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15.08.1997 - 

DV und Umwelt/Zu schade für den Müll

CD-ROMs erwartet ein Rückholsystem

Anderthalb Milliarden Stück, schätzt der Chemiekonzern Bayer, selbst einer der größten Hersteller für den CD-ROM-Rohstoff Polycarbonat, werden 1997 weltweit gepreßt. Die silberne Scheibe gehört heute schon fast in jedes Computermagazin. Doch wohin mit ihr, wenn Shareware, Demo-Versionen und ähnlich Nützliches einen Flop landen?

"CD-Collect" heißt eine Sammelaktion, die die PC-Filialisten Vobis und Comtech/Escom zusammen mit dem Datenvernichter Newcycle aus Großhelfendorf sowie dem Vogel-Verlag auf die Beine gestellt haben. Bundesumweltministerin Angela Merkel übernahm offiziell die persönliche Schirmherrschaft.

Das Rückholsystem nutzt die vorhandenen Strukturen der Computerhäuser. Alte CD-ROMs steckt der Kunde auf eine Spindel, die sich sich in der jeweiligen Filiale in Kassennähe befindet. Bis vor kurzem war es nicht möglich, an die ausgemusterten CD-ROMs der Endverbraucher heranzukommen. Um so erfreuter ist Offerroth über die bisherige Resonanz. Er geht nach ersten groben Schätzungen schon jetzt davon aus, daß CD-Collect mit Blick auf den gesamtdeutschen Markt etwa fünf Prozent aller CD-ROMs erfassen wird. Die Werksanlagen von Newcycle können zur Zeit 800 Tonnen pro Jahr verarbeiten.

Doch auch ohne den Rücklauf vom Endverbraucher ist das CD-ROM-Recycling schon heute ein einträgliches Geschäft. Bayer recycelt alte Music-CDs und CD-ROMs schon seit 1994. Waren es anfänglich 500 Tonnen jährlich, geht der Konzern für dieses Jahr in ersten Schätzungen von 5000 Tonnen aus.

Das Problem beim CD-ROM-Recycling ist, daß Datenträger aus Verbundwerkstoffen bestehen. Auf den Polycarbonat-Rohling ist eine hauchdünne Aluminiumschicht aufgedampft. Darauf kommt ein Decklack, und später wird die Scheibe mit einem Label bedruckt.

In seinem Werk in Dormagen rückt Bayer den vorgranulierten CD-ROM-Scheiben mit chemischen Lösungsmitteln zu Leibe, um Lacke und Aluminium abzutrennen. Mit dieser Methode läßt sich zwar Polycarbonat zurückgewinnen, es bleiben aber Abwässer übrig.

Newcycle entwickelte indes ein anderes Verfahren, das diese prozeßbedingten Abfälle vermeidet. Die obersten Schichten werden rein mechanisch abgetragen. Neben dem Polycarbonat läßt sich so auch das Aluminium weiterverwenden.

Das recycelte Polycarbonat findet seine Abnehmer in der Medizintechnik, Haushaltswaren- und Automobilindustrie. Bei Bayer wandert das Granulat in Kunststoffe wie PC/ABS, ein recycel- barer Verbund aus Polycarbonat und Acrylnitrilbutadienstyrol. Die PC-Hersteller setzen ihn für Computer- und Monitorgehäuse ein. Allerdings lassen sich aus alten CDs keine neuen pressen.

Doch wie überall schläft auch hier die Konkurrenz nicht. Die Deutsche Telekom und das Nürnberger Recyclingunternehmen Hetzel, ein Zulieferant für das Bayer-CD-ROM-Recycling, wollen die T-Punkt-Läden zu Sammelstellen machen.

Angeklickt

Bisher sind es "nur" fünf Prozent der in Deutschland jährlich hergestellten CD-ROMs, die von CD-Collect wieder eingesammelt und einer Wiederverwertung zugeführt werden. Polycarbonat, der Rohstoff, aus dem die CDs gepreßt werden, ist hochwertig und bei Recyclern sehr gefragt. Auch die Deutsche Telecom rüstet sich in ihren T-Punkt-Läden schon für diesen Markt.

*Stephan Eder ist freier Journalist in Bonn.