Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.03.1979 - 

Anwenderbericht aus einem Engros-Unternehmen:\

Cash- and Carry mit Price-Look-Up

BERLIN - Seit 1966 betreibt die "GK Großkauf GmbH & Co. KG" in Berlin ein "Cash-and-Carry"-Lager. Im Jahre 1974 wurde von der Edeka ein weiterer Betrieb erworben ("Handelsgesellschaft GK Großkauf Berlin-Nord"), der heute als 100prozentige Tochtergesellschaft geführt wird. In den beiden C&C-Unternehmen - beschäftigt werden rund 200 Mitarbeiter - wird ein umfangreiches Lebensmittel- und ein gut ausgebautes Non-food-Sortiment. Das Unternehmen hält etwa 40 000 Artikel für rund

33 000 Stammkunden auf Lager.

"Bis zum Jahre 1971", erinnert sich Günter Lawrenz, Geschäftsführer des Berliner Handelsunternehmens, "haben wir ausschließlich mit konventionellen Fakturienautomaten gearbeitet. Schließlich hat das Mengengerüst jedoch ein Volumen erreicht, das mit Hilfe herkömmlicher Methoden nicht mehr aufzufangen war." So entschloß man sich zur Installation von zwei Systemen der Serie B 120 von Honeywell Bull (mit je 16 KB Hauptspeicher, drei Magnetplatten-Stationen a drei Millionen Bytes und zwei Schnelldruckern), die als Doppelsystem ausgelegt (Back-Up-Funktion) und on-line mit intelligenten Terminalsystemen von Olivetti verbunden waren.

Nachdem im Jahre 1974 das Tochterunternehmen in Berlin-Nord hinzukam, wurde ein HB-System nach dort verlegt. Gleichzeitig wurden die bis dahin bei der "Muttergesellschaft" installierten Olivetti-Terminals TC 380 gegen die modernere Serie Olivetti TC 800 ausgetauscht. Heute arbeiten also zwei voneinander unabhängige Konfigurationen; bei der Muttergesellschaft arbeitet das Honeywell-Bull-Syststem B 120 on-line mit sieben intelligenten Olivetti-Terminalsystemen TC 800 und im Tochterunternehmen sind an den Zentralrechner gleichen Typs drei Olivetti-Terminals TC 380 angeschlossen.

"Antwortzeiten sind unwahrscheinlich kurz"

Eingekauft wird in diesen Cash-and-Carry-Betrieben ganz normal: Die Kunden nehmen sich die mit Einzelpreisen ausgezeichneten Artikel und legen sie in ihren Einkaufswagen. An Erfassungsstellen werden die Kundennummer (Kundenausweis), Artikelnummer sowie Menge (bei Preisartikeln) oder das Gewicht in die Terminalsysteme TC 800 eingegeben, dort vorgespeichert, zu einem Datenblock (26 einstellige Positionen) zusammengefaßt und dem Zentralrechner überspielt.

Der Zentralrechner prüft zunächst auf Vollständigkeit; ist der Datenblock vollständig, so wird das zum Terminal zurückgemeldet und die Mitarbeiterin kann fortfahren. Das spielt sieh in Bruchteilen einer Sekunde ab, und der "check-out" kann ohne Zeitverlust weiterlaufen. Nachdem alle Artikel erfaßt sind, wird per Funktionstaste automatisch und in kürzester Zeit die Klartextrechnung ausgegeben.

"Unsere Antwortzeiten sind unwahrscheinlich kurz", freut sich Günter Lawrenz, "so daß wir unseren Kunden in wenigen Sekunden ihre Rechnung aushändigen können." Tests haben ergeben, daß selbst bei vollem Betrieb aller Terminalsysteme (sieben) und bei voller Aufnahme von jeweils 25 Positionen - und gleichzeitiger Datenübertragung zum Zentralrechner - alle Rechnungen nach spätestens 35 Sekunden vorliegen. Die Regel sind kürzere Response-Zeiten.

Stand-alone beim Zentralrechner "Back-Up"

Obwohl die Zentralrechner bisher sehr zuverlässig gearbeitet haben, war es von Anfang an notwendig, intelligente Terminal-Systeme einzusetzen, die in der Lage sind, auch im Notfall - also bei einen "Back-Up" - Rechnung auszugeben. Dies trifft sowohl für die Systeme TC 800 als auch für die noch heute im Tochterunternehmen eingesetzten Olivetti-Systeme TC 380 zu. Da die TC 380 Terminals auf Lochstreifen-Basis arbeiten, werden bei autonomen Betrieb alle für die Fakturierung relevanten Daten aufgezeichnet und später "nachgefahren".

Unabhängig davon können auf den Terminalsystemen TC 380 jedoch "Notrechnungen" erstellt werden. Dazu muß die Mitarbeiterin am Datenerfassungsplatz neben den obligatorischen Artikeldaten auch den Einzelpreis eingeben - im Gegensatz zum normalen (on-line) Ablauf, bei dem sich die Olivetti-Terminals die Einzelpreise - im sogenannten

"Price Look-Up"-Verfahren - vom Zentralrechner holen. Anders als bei den auf Lochstreifenbasis arbeitenden Systemen TC 380 zeichnen die

TC 800-Terminals, die während eines "Back-Up" angefallenen Fakturierdaten auf Magnetband-Kassetten auf und überspielen diese Daten nach dem Wiederanlauf automatisch zum Zentralrechner.

Da jedes System TC 800 über eine eigene On-line-Verbindung zum Rechenzentrum verfügt, werden bei einem eventuellen Ausfall eines Terminals alle anderen in ihrem normalen Ablauf nicht beeinflußt. Hervorzuheben ist ferner daß das Terminalsystem trotz der relativ großen Belastung (zwei Schichten im C&C-Lager, Verkaufszeiten bis zu 14 Stunden) bisher Fehlerfrei arbeitete. Auch die zum Teil negativen Umgebungseinflüsse (Staub, Temperatur etc.) beeinflussen nicht die Terminal-Funktionen.

Hervorzuheben ist außerdem, daß die Zahl der Terminalplätze in den vergangenen Jahren nicht erhöht werden mußte. "Die Umsatzsteigerungen der letzten Jahre - rund 40 Prozent - konnten von den Olivetti-Terminals voll 'mitgemacht' werden", sagt Günter Lawrenz. Auch die Informationsqualität sei mit Einführung der Datenerfassungs- und

-verarbeitungsterminals erheblich gestiegen. "Da neben den Verkaufs-

auch alle Einkaufspreise im Zentralsystem gespeichert sind", erläuterte Geschäftsführer G. Lawrenz, "können wir jetzt eine 'kurzfristige Erfolgsrechnung' (ICER) erstellen. Wir brauchen vor allem keine Inventur mehr durchzuführen, um zu kurzfristigen Ergebnissen, zum Beispiel Waren-Rohertrag, zu kommen."

In gewissen Zeitabständen werden Artikel- und Warengruppenstatistiken aufgestellt; zudem kann mit Hilfe eines kleinen Abfrage-Programmes ein Auskunftsystem (Werbe-Erfolgskontrollen, Artikel-Umsätze etc.) eingerichtet werden. Neben artikelbezogene

Informationen können die Umsätze auch kundenbezogen verdichtet werden. So ist es beispielsweise möglich, die Umsätze einzelner Kundengruppen gesondert aufzuschlüsseln und auszudrucken. Zudem kann die Umsatzentwicklung einzelner Kunden nachvollzogen werden. Die Software für diese C&C-Applikation wurde von den Firmen Honeywell-Bull, Olivetti und GK Großkauf gemeinsam entwickelt.

Computer contra Ladendiebstahl

Da im Rahmen von Werbeaktionen in jedem Handelsunternehmen kurzfristig reagiert werden muß, war erforderlich, auch für die GK Großkauf eine adäquate Lösung zu finden. Das heute implementierte System beinhaltet beispielsweise die Möglichkeit, Preisänderungen kurzfristig - über Lochkarten - einzugeben. Zudem ist es möglich, auch zeitlich begrenzte Sonderpreise zu führen (zum Beispiel Aktionspreise für 14 Tage). Nach Ablauf der Aktionszeit wird automatisch wieder der ursprüngliche Preis im System - und damit auch an den Terminalsystemen - geführt.

Obwohl bei der GK Großkauf Handelsgesellschaft in der Regel nur gegen Bargeld verkauft wird, wurde bestimmten Kunden eine "Scheckgenehmigung" erteilt und diese in den Stammsatz des entsprechenden Kunden aufgenommen; auf der Rechnung steht ein Hinweis für den Kassierer. Aufbauend auf bisher positiven Erfahrungen soll in der nächsten System-Ausbaustufe die automatische Bestandsfortschreibung eingeführt werden, damit auch der Einkauf (Disposition) über schnelle und qualitativ hochwertige Informationen verfügen kann.

Zudem verspricht man sich in dem Berliner C&C-Unternehmen einen Zusatznutzen aus der Bestandsfortschreibung: weniger Diebstähle. "Zwar wird man den Ladendiebstahl durch eine automatische Bestandsfortschreibung auch nicht vollständig eindämmen können", erkennt Günter Lawrenz, jedoch sind bessere Aussagen darüber möglich, welche Waren oder Warengruppen bevorzugt entwendet werden und welche Teile des Lagers besonders gefährdet sind." Zudem soll die Lagerumschlagshäufigkeit - die zur Zeit bei etwa 18- bis 20mal pro Jahr liegt - erhöht, die Servicebereitschaft verbessert und der Lagerbestand reduziert werden.

* Walter Lönneker ist freier EDV-Journalist und Betriebswirt in Stuttgart