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06.04.1990 - 

Computer Based Training im Wandel

CBT: Neue Programme eröffnen neue Perspektiven

Im Bereich des Computer Based Training (CBT) haben sich aufgrund neuer Entwicklungen interessante Möglichkeiten ergeben: Es lassen sich Standbilder in einer bislang nicht gekannten Qualität erstellen, bewegte Bilder und Ton von Videoquellen einbinden. Diese Vielfalt an Medien, wie Filme, vertonte Grafiken und Sprechertexte, setzt neue Maßstäbe im Bereich des computergestützen Lernens.

Die Entwicklung der neuen Technik erfolgte von zwei verschiedenen Seiten: Das Ziel der Produzenten von Videogeräten waren interaktive Videos, die eine vom Benutzer gesteuerte Präsentation erlauben; anspruchsvolle, multimediale Lernprogramme wurden von den Vertretern des CBT-Bereichs angestrebt. Diese Annäherung von zwei Seiten belegt den tatsächlichen Bedarf.

Schier unerschöpfliche Einsatzmöglichkeiten

Will man die Möglichkeiten dieser neuen Technik im CBT-Bereich nutzen, müssen die alten Systeme, bestehend aus Rechner, Monitor und Tastatur, um Komponenten einer Videoquelle erweitert werden. Der moderne Lern- und Arbeitsplatz setzt sich aus folgenden Systembausteinen zusammen: Rechner, Bildschirm, Bedienungskomponenten (Maus, Touchscreen, Tastatur), Bildplattenspieler und bei Bedarf ein Drucker. Genügte früher ein Videorecorder mit Bildschirm für die Präsentation von Videofilmen, so wird hier ein Rechner als weitere Komponente erforderlich.

Die Einsatzmöglichkeiten der neuen Systeme scheinen schier unerschöpflich. Genannt seien hier nur die beiden Extreme: das interaktive Video und die medienunterstützten Lernprogramme.

Bei den meisten interaktiven Videos wird der Rechner als reine Steuerungskomponente genutzt. Die Interaktion beschränkt sich auf Auswahlmöglichkeiten der einzelnen Komponenten des Videos. Der Einsatzschwerpunkt dieser Variante liegt in der Information und Präsentation. Point of Information (POI) ist hier das Schlagwort.

Bei den Lernprogrammen sind Videosequenzen zwischen Grafiken und Texten eingebunden. Sie dienen der Motivation, Visualisierung der Information und weiterreichenden Erläuterung der im Text behandelten Inhalte. Der Grad an Interaktion, daß heißt die Anzahl der vorhandenen Übungen und Aufgaben, ist stark von der Ausrichtung abhängig. Interaktionsreiche Lernprogramme finden ihren Einsatz besonders in der Vermittlung von Grundlagenwissen. Aber auch die Vermittlung von Spezialwissen ist ein mögliches Einsatzgebiet. Dabei wird die Interaktion in Form von Frage und Antwort sicherlich etwas in den Hintergrund treten.

Früher ließen sich Lernprogramme zur Not noch im stillen Kämmerlein von einer fachkundigen Person zusammenstricken. Soll das Potential bei, neuen Systeme auch von genutzt werden, ist die Realisierung des gesamten Lernprogramms durch eine einzige Person kann mehr möglich, wenn gute Ergebnisse erzielt werden sollen.

Die Produktion von Lernprogrammen der neuen Generation stellt hohe Anforderungen. Zum einen wird ein Mehr an notwendiger technischer Ausrüstung erforderlich, zum anderen benötigt man qualifizierte Fachleute-, die diese Technik bedienen und somit optimal nutzen können.

Autorensystem ist Voraussetzung

Voraussetzung für die Erstellung der Lernprogramme ist ein Autorensystem. Dieses muß über die entsprechenden Befehle verfügen, damit die Möglichkeit zum Einbinden der Bilder, das heißt die Steuerung eines Bildplattenspielers, Oberhaupt gegeben ist. Die Wahl eines geeigneten Autorensystems ist nicht unproblematisch. Die Bandbreite reicht von einfachen Autorenrollen bis zu Programmiersprachen-ähnlichen Systemen; die Auswahl richtet sich nach den darzustellenden Inhalten sowie nach den Programmierkenntnissen des Entwicklers.

Im nächsten Schritt ist das notwendige fachliche Know-how gefragt, über das nur ein fachkundiger Autor verfügen kann. Bei innerbetrieblichen Inhalten ist ein entsprechender Fachmann sicherlich im Unternehmen vorhanden.

Mit der reinen Stoffsammlung ist es allerdings nicht getan. Das gesamte Material muß einer didaktischen Aufbereitung unterzogen werden, wozu ein spezielles Fachwissen erforderlich ist; die besten Praktiker sind selten zugleich auch begnadete Pädagogen. Der Didaktiker legt zum Beispiel die einzelnen Lernschritte mit Inhalten und Lernzielen fest und sucht nach adäquaten und sinnvollen Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Medien.

Für eine reibungsfreie Abwicklung des gesamten Projektes ist es notwendig, die unterschiedlichen Aktivitäten entsprechend zu koordinieren, um so mehr, wenn auch noch die Produktion der Medien hinzukommt. Bei der Koordination laufen alle Fäden zusammen: die Planung und Gewährleistung des richtigen zeitlichen Ablaufs, die Gewährleistung der Kommunikation zwischen den beteiligten Fachleuten etc. Besonderes Augenmerk muß auch auf die zukünftige Aktualisierung der Programme gerichtet werden: Auf der Bildplatte sollten nur statische Informationen abgelegt werden, da sie nicht geändert werden kann. Dynamische Informationen, die Änderungen unterliegen, müssen im Rechner gespeichert werden.

Der Aufwand bei der Filmproduktion wird oftmals unterschätzt. Am aufwendigsten ist die Herstellung von Trickfilmen; dementsprechend hoch sind die Kosten. Realfilme in Form von Spielszenen erfordern unter anderem ein Drehbuch, einen Regisseur und Schauspieler. Industriefilme sie zeigen meist innerbetriebliche Produktions- oder Fertigungsabläufe - sind recht unproblematisch und noch relativ kostengünstig zu erstellen.

Die Vertonung gewinnt an Bedeutung

Während bei alten Systemen die Möglichkeiten der Erstellung oder Einbindung von Grafiken eher dürftig waren, ist es nun möglich, qualitativ hochwertige Grafiken als Standbilder von der Bildplatte einzubringen. Je nach Anforderungen kommt dabei auch ein Grafiker zum Einsatz.

Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung kommt der Vertonung zu. Gerade bei schwer zu visualisierenden, das heißt sehr abstrakten Inhalten, bietet sie oft die einzige Möglichkeit, eine gleichbleibende Motivation zu gewährleisten und die Akzeptanz der Lernprogramme zu erhöhen. Aber auch m anderen Fällen eignet sich ein erläuternder Kommentar, etwa zu einer Grafik.

Was passiert mit eventuell bereits vorhandenen Lernprogrammen? Pauschal läßt sich diese Frage nicht beantworten. Hier sollen nur einige Kriterien genannt werden, die eine Entscheidung erleichtern.

Kein Video um jeden Preis

Die sicherlich einfachste Möglichkeit besteht in der Übernahme des alten Programms. Ist eine inhaltliche Aktualisierung ohnehin nicht erforderlich, wäre zu überlegen, ob nur eine Einbindung der neuen Medien erfolgen soll. Der Slogan sollte aber nicht heißen: Video um jeden Preis. Die Einbindung von Videos mit der Brechstange ist auf jeden Fall abzulehnen, da die Programme hinterher meist schlechter sind als vorher. Zu bedenken ist auch, daß sich nicht alle Themen gleichermaßen für die Einbindung von Videos eignen. Eher bieten sich bei manchen Themen verbesserte Grafiken und der Einsatz von Ton an.

Viele Gründe für die Neuerstellung

Vielerlei Gründe sprechen für die komplette Neuerstellung eines bereits vorhandenen Programms. An dieser Stelle seien nur die wichtigsten genannt.

1. Das verwendete Autorensystem bietet keine Möglichkeit zur Steuerung des Bildplattenspielers. In diesem Fall ist eine Aufarbeitung des alten Progamms ausgeschlossen, da die meisten Autorensysteme untereinander nicht kompatibel sind.

2. Schnell wird ein Punkt erreicht, wo die inhaltliche Aktualisierung des Programms so weitreichend ist, daß fast jeder Satz des Programms überarbeitet werden muß. In einem solchen Fall ist es kostengünstiger und auch wesentlich zeitsparender, das Programm gleich neu zu erstellen.

3. Einerseits kann die inhaltliche Aktualisierung eines Programms den Rahmen für eine lohnende Überarbeitung sprengen, andererseits aber auch die Einbindung der neuen Medien. (Es reicht bei weitem nicht aus, x-beliebige Videosequenzen oder Grafiken einfach zwischen die Texte des alten Programms zu stellen.) Gerade für die Beurteilung dieses Punktes ist eine gewisse Erfahrung im Bereich der medienunterstützten Lernprogramme erforderlich.

Die Vertonung erhöht den Lernerfolg

Die Überarbeitung des alten Programms bietet sich an, wenn die oben aufgeführten Kriterien nicht zutreffen. Da die Einbindung von Filmsequenzen und guten Grafiken sowie die Vertonung den Lernerfolg und die Akzeptanz eines Lernprogramms erhöhen, ist zumindest eine Überarbeitung für diesen Zweck immer anzustreben.

Mit der Einführung dieser Systeme im Bereich des CBT zeichnen sich neue Perspektiven ab. Die Stärken der neuen Programme liegen in der Darstellung dynamischer Sachverhalte.

So können Simulationsprogramme komplexe Systemzusammenhänge auf der Grundlage modellhafter Nachbildungen vermitteln. Aber auch die Möglichkeiten im Bereich der Präsentation sind vielfältig.

Ute Mark ist bei der, Gesellschaft für Beratung, Software und Service (Bess) in Essen im Bereich Erstellung interaktiver Lernprogramme verantwortlich tätig.

Lernprogramme kaufen oder selbst produzieren?

Der Kauf fertiger Lernprogramme ist sicherlich die einfachste Lösung. Zu vielen Themen, besonders aus dem Bereich der Datenverarbeitung und des kaufmännischen Wissens, existieren recht gute Standardprogramme. Bei der Erstellung von eigenen Lernprogrammen müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Hierfür ist einerseits ein großer Stamm von Fachleuten und andererseits auch die entsprechende Ausstattung mit Geräten erforderlich. Die Einrichtung einer speziellen Abteilung, die sich mit der Realisierung der Lernprogramme befaßt, wird kaum zu umgehen sein. Für ein kostengünstiges Arbeiten ist es dann notwendig, auch für eine gewisse Auslastung dieser Abteilung zu sorgen. Die am Anfang stehende Einarbeitungsphase ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Die externe Erstellung der benötigten Lernprogramme bietet dagegen viele Vorteile, von denen hier nur einige genannt werden sollen:

- Anschaffungskosten der benötigten Ausrüstung entfallen;

- die Schaffung einer speziellen Abteilung mit teuren Fachleuten (Didaktiker, Grafiker, Filmteam etc.) entfällt;

- durch die Zusammenarbeit mit internen Fachleuten ist die Qualität des Inhalts gesichert;

- die Verantwortung für die termingerechte Fertigstellung wird abgegeben.