabhängigen Softwarehäusern dem Benutzer erhebliche Vorteile bieten:

- Die Hardware und Peripherie vieler Hersteller wird unterstützt.

- Auch einfachen Geräten kann mit Hilfe der Software Intelligenz gegeben werden (zum Beispiel Window-Technik für einfache Terminals oder das Füllen von Flächen bei Stift-Plottern); wichtige Funktionen, die bestimmte Geräte bieten und die der Benutzer unbedingt benötigt, können also auf anderen Geräten durch die Software simuliert werden.

- Programme sind zwischen den Systemen verschiedener Hersteller austauschbar und damit leichter zu pflegen.

- Der Übergang von einer Computer-Generation auf die andere ist leichter und der Benutzer kann sich jederzeit neuere Technik nutzbar machen und bessere Preis/Leistungs-Verhältnisse ausnutzen. Der gesamte Bereich der Softwareerstellung wird transparenter und der Computer-Anwender unabhängiger von Entwicklungen im Hardware-Bereich.

CASE-Systeme helfen dem Computer-Benutzer, seine Programmierkosten zu senken, die Produktivität seiner Software-Erstellung zu steigern und insgesamt wirtschaftlicher zu werden. Hier seien nur einige Teilbereiche aufgeführt, in denen eine Steigerung der Produktivität erzielt werden kann: Die Erstellung von Software erfolgt schneller und damit kostengünstiger. Die Einsparungen können 20 bis 80 Prozent betragen. Wo bisher fertige Software-Pakete eingekauft wurden, kann die eigene Software-Abteilung in Zukunft durch Einsatz von CASE die benötigten Systeme selbst schaffen. Die Einsparung der Lizenzgebühren für die Fertig-Software dürfte nicht das Wichtigste sein. Bedeutender ist, daß die eigenen Mitarbeiter das Anwendungspaket auf die spezifischen Anforderungen abstimmen und die gesamte im Unternehmen gesammelte Erfahrung einbringen können.

Wenn bisher Berater beschäftigt wurden, um die Lücken in der eigenen Software-Entwicklung zu stopfen, bringen CASE-Systeme so viel Produktivitätssteigerung, daß auf die Hilfe Dritter verzichtet werden kann. Da es CASE-Systeme den Unternehmen ermöglichen, Strukturen für die zu entwickelnde Software festzulegen - ohne den Programmierern die Individualität zu nehmen -, führt deren Benutzung zur Vereinheitlichung vor allem der Benutzeroberflächen, sowohl im alphanumerischen als auch im grafischen Bereich. Dies reduziert den Aufwand für die Einführung neuer Systeme, bei der Versetzung von Mitarbeitern oder in vergleichbaren Situationen. Der Aufwand für Pflege und Wartung der Software läßt sich um 30 bis 50 Prozent senken, wenn die Programme durch CASE-Systeme erstellt wurde. Dies ist im übrigen der Bereich, in dem die größten Einsparungen erzielt werden können, da für die Betreuung von Software-Systemen über die Lebensdauer das Zwei- bis Dreifache der Entwicklungskosten aufgewandt werden müssen.

Schließlich gibt es viele andere Bereiche, in denen durch den Einsatz der CASE-Technologie die Wirtschaftlichkeit steigt, ohne daß eine Kosteneinsparung unmittelbar erzielt wird.

Es darf aber nicht darüber hinweggesehen werden, daß wir erst am Anfang der CASE-Technologie stehen. Noch ist das Angebotsspektrum zu unübersichtlich, um schon klare Linien aufzuzeigen. Vieles wird CASE genannt, was eigentlich nur dazu dient, die Hardware eines bestimmten Herstellers besser einsetzen zu können. Oder aber es handelt sich um des Hilfsmittel eines Beratungsunternehmens, das zwar diesem zu höherer Produktivität verhilft, aber nicht unbedingt auch allgemeingültige Bedeutung haben muß. Die Anbieter sind sehr unterschiedlich und können Ein-Mann-Berater, Hardwarehersteller, bedeutende Beratungsunternehmen oder aber Softwarehäuser sein, die Software nach industriellen Verfahren erstellen.

Jürgen Selig ist European Managing Director der PVI Precision Visuals International GmbH, Frankfurt.