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21.07.1978

Casimir Sitzfleisch wird befördert

Sie wissen, vor zwei oder drei Jahren habe ich in diesem geschätzten Blatt über meine Erfahrungen bezüglich einiger Seminare, die ich besucht hatte, berichten dürfen. Mein Chef hat das natürlich auch gelesen und war mächtig stolz darauf, daß einer seiner besten Mitarbeiter sogar in der Computerwoche schreib. "Sitzfleisch", sagte er zu mir damals, "Sie sind noch besser, als ich gedacht habe." Was der wohl gedacht hat? "Außerdem", so meinte er weiter, "ist es ein so beruhigendes Gefühl, Sie auf einem Seminar zu wissen. Machen Sie weiter so."

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich besuchte alle Seminare, deren Titel mir bekannt vorkamen, denn neue Themen verwirren mich immer so. Bis die eines Tages in Bonn ein neues Gesetz machten: Das bunte Datenschutzgesetz.

War das eine Zeit für mich. Überall schossen die Seminare darüber aus dem Boden, solche die einen Tag dauerten, solche die drei oder sogar fünf Tage lang weitergingen. Und die Seminar-Institute haben auf die Pauke gehauen, es war eine Freude. Manche haben sogar mit Gerichten aufeinander eingeschlagen, weil einer behauptet hatte, er hätte die größte Seminardokumentation und der andere wollt's nicht glauben. Sie haben sich dann auch geeinigt, ich glaube, der eine hatte dann mehr Kilogramm und der andere mehr Zentimeter Material und alle waren wieder zufrieden.

Ich habe alle diese Seminare besucht, sie waren sehr lustig, weil die Referenten alle auch nicht so recht wußten, was nun das Gesetz eigentlich will. Nur eines dieser Seminare war fürchterlich anstrengend. Man mußte immer den Kopf nach allen Seiten drehen, weil überall an den Wänden Schautafeln aufgestellt waren, auf die der Sprecher immer hindeutete. Zum Glück tat er das nicht lange, denn dann wurde das Fernsehen angeschaltet und wichtige Herren sagten in einem Sonderprogramm wichtige Dinge über das bunte Datenschutzgesetz. Es war wie bei Pfarrer Sommerauer.

Weil ich auf den Seminaren so viele Leute getroffen habe, die sagten, sie würden nach dem Seminar betrieblicher Datenschutzbeauftragter und sich auch noch darauf freuten, ging ich zu meinem Chef und sagte, daß auch ich Datenschutzbeauftragter werden will. Die Geschäftsleitung hat sich das lange überlegt, aber dann machten sie den Personalchef dazu, weil der sowieso dem Geschäftsführer untersteht und deshalb wegen dem Datenschutz nicht so viel Wind macht wie ein anderer. In Wirklichkeit hatten sie nur Angst, daß ich ihnen zu sehr auf die Finger schaue.

Also habe ich mich einem anderen Thema gewidmet. In einer innerbetrieblichen Untersuchung habe ich herausgefunden, daß die Manager, Programmierer, Analytiker durch Seminare und Kurse nur in ihrer Arbeit unterbrochen und gestört wurden. Außerdem bestand die Gefahr, daß diejenigen, die von Seminaren zurückkamen, Fremdideen mitbrachten, die den gewohnten Arbeitsfluß unnötigerweise veränderten.

Ich habe daher einen Verbesserungsvorschlag ausgearbeitet. Ich schlage vor, daß ich Bildungsbeauftragter werde. Dann besuche ich alle Seminare, denn ohne Weiterbildung kann ein Betrieb nicht existieren, und die anderen werden in ihrer Arbeit nicht gestört. Wenn das keine Rationalisierung ist. lch bin sicher, ich werde demnächst befördert.

- Dr. Roland Henssler ist Geschäftsführer des Control Data Istituts, Frankfurt