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Modernes Software-Engineering fördert die Karriere:

CASE verlangt nach Programmierern neuer Art

06.01.1989

"Wir erwarten Kenntnisse in Fortran, Cobol, Pascal . . .", so das bisherige Anforderungsprofil für Programmierer in den Stellenanzeigen der DV-Branche. Immer häufiger jedoch wird zudem Erfahrung im Umgang mit Produkten des Computer Aided Software Engineerings (CASE) gefordert. Die stetig wachsende Komplexität der Software steigert nämlich auch die Nachfrage nach Entwicklern, die Methoden und Werkzeuge zur Software-Erstellung wie CASE beherrschen.

Es ist durchaus denkbar, daß CASE in Zukunft den klassischen Programmiersprachen den Rang ablaufen wird - wenigstens in Personalanzeigen, denn CASE-Erfahrungen sind mehr als nur Kenntnisse eines Software-Pakets. So stellt die Londoner Input Ltd. in ihrer Studie "Computer Aided Software Engineering 1987-1992" sogar fest, daß CASE eher die Mitarbeiter als die Technik betrifft. Input empfiehlt daher, sich bei der Einführung von CASE-Umgebungen auch auf die Personalplanung zu konzentrieren.

Zweifellos ersetzen leistungsfähige CASE-Tools nicht den Programmierer, sondern unterstützen ihn dabei, mehr Produktivität und Ergebnisqualität zu erzielen. Sie entlasten ihn von Routinearbeiten und geben ihm mehr Zeit für Kreativität. Jedoch nur, wenn er die Methoden, auf denen CASE basiert, versteht und akzeptiert. Es genügt dazu nicht, das Handbuch des Tool-Pakets durchgelesen zu haben. Schulung der Methoden wie der optimalen Werkzeugnutzung sind wohl unverzichtbar.

Software-Entwicklung mit CASE will gelernt sein

Namhafte CASE-Produzenten bieten in der Regel Schulungen zu den CASE-Tools und ihren Methoden an. Die meisten CASE-Kunden nehmen solche Angebote gerne wahr, denn sie wissen, daß es sich lohnt, die Zeit bis zur Beherrschung der Methoden und Werkzeuge durch ihre Mitarbeiter abzukürzen.

Wenn DV-Firmen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern CASE-Vorkenntnisse verlangen, dann freilich nicht, um Schulungskosten einzusparen. Schon eher, weil CASE die Arbeit in den Projektgruppen nachhaltig ändert. Hat der "Neue" bereits Erfahrungen mit den veränderten Arbeitsweisen, kann er sich zügiger in seine neue Dienstumgebung einleben - als Mitarbeiter oder auch als Leiter einer Gruppe.

Einheitliche CASE-Methoden einerseits und die intensivierte Kommunikation, die CASE-Tools mit sich bringen, andererseits stärken den Gruppenzusammenhalt. Jeder weiß über die Ziele des gemeinsamen Projekts Bescheid, und jeder kennt die Schnittstellen zu den Projektteilen der Kollegen. Optimale Zusammenarbeit im Team ist heute eine Voraussetzung der Software-Entwicklung. Denn der Umfang und die Komplexität heutiger Projekte ist so groß, daß nur ein funktionierendes Team sie in der - meist sehr kurzen - Projektzeit zustande bringen kann.

Vorteilhaft für Team und Mitarbeiter

CASE stößt jedoch häufig nicht auf spontane Gegenliebe bei den Programmierern. Sie erkennen die Erleichterungen durch gute CASE-Tools zwar an, befürchten aber vielfach, ihrer individuellen Arbeitsweise beraubt zu werden. Dies ändert sich nach Einführung guter CASE-Tools meist recht schnell. Der gemeinsame Erfolg bei der Realisierung eines komplexen Projekts, das Ausbleiben der berechtigten Flüchtigkeitsfehler (mit nachfolgendem Debuggen) und das automatische Anfertigen von Dokumentationen und Pflichtenheften entschädigen reichlich dafür, daß CASE bei der Software-Erstellung eine gewisse Disziplin in der Einhaltung der methodischen Regeln fordert.

CASE beinhaltet mehr als die Methoden, die hinter dem CASE-Paket stecken. Während man die Verfahren auch mit Bleistift, Radiergummi und stapelweise Papier nachvollziehen kann, bedeutet das CA in CASE, daß man von vornherein am Terminal arbeitet, dem klassischen (Hard-) Werkzeug des Programmierers.

Die klaren Strukturen machen das Projekt für alle Projektbeteiligten leicht überschaubar. Die einzelnen Arbeitsabschnitte haben absehbare Ziele. Man kann sich leicht einen roten Faden durch die Arbeit legen und ein Ziel erreicht zu haben, macht den Erfolg spürbar. Das gilt bereits für die frühen Projektphasen. Denn CASE, das sich an Ingenieurmethoden orientiert, unterstützt die Modellbildung. Bereits nach der ersten vollständigen Phase der strukturierten Analyse existiert das komplette System als Modell, noch nicht in voller Auflösung, aber doch als Ganzes erkennbar.

Projekte, die auf diese Weise überschaubarer werden und somit besser zu planen sind, verlaufen für alle Beteiligten angenehmer. Das Risiko für Fehlentscheidungen wird geringer und das Team muß nicht gegen Projektende "rund um die Uhr ackern". In der Software-Branche kursieren ja zahllose Geschichten von Programmierern, die nach Abschluß eines Projekts ein halbes Jahr an Überstunden gesammelt haben sollen.

Auch die "Feuerwehreinsätze" in der Wartungsphase werden durch CASE seltener. Schließlich haben methodisch erstellte Programme allerlei "Feuerproben", zum Beispiel Konsistenzprüfungen, bereits hinter sich. Aus diesem Grund gehören vor allem die Produzenten von Software mit höchsten Zuverlässigkeits-Anforderungen zu den CASE-Kunden. Ein Schiffsbauer will sichergehen, daß seine Schöpfung nicht am Kap Horn wegen eines Softwarefehlers ausfällt und ein Software-Ingenieur ans "Ende der Welt" geschickt werden muß.

Darüber hinaus hat sich CASE als Karriereförderer bewährt. Nicht nur weil CASE-vertraute Softwaremacher gesucht sind, sondern auch weil die Personenunabhängigkeit in Folge von CASE Möglichkeiten eröffnet, neue Aufgaben zu übernehmen. Es ist zwar angenehm für einen Mitarbeiter, zu wissen, "die Firma kann mich als - womöglich einzigen - Kenner eines Systems nicht gehen lassen". Aber wer möchte über Jahre hinweg von einer alten, abgeschlossenen Sache wie von seinem Schatten verfolgt werden? Starke Bindungen an ein Projekt können sich zum Karriere-Hemmschuh entwickeln.

Die klaren Strukturen, die sich dank CASE-Methoden durch die Projekte ziehen, geben auch den Projektverantwortlichen Anhaltspunkte für den Projektfortschritt. So läßt sich der Projektstand recht genau abschätzen.

Die übersichtliche Projektstruktur erleichtert also das Projekt-Management. Der Projektleiter ist weniger den Unwägbarkeiten ausgeliefert. Jedoch stellt die neue Ebene der Zusammenarbeit, die CASE zur Folge hat, auch neue Anforderungen an einen Vorgesetzten. Mit CASE ist es wichtiger denn je, Mitarbeiter mit den Zielen eines Projekts eingehend vertraut zu machen. Denn mit sich ändernden Arbeitsweisen steigen die Qualifikationen der Mitarbeiter. CASE macht neue Programmierer.