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Eurostar '98: Kritik an Produkten und Anwendern


09.12.1998 - 

Cast-Tools: Heiß begehrt und nicht verstanden

MÜNCHEN (as) - Die Nachfrage nach Software-Testing-Tools wächst, der gewissenhafte Umgang mit ihnen läßt jedoch zu wünschen übrig. Diesen Vorwurf mußten sich die 700 Besucher der Münchner Konferenz "Eurostar" für Software-Tester gefallen lassen.

"90 Prozent aller Unternehmen setzen auf Cast (Computer Aided Software Testing)-Tools, aber 70 bis 90 Prozent der Produkte verstauben schon bald nach dem Kauf in den Regalen." Mit dieser Beobachtung nahm Eröffnungsredner Paul Gerrard, Mitarbeiter der durch den "Cast-Report" bekannten britischen Unternehmensberatung Systeme Evolutif, den heutigen Markt ins Visier. Als Grund für diese Situation nennt der Experte die Enttäuschung vieler Anwender, die ihre Erwartungen in puncto Arbeitserleichterung und Automatisierung viel zu hoch schrauben.

Laut Gerrard ist diese Unzufriedenheit zum Teil berechtigt. Cast-Tools haben sich seit ihrem Aufkommen in den 60er Jahren nur wenig verbessert und lassen sich oft nicht in Entwicklungsumgebungen integrieren. Trotz neuer Features wie grafischer Benutzeroberflächen und enormer Leistungssteigerungen beschränken sie sich auch heute noch in erster Linie auf das Aufzeichnen und Wiederholen von Testroutinen (Capture-Replay), Performance-Tests, Datenumwandlung, Abdeckungs- und Regressionstests. Viele Arbeiten wie Inspektion, Testplanung, Fehlerisolierung, Nutzenanalyse oder Test-Updates müssen hingegen unter Mithilfe der Entwickler und Tester erfolgen.

Kritik übt Gerrard allerdings auch an den Anwendern, die seiner Meinung nach um das Potential der Tools wissen müßten, es aber nicht nutzen. Vor allem können Werkzeuge nur dann die Qualität einer Anwendung verbessern helfen, wenn sie prozeßbegleitend und nicht, wie heute oft üblich, erst am Ende der Arbeit ins Spiel kommen. Für Gerrard müssen die Tools deshalb künftig Teil des gesamten Entwicklungskonzepts und nicht mehr nur Front-ends für abschließende Prüfroutinen sein: Capture-Replay würde sich dann zum "Design-Replay" entwickeln. Dies bleibe aber noch Zukunftsmusik, denn in nächster Zeit, so die Prognose, würden lediglich 20 Prozent aller Tester ihre Tools intensiver als bisher nutzen.

Der weltweiten Marktentwicklung tut dies keinen Abbruch. Vielmehr können die Werkzeughersteller mit einem Umsatzplus zwischen 30 und 50 Prozent rechnen. Allein die Euro-Umstellung verspricht laut einer Ovum-Studie Einnahmen von 300 Milliarden Dollar. Die Produktvielfalt und die Integration diverser Testmethoden und Testskripts, die ohne Capturing auskommen, nimmt zugleich zu. Auch wächst die Zahl der Web-, Java- sowie Windows-basierten Tool-Sammlungen und Entwicklungsumgebungen, die ebenfalls Testfunktionen enthalten. Außerdem soll sich der Einfluß der Unified Modelling Language (UML) auf die Testfallmodellierung stärker bemerkbar machen.

Parallel dazu sieht Gerrard in der Praxis neue Herausforderungen und Veränderungen auf die Anwender zukommen. So stellen verteilte n-Tier-Anwendungen deutlich höhere Ansprüche an die Tester, da sie im Vergleich zur klassischen Client-Server-Lösung mit einer Zwei- oder Drei-Schichtenarchitektur wesentlich dynamischere Netzlasten und Prozeßabläufe erfordern.

(Lesen Sie dazu auch das Interview auf der nächsten Seite).