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26.08.1988 - 

Brückenschlag zwischen DV- und Fachabteilung wird nicht erleichtert:

CASE-Werkzeuge fördern Inseldenken

*Pedro Schäffer ist Geschäftsführer der Condat GmhH, Berlin.

Der Begriff CASE-Tool bezeichnet neben dem Programm immer auch eine Methode, die schon im Entwicklungsvorfeld der Analyse zur Problemstrukturierung zwingt. Die Aufbereitung der Arbeitsergebnisse als Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen ist, so Pedro Schäffer*, jedoch noch weitgehend unbefriedigend.

In zunehmendem Maße stehen auf dem Markt Tools zur Verfügung, die den Aufwand der Software-Erstellung durch Automatisierung und Standardisierung reduzieren sollen. Ob jedes dieser Produkte das Attribut CASE (Computer Aided Software Engineering) verdient, sei dahingestellt. Wir verstehen unter CASE unter anderem ein Werkzeugbündel, das die Arbeiten von der Analyse bis zur Implementierung unterstützt.

Bei der Entscheidung für ein CASE-Tool kam es uns nicht darauf an, ein Werkzeug zu finden, welches lauffähige Programme für einen bestimmten Anwendungskreis generiert. Als Softwarehaus sind wir mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Problemstellungen für verschiedene Hardware- und Softwareumgebungen konfrontiert und müssen daher in mehreren Zielsprachen entwickeln. Uns kam es vielmehr darauf an, ein CASE-Tool zu wählen, das einen flexiblen Einsatz in der Analyse- und Entwurfsphase erlaubt und die von uns angewandten Methoden unterstützt. Methodenorientiertes Arbeiten, zwingend für effiziente und korrekte Analysen und Entwürfe, ist ohne Toolunterstützung schwierig und zeitaufwendig.

Werkzeuge müssen anpassungsfähig sein

Das von uns eingesetzte System stellt eine Vielzahl von Einzelwerkzeugen zur Verfügung. Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, daß der Funktionsumfang des Systems so mächtig ist, daß bedacht werden muß, wie und in welchen Phasen die Einzelwerkzeuge eingesetzt werden können. Zunächst wurden Werkzeuge für die Analysephase erprobt.

Aus dem Funktionsspektrum setzten wir nur die Teile ein, deren Methoden wir ohnehin verwendeten. Wir wollten unseren Software-Produktionsprozeß nicht an das Werkzeug, sondern umgekehrt das Werkzeug an unseren Prozeß anpassen. Die vier zur Verfügung stehenden Analyse-Tools (Funktionszerlegungs-Bäume, Datenflußdarstellung nach Structured Analysis, Datenmodellierung nach dem Entity-Relationship-Modell und Aktionsdiagramme mit Kontrollstrukturen und Pseudocode) wurden bis auf die Aktionsdiagramme alle eingesetzt.

Die Einzelwerkzeuge sind flexibel einsetzbar, obwohl (oder gerade weil) sie alle auf einer gemeinsamen Daten-/Wissensbasis arbeiten. So ist jedes Werkzeug sowohl Stand-alone als auch im Verbund funktionsfähig; eine bestimmte Reihenfolge des Einsatzes ist nicht zwingend.

Am Anfang eines jeden Software-Entwicklungsprozesses stehen immer noch die Analyse, die Problemdefinition, die Spezifikation. In dieser Phase steht die Kommunikation zwischen den Analytikern der DV-Abteilung und den Fachleuten der Fachabteilung im Vordergrund. Die Ergebnisse der Gespräche werden festgehalten. Inzwischen ist es in den Unternehmen fast schon selbstverständlich, daß Verfahren, Vorschriften, Richtlinien, Standards einzuhalten sind, die mehr oder weniger methodenorientiert festschreiben, durch welche Dokumente, mit welchen Inhaltsangaben, Grafiken und Tabellen eine Analyse durchzuführen ist.

Das am häufigsten verwendete Software-Werkzeug für diese Arbeiten ist das Textverarbeitungssystem; in zunehmenden Maße kommen Grafikmöglichkeiten hinzu. Mit diesen Werkzeugen versucht der Analytiker, methodengerecht zu arbeiten. Daher wird das Textverarbeitungssystem oft für Aufgaben eingesetzt, für die es nicht geschaffen wurde; dazu gehören das Zeichnen konsistenter Diagramme und Beschreiben von Datenflüssen. Die Diagramme durchlaufen jedoch im Laufe der Analysegespräche Veränderungen, die nur schwer mit den Text- und Grafikeditoren nachzuvollziehen sind.

Hier haben sich die syntaxgesteuerten Editoren der CASE-Tools bewährt. Sie stellen bereits bei der Erstellung von Beschreibungen sicher, daß die Vorschriften einer Methode nicht verletzt werden. So ist es nicht möglich, unbekannte Objekte zu erzeugen oder unzulässige Verknüpfungen vorzunehmen.

Methoden wie Structured Analysis und Entity-Relationship-Modell werden durch Grafikeditoren unterstützt, die zur Produktivität beitragen. Der Zwang, Aktivitäten und Daten voneinander zu trennen, führt dazu, daß methodeninduziert gedacht und gefragt wird. Das Werkzeug, das heißt das Programm, welches die Methode repräsentiert, zwingt zur Strukturierung des Gesamtsystems. So sind die Schnittstellen zur Systemumgebung auf der obersten Ebene anzusiedeln.

Schon der Zwang, jeder Aufgabe einen Namen zu geben und sie damit in einen organisatorischen Rahmen einzuordnen, führt zur Systematik. Jedes Detail, welches in der Analysephase als systemrelevant erkannt wird, kann eingeordnet werden. Diese Einordnung macht nicht selten eine Umgestaltung des Systems erforderlich.

Wenn die Methoden, die dem Werkzeug zugrunde liegen, bekannt

sind und die Arbeit damit beherrscht wird, geht es nur noch darum, festzustellen, inwiefern dieses Tool von den Standardmethoden abweicht. In diesem Punkt helfen die Handbücher nur wenig weiter.

Die wesentliche Aufgabe in der Analysephase besteht darin, Informationen über das Aufgabengebiet (Projekt) zu sammeln und diese nach Aktivitäten und Daten zu sortieren. Die Zusammenhänge zwischen den Aktivitäten und den Daten müssen analysiert und dargestellt werden. Eine Hauptschwierigkeit liegt nun darin, daß diese Informationen unterschiedlichen Abstraktionsebenen entsprechen. Hier unterstützt ein Werkzeug, das in unserem Fall auf der Methode Struktured Analysis basiert, Daten und Aktivitäten in Zusammenhänge einzuordnen. Ohne die Hilfe von Werkzeugen, das ist unsere Erfahrung, gehen viele Detail-Informationen verloren.

Die Vorstellung - Ergebnis der euphorischen Verkaufsunterlagen, man könne mit der Fachabteilung zusammen am Rechner ein Modell ihrer Welt entstehen lassen - hat sich als unrealistisch herausgestellt. Die Methoden erfordern ein Spezial-Know-how, das von Fachabteilungen nicht erwartet werden kann. Das CASE-Tool ist ein Instrument für die DV-Abteilung. Die Arbeitsergebnisse, welche in den frühen Phasen der Softwareproduktion entstehen und als Kommunikationsmittel benutzt werden, sind meist Dokumente. Insbesondere in der Kommunikation mit der Fachabteilung müssen Texte, Bilder und Grafiken als Ergebnisse der Arbeiten dienen.