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07.02.1992 - 

Hohe Weiterbildungskosten zwingen Versicherung zum Umdenken

CBT und Multimedia sichern ein flexibles Schulungskonzept

Oft bleiben die Resultate der Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen hinter den Erwartungen zurück. Häufiger Grund hierfür ist, daß die Unternehmen an den Bedürfnissen der Mitarbeiter vorbeiqualifizieren. Bevor sich ein Betrieb für einen Schulungsanbieter entscheidet, sollte es nach Auffassung von Angelika Dripke* die eigenen organisatorischen und operativen Voraussetzungen prüfen. Dies hat man bei der HUK-Coburg getan und damit bislang gute Erfolge erzielt.

Die Versicherungsgesellschaften wissen, daß der schnelle Kundendienst für dein eigenen Erfolg ungemein wichtig ist. Dies jedoch stellt sie mit oft mehreren Millionen Versicherten, zig Versicherungssparten und Tausenden von Mitarbeitern, die zudem über die unterschiedlichsten Außenstellen im ganzen Bundesgebiet verteilt sind, vor gehörige Anforderungen: Neupolicen müssen geprüft, verwaltet und in Rechnung gestellt, Vertragsänderungen, Gesetzesvorlagen berücksichtigt, Schadensforderungen geprüft und fällige Zahlungen geleistet werden etc.

Modernste Methoden worden vorausgesetzt

Da muß nicht nur die Kommunikation 100prozentig funktionieren, sondern es werden auch modernste Methoden zur Erfassung, Speicherung, Verwaltung und Abfrage von Informationen vorausgesetzt. Dies alles läßt sich heutzutage ohne den umfassenden DV-Einsatz nicht mehr bewältigen. Folglich kommt gerade der DV-Schulung der Mitarbeiter eine immense Bedeutung zu.

Dies hat man bei der HUK-Coburg, derzeit zweitgrößter Autoversicherer Deutschlands mit rund 4,3 Millionen Mitgliedern und 5200 Mitarbeitern, frühzeitig erkannt. Seit vielen Jahren bereits legt das Unternehmen großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter im Bereich der Datenverarbeitung.

Schulungen für viele Aufgabengebiete

Da der Coburger Versicherungskonzern die unterschiedlichsten Rechnertypen, Betriebsysteme, Datenbanken, Anwendungsprogramme, Vernetzungsverfahren, Programmiersprachen etc. verwendet, müssen die Schulungen eine breite Palette von Aufgabengebieten abdecken.

Sie reichen von der Anwendungs- und Systemprogrammierung über Benutzerservice, Produktionssteuerung bis zu Rechenzentrumsbetrieb, Job-Control, 110 Operating Lind Netzwerktechnik, um nur einige zu nennen.

Im Rahmen ihrer DV-Schulung verwendet die HUK seit vielen Jahren auch die Produkte von Applied Learning: So setzt der Versicherer seit etwa 1982 Medienverbundkurse mit Video-Kassetten und dein schriftlichen Begleitmaterial ein, die noch von ASI, dem Vorgänger von Applied Learning, bezogen wurden. 1988 nahm HUK dann MicroTutoren und Disketten-Lernprogramme zu wichtigen Softwarepaketen ins Schulungsprogramm auf Seit 1990 werden zusätzlich Video-Bildplatten und CBT (Computer Based Training) -Kurse auf CD-ROM herangezogen.

Um die Qualität der Dienstleistungen, die in starkem Maße von der eingesetzten DV abhängt, zu gewährleisten, suchte man bei der HUK-Coburg frühzeitig nach einem Ausbildungskonzept, das dem speziellen Schulungsbedarf des Unternehmens gerecht wurde.

Zwei Gesichtspunkte galt es hierbei besonders zu berücksichtigen: Zum einen mußte das Schulungsangebot den raschen technologischen Wandel in der DV Rechnung tragen, der zunehmend kürzere Schulungszyklen, ständig wachsenden Informationsbedarf, einen immer höheren und breiteren Qualifikationsbedarf und nicht zuletzt deshalb auch den Zwang zur Kostenminimierung mit sich brachte. Daneben mußte das zu realisierende Schulungskonzept der besonderen Bedarfssituation der HUK in Sachen DV-Wissen Rechnung tragen.

So gibt es drei Beschiedene Mitarbeitergruppen, die DV-Schulungsmaßnahmen besuchen müssen: einmal die rund 35 Techniker und Entwickler, vorrangig aus den Bereichen Systemprogrammierung, Methoden und Verfahren sowie dein Benutzerservice, denen das erforderliche Spezialwissen über entsprechende systemnahe Schulungen vermittelt werden muß.

Zudem will das Unternehmen den Kenntnisstand der neu in den DV-Bereich übernommenen Mitarbeiter dein allgemeinen DV-Know-how der Abteilung angleichen. Schließlich sind noch die derzeit rund 250 Azubis, die im Rahmen ihrer Ausbildung' die DV-Abteilung durchlaufen und denen hier das für ihre spätere Tätigkeit erforderliche Grundwissen vermittelt wird.

Hieraus ergaben sich wiederum bestimmte Anforderungen. So mußte das Schulungskonzept flexibel genug sein, um die "Spezialistenschulung" und die DV-Aus- und -Weiterbildung der übrigen Mitarbeiter organisatorisch unter einen Hut zu bringen. Des weiteren wurden Schulungsmedien gesucht, die den gewöhnlichen Klassenunterricht etwas auflockern sollten.

Nicht zuletzt sollte das gewählte Schulungskonzept auch gewährleisten, daß trotz unterschiedlicher Einstellungstermine und differierendem Fachwissen hausinterne Schulungsmaßnahmen durchgeführt werden konnten, die kosteneffizient, pädagogisch erfolgversprechend und auf die aktuellen DV-Belange des Unternehmens ausgerichtet waren.

Dies waren auch die Gründe, die zur Entscheidung der HUK-Coburg für das Schulungsangebot von Applied Learning führten, erläuterte Günter Brettel, Leiter des Referats DV-Schulung.

Mit dem Einsatz von Schulungsprogrammen wolle man die Referenten entlasten und den Unterricht überdies durch den Medieneinsatz etwas auflockern. "Zudem versprachen wir uns durch eine sinnvolle Kombination von Video, herkömmlichem Klassenunterricht und unterrichtsbegleitendem Praktikum einen guten Lernerfolg, was sich in der Praxis dann auch bestätigt hat", meint Brettel.

Bei den Schulungsmedien, die den herkömmlichen Klassenunterricht etwas auflockern sollten, griff man auf die Video-Kurse von Applied Learning zurück. Diese Video-Schulungen, etwa Kurse zu CICS oder PL/I, bietet das Unternehmen im Rahmen interner Schulungsprogramme zu festen Kursterminen an. Hierbei führen die Teilnehmer nach den einzelnen Kapiteln zusätzlich praktische Übungen und Fallbeispiele mit dem Großrechner durch.

"Das lineare Lernen per Video-Kurs, der als Schulungsmedium gut segmentiert in den theoretischen und praktischen Unterricht eingebunden ist, macht den normalen Unterricht vielseitiger und interessanter und hebt den Lernerfolg, so daß dieses Medium auch noch heute neben anderen Schulungstechniken seine Berechtigung hat", ist der Coburger Schulungsleiter überzeugt.

Daneben sorgten die unterschiedlichen Einstellungstermine neuer Mitarbeiter für Schulungsprobleme, für die Video-Kurse keine zweckmäßige Lösung boten. Hier ist der Klassenunterricht nicht mehr praktikabel: Die hausinterne Einzelschulung neu eingestellten Mitarbeiters scheidet aus Kostengründen aus, ebenso dessen externe Weiterbildung durch einen Schulungsanbieter.

Aber auch die Schulung so lange auszusetzen, bis eine Gruppe von mehreren Mitarbeitern zusammen ist, rechnet sich nicht, da hierunter die Arbeitseffizienz leidet. Eine Lösung für dieses Problem bietet das Selbststudium. Dies erkannten auch die fränkischen Versicherer und legte eine Reihe von Anforderungen fest, die diese Form der Schulung zu erfüllen hatte.

So sollte das DV-Grundwissen unabhängig von Einstellungsterminen jederzeit vermittelbar sein. Zudem wollte man mit einer interaktive Lehrmethode arbeiten, bei der es dem Lernenden überlassen ist, wie er seine Lernziele erreicht. Außerdem sollten Teile des Klassenunterrichts zur Entlastung der Trainer durch Lernprogramme ersetzt werden und die Klärung von Wissenslücken sowie praktische Übungen wie bislang im Klassenunterricht erfolgen. Um all diese Ziele zu erreichen, schaffte sich das Assekuranzunternehmen LTS '90-Lernstationen mit eingesetzten Video-Bildplatten, zudem CBT-Kurse auf CD-ROM und Micro Tutor Disketten-Lernprogramme an.

Die Lernstationen LTS '90 bestehen aus einem PC, der mit Tastatur, Farbbildschirm, Lautsprecher, Bildplattenspieler und einer Overlay-Karte konfiguriert ist. Eine anfänglich durchgeführte Testinstallation fiel zur Zufriedenheit der HUK aus. Hierzu trug unter anderem bei, daß der Lernende bei der Arbeit mit dem Lernprogramm über kein DOS-Wissen verfügen muß.

Hierfür sorgt eine vorgeschaltete Menü-Steuerung, die ihn unmittelbar die Arbeit mit dem Lernprogramm aufnehmen läßt. Eine leicht zu bedienende Benutzeroberfläche erleichtert den Lernweg und sorgt dafür, daß der Lernende sein Lerntempo problemlos selbst bestimmen kann. Die einzelnen Schulungsabschnitte Unterteilen sich in "Lernen" und "Üben", wobei die Übungen der Erfolgskontrolle der vorherigen Lerneinheiten dienen.

Bildplattenkurse entlasten Trainer

Nach Feststellung Ton Brettel ist die Lernstation LTS '90 heute bereits ein fester Bestandteil des Schulungsangebots seines Unternehmens. Einige hausinterne Schulungen habe man so von ehemals fünf Tagen Klassenunterricht auf nunmehr zwei Tage Praktikum reduzieren können. Zudem wolle man durch den Einsatz weiterer geeigneter Bildplattenkurse die eigenen Trainer zusätzlich entlasten.

Anders als bei den Video-Kursen gibt es für das Selbststudium an den

Lernstationen keine festen Kurstermine, sondern allenfalls einen Belegungsplan für diese Lernsysteme. Ebenso können die Lernenden die Kurse individuell bearbeiten. So lassen sich bekannte Kapitel überspringen, wodurch die Lerninhalte schneller erarbeitet und Lernzeiten verkürzt werden.

Die Lerninhalte prägen sich den Mitarbeitern überdies besser ein, da sie das Lerntempo selbst bestimmen und bei erkannten Wissenslücken ein bestimmtes Kapitel jederzeit wiederholen. Auch kann ein Mitarbeiter die Lernstation nach Rücksprache mit dein Trainigsverantwortlichen belegen sind so eventuell vorhandene Leerlaufzeiten im Arbeitsablauf für das Selbststudium nutzen.

Für diese Art der Schulung spricht außerdem, daß Lernen und Selbstkontrolle anonym sind und somit die beim Klassenunterricht mögliche Angst vor der Überwachung durch den Trainer beziehungsweise der Blamage vor den Mitlernenden entfällt. Daß dieses Schulungsangebot von den Mitarbeitern der HUK-Coburg bislang auch durchweg positiv beurteilt wird, belegen nicht zuletzt die Beurteilungsbogen, die jeder Mitarbeiter nach dem Besuch einer solchen Schulungsveranstaltung ausfüllt.

Hatte man in der Vorplanung noch Zweifel, ob sich die in die Schulungsmedien getätigte Investitionen bezahlt machen würden, so ist man mittlerweile vom Nutzen dieser Lernsysteme überzeugt. Schon nach einem halben Jahr Praxiseinsatz lag beispielsweise die Nutzungsrate der LTS '90 bei 70 Prozent, so, daß - infolge des dadurch geringeren Trainerbedarfs - schon anfänglich Kosten eingespart werden konnten.

*Angelika Dripke ist Geschäftsführerin der ADP GmbH in Wiesbaden.