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13.09.1991 - 

Computerunterstütztes Training mausert sich

CBT auf Multimedia-Basis hat vielfältige Einsatzgebiete

Aus der einfachen Lernsoftware haben sich inzwischen aufwendige Multimedia-Produkte entwickelt. Ihr Einsatzgebiet, so Jens Geisel*, ist vielfältig: Seminare, Point of Sale, Präsentationen und Anschauungsmaterial zu Bedienungsanleitungen oder Handbüchern.

Rund 11 000 Teilnehmer absolvieren jährlich die rund 400 Seminare der Mannesmann-Kienzle GmbH im Donaueschinger Bildungszentrum für Informationstechnik (BIT). Kienzle betätigt sich dabei verstärkt auf dem Sektor der multimedialen computergestützten Lernprogramme, um den Lernbetrieb effizienter gestalten zu können. Computer Based Training (CBT) entsteht im Institut für Interactive Computermedien (IAC) mit Sitz in München.

Multimedia-CBTs, bei denen die Verschmelzung von Text, Farbgrafik, Bewegtbildern, Sprachausgabe und Videosequenzen möglich ist, werden nach Ansicht von Lernpsychologen und Didaktikern eine immer bedeutendere Rolle im Ausbildungssektor spielen. Vielfältig sind auch die Möglichkeiten der Multimedia-Technologie zu Informations- und Werbezwecken. Gerd Umhauer, Leiter des IAC in München, hat dazu ein paar Ideen: "Denken Sie nur an Business-Präsentationen oder die Informationsvermittlung in Seminaren, auf Messen und am Point of Sale. Überall, wo die Integration von Grafik, Videobildern und Ton mit dem PC Wirkung verspricht, läßt sich der PC hervorragend als Multimedia-Plattform einsetzen."

Mannesmann-Kienzle ist auf diesem Gebiet aktiv, weil die Angebotspalette des Unternehmens umfangreiche und kostenintensive Schulungen von Endkunden und weltweit 6400 Servicepartnern mit sich bringt. Die Schwarzwälder stellen mehr als 100 High-Tech-Artikel mit rund 500 Varianten vom Fahrtenschreiber über Parkscheinautomaten bis hin zu Fuhrpark-Management-Systemen und kompletten Tankstellen-Abrechnungsanlagen mit Kassenanbindung und DFÜ-Schnittstelle her. "Der Schulungsaufwand für viele dieser Produkte ist extrem hoch", sagt Horst-Dieter Foelz, Leiter des Produktbereichs Service bei Kienzle. "Wo sich Multimedia-Lernprogramme rechnen, sind wir sofort dabei."

Zur Zeit buhlen im CD-Bereich noch drei Quasi-Standards um die Gunst der Multimedia-Produzenten: Digital Video Interactive (DVI), Compact Disk-Interactive (CD-I) und die Macintosh-Multimedia-Technologie sind die Konkurrenten im Multimedia-Markt. Während DVI, das vom Chip-Giganten Intel gepuschte System, auf eine Anwendung im PC-Sektor zielt, haben die CD-I-Promoter um Philips, Matsushita, Sony und Polygram eher den Einsatz mit herkömmlichen Fernsehern und Stereoanlagen im Sinn. Dadurch soll eine Brücke zwischen Informations- und Unterhaltungssystemen geschlagen werden.

Apple-Systeme bilden schon heute eine Welt für sich: Im Gegensatz zu DVI und CD-I kommen sie bei Multimedia-Anwendungen ohne Komprimierungsverfahren aus.

Der Nachteil: Apple-Rechner haben eine Reihe von Vorzügen, nur einen entscheidenden nicht: Sie sind kein Industriestandard.

Vorstellungen über den Einsatz der Multimedia-Technologie entwickelt Axel Dammert, Leiter des technischen Produkt-Managements der Mannesmann-Kienzle GmbH: "Wir stellen uns Multimedia-CBT auch als Ergänzung zum konventionellen Seminarbetrieb vor. So könnten wir vor dem eigentlichen Seminarstart ein Lernprogramm an alle Teilnehmer verschicken, um sie auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen." Weitere Einsatzmöglichkeiten der Multimedia-Technik sieht der Manager in der Marketing-Unterstützung auf Messen und am Point of Sale.

Auch eine Vision hat Dammert parat: "Der Techniker in einer Service-Station verbindet zum Beispiel einen defekten Fahrtenschreiber über eine Schnittstelle mit seinem Computer. Der Rechner analysiert die Informationen, vergleicht sie mit einer Erfahrungsdatenbank und gibt einen Befund aus. Anschließend läuft am Bildschirm des Computers eine Videosequenz ab, die einen Reparaturvorschlag in Echtzeitvideo zeigt."

Um solche ambitionierten Vorstellungen in die Praxis umzusetzen, hat das IAC in nächster Zeit einige Pilotprojekte initiiert. Eines davon wird gerade in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für differentielle Psychologie und Arbeitspsychologie der Universität Wuppertal realisiert. Konzeption und Evaluation liegen bei den Wuppertaler Wissenschaftlern, während das IAC für die Erstellung der Drehbücher, der Grafiken sowie die technische Umsetzung verantwortlich ist.

Umhauer über die Zielsetzung: "Das Vorhaben dient der Aus- und Weiterbildung kommunaler Verwaltungsangestellter in den neuen Bundesländern. Es wird in der Pilotphase zunächst in Erfurt eingesetzt, später aber auch anderen Kommunen zur Verfügung gestellt." Die Initiatoren versprechen sich von der multimedialen Trainings-Software gegenüber konventionellen Schulungsmaßnahmen insgesamt höhere Lernerfolge durch motivierte Teilnehmer sowie deutliche Kosteneinsparungen.

Dieser Auffassung schloß sich auch das Bundesministerium für Forschung und Technologie in Bonn an, das das Projekt fördert.