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05.01.1990 - 

ETSI will bis Ende 1990 alle ISDN-Standards festschreiben

CCITT-Direktor Irmer fordert koordinierte EDI-Normierung

AMSTERDAM (pg) - Unsicherheit war bei den rund 150 Teilnehmern der zweitägigen EuroComm-Konferenz in Amsterdam spürbar. Drei Jahre vor Beginn des Binnenmarktes spielt sich die gesamte Telekommunikation nahezu in Futur ab. Standards wie ISDN, Edifact und FDDI sind trotz guter Prognose noch in der Schwebe.

"Die Euphorie der letztjährigen EuroComm ist verflogen, weil es mit den Standards nur langsam vorwärts geht", faßte ein Teilnehmer seinen Eindruck von der EuroComm ?89 zusammen. Tatsächlich konnten die Vertreter der einzelnen europäischen Standardisierungsgremien unter dem Strich nichts Neues bieten. Fazit: Es wird viel Normierungsarbeit geleistet, für Anwender und Hersteller stehen brauchbare Beschlüsse aber weiterhin aus.

Kritik an der internationalen Kooperation bei der Standardisierung übte Theodor Irmer, Direktor der CCITT. Er beklagte, daß Organisationen wie das European Telecommunications Standards Institute (ETSI), das T1-Committee in den USA sowie der Telecommunications Council in Asien neben der CCITT unkoordiniert an den Standards arbeiten. Irmer schlug deshalb vor, künftig die Standardisierungsaufgaben in einer gemeinsamen Konferenz einmal pro Jahr unter den Organisationen abzustimmen.

Ferner bemängelte der CCITT-Direktor, daß viel Geld und Manpower in Standards investiert werde, die für den Nutzer unwichtig seien. Irmer fordert daher: "Die Standardisierung muß professioneller werden." Sie sei, so der Experte, ebenso wie die Entwicklung von Hard- und Software, ein Produkt. Das Management der Hersteller müsse die Zeile für die technischen Spezialisten klar definieren, damit diese nicht, wie es häufig der Fall sei, an den Bedürfnissen der Anwender vorbeientwickeln. Die Industrie müsse sich deshalb stärker an der Normierung beteiligen.

Einen Rückstand bei der Standardisierung von ISDN räumte Frede Ask, Direktor des ETSI, ein. Das digitale Netz erfordere mehr Standards als erwartet. 80 Prozent seien jedoch schon fest geschrieben, Ende 1990 wolle das ETSI alle fertig haben.

Obwohl die Rechner-Hersteller ISDN mittlerweile akzeptiert und die PBX-Anbieter ISDN für die Weiterentwicklung ihrer Systeme entdeckt hätten, stehen nach Ansicht von Jim Norton, Direktor bei Butler Cox & Partner Ltd., die Aktien für das Netz in Europa zunächst schlecht. "Solange das End-to-end-Signaling in weiter Ferne ist, wird ISDN sein Ziel verfehlen."

Auch für die europäischen PTTs sieht Norton schlechte Zeiten anbrechen. Die Verantwortlichen werden sich nämlich, so der Berater, Anbietern von Value-Added-Services mit internationalem Netzmanagement zuwenden. Ein solches Management scheitert bei den Postverwaltungen an inkompatiblem Equipment, uneinheitlichen Tarifen und fehlenden gemeinsamen Diensten.

Langsamer als vermutet kommt laut Emile Peeters, Vorsitzender der EG-Kommission DGXIII/D/5, EDI in Europa in Gang. Nachdem 1990 die erste Phase des Projekts Tedis (Trade Electronic Data Interchange Systems) abgeschlossen werde, mit dem Ziel Mängel bei den Standards auszumerzen, soll in der zweiten Phase 1991 der elektronische Austausch von Handelsdaten besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen forciert werden. Ferner wolle die EG, so Peeters weiter, EDI mit Hilfe von Tedis unter den europäischen Staaten abstimmen.

Nach dem zweitägigen Parforceritt durch die TK, der auch die Mobil- und Satellitenkommunikation sowie intelligente Netze und Netzmanagement streifte, befaßte sich die Konferenz abschließend mit FDDI.

Durch die Glasfaser sei, so J. H. Gallop, Direktor Communikations Systems der IBM Europe, der Flaschenhals Telekommunikation beseitigt worden. Zuvor seien die Übertragungsmedien der Performance der Prozessoren nicht gewachsen gewesen. Durch den Fiberglas-Standard finde eine Umkehrung statt. Allerdings werde FDDI die Norm Anfang der 90er Jahre aus Kostengründen kaum eine Alternative zu LANs sein, sondern primär als Verbindungsmedium dienen.

FDDI müsse aber, so der Experte, im nächsten Jahrzehnt eine wichtige Rolle im Kalkül eines jeden Netz-Managers spielen. Derzeit noch nicht endgültig normiert, trägt er also neben anderen Netz-, Medien- und Übertragungsstandards seinen Teil zu dem momentanen TK-Vakuum bei, daß Investitionen zum finanziellen und infrastrukturellen Risiko macht. Von daher bestand unter den Kongreßteilnehmern Einigkeit darüber, daß in Europa noch ein gehöriger Abstimmungsprozeß auf breiter Front erfolgen muß, so der Anwender Vertrauen in die Kommunikation des Binnenmarktes fassen und Europa international konkurrenzfähig sein.